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  • Fr., 07. Januar 2022, 16:20 Uhr
    INTERVIEW: NK im Gespräch mit Timo Horst, Stadtentwicklungsdezernent für Worms

    „Unsere Stadt liegt mir am Herzen“

    „Meine Frau und meine Kinder sorgen auch immer dafür, dass ich geerdet bleibe“, erklärt Timo Horst im Interview mit dem NK.

    Der Wormser Stadtrat hatte Timo Horst am 7. Juli zum neuen Dezernent für Stadtentwicklung, Planen und Bauen gewählt. Der damalige Ortsvorsteher von Hochheim setzte sich mit 33 zu 13 Stimmen in geheimer Wahl durch. Somit löste er den bisherigen Dezernenten Uwe Franz ab, der auf eine zweite Kandidatur verzichtet hatte.


    Der Nibelungen Kurier hat mit dem Kommunalpolitiker gesprochen, welches waren die bisherigen Höhepunkte im neuen Amt; was steht für das neue Jahr auf der Agenda und welche guten Vorsätze hat er für sich persönlich gefasst?


    NK: Herr Horst, ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Ihnen – beruflich konnten Sie Ihr Ziel erreichen und einige Vorhaben realisieren. Wenn Sie jetzt im neuen Jahr auf 2021 zurückblicken, welche waren Ihre glücklichen/besonderen beruflichen Momente?


    T. Horst: Natürlich war meine Wahl ein besonderer Moment für mich. Ich bin froh, dass ich parteiübergreifende Unterstützung erhalten habe, um die wichtigen Themen für meine Heimatstadt voranzubringen. Als Urwormser ist mir das eine Ehre. Dabei geht es um den Kita- und Schulbau, die Mobilitätswende, aber auch um die Stadtgestaltung am Domquartier und Rheinufer.


    Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wormser Immobilienmanagements jetzt die Frischluft-Anlagen in den Kitaräumen und Klassenzimmern in wenigen Monaten auf den Weg gebracht haben, ist ein großer Erfolg.


    NK: Welche Themen stehen für Sie auf der Agenda der Stadt Worms im Jahr 2022 – wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?


    T. Horst: In den nächsten Jahren müssen wir uns verstärkt mit Mobilität auseinandersetzen. Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, müssen wir dafür sorgen, dass mehr Menschen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Deshalb ist die Förderung des Radverkehrs eine der zentralen Aufgaben für die nächsten Jahre. Dazu müssen neue Fahrradwege gebaut und sichere Fahrradverbindungen in der Innenstadt geschaffen werden. Gleichzeitig muss der öffentliche Personennahverkehr verbessert werden, damit mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen. Dabei geht es etwa um bessere Anbindungen oder Taktzeiten.


    Als Vater von drei Kindern kenne ich die Herausforderungen bei den Wormser Schulen und Kitas. Ein wichtiges Thema ist deshalb der Neubau von Kitaplätzen sowie die Sanierung und der Neubau von Schulen. Wir sind dabei in Heppenheim die Kita zu erweitern und in Pfiffligheim wird die Kita gerade fertig. Die Wohnungsbau gGmbH errichtet eine Kita auf dem Fischmarkt. Gleichzeitig planen wir eine Kita am BIZ, in Rheindürkheim und an weiteren Standorten, um den dringenden Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken. Auch die Sanierung der Schulen wollen wir anhand einer Prioritätenliste jetzt sukzessive anpacken. Größter Brocken wird vermutlich das Bildungszentrum mit mehr als 100 Millionen Euro Sanierungskosten sein. Diese Baumaßnahme wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Jeder Euro, den wir in Bildung investieren, ist gut angelegt


    NK: Wenn man über den Tellerrand hinausblickt – was wünschen Sie sich auf Landesebene und/oder Bundesebene seitens der Politik?


    T. Horst: Ich glaube, Bundes- und Landesregierung stehen vor großen Herausforderungen. Der Wiederaufbau der Wirtschaft nach Corona und wichtige Investitionen in Zukunftsthemen, wie Mobilitätswende und die Schaffung von Klimaneutralität, werden noch viele Ressourcen benötigen.


    Wünschenswert wäre es, Städte und Gemeinden mehr von Bürokratie zu befreien, damit wir zum Beispiel Baumaßnahmen schneller abschließen können. Da gibt es positive Ansätze. Außerdem wünsche ich mir, dass wir auch weiterhin für unsere wichtigen Projekte wie Domquartier oder Rheinufer Unterstützung erhalten. Besonders erfreulich ist allerdings die Ankündigung von Bund und Land, die Kommunen zu entschulden. Das ist ein richtiger Schritt.


    NK: Wie hat Ihre Familie Sie in Ihrem Vorhaben Dezernent für Stadtentwicklung, Freitzeitbetriebe und Sport von Worms zu werden unterstützt? Gab es auch Bedenken von Menschen, die Ihnen nahestehen?


    T. Horst: Vollständig. Meine Familie weiß, dass ich für Worms brenne und mir die Entwicklung unserer Stadt am Herzen liegt. Als meine Partei mich dann aufgefordert hat, zu kandidieren, habe ich das als riesige Chance begriffen.


    Sehr froh und dankbar bin ich, dass mich meine Familie unterstützt. Meine Frau und meine Kinder sorgen auch dafür, dass ich geerdet bleibe.


    NK: Gibt es für Sie neben Ihren politischen Erfolgen, Ereignisse, die Sie 2021 besonders erfreut haben?


    T. Horst: Der Besuch meiner ersten Baustelle als Dezernent war total spannend für mich und hat mein Ingenieurherz höherschlagen lassen. Wenn man vor einer ca. 20 m hohen Autounterführung steht, ist das immer wieder beeindruckend, dank der technischen Möglichkeiten, die wir haben. Es zeigt aber auch, welche Verantwortung meine Mitarbeiter und ich als Dezernent haben.


    NK: … oder auch traurig gestimmt haben?


    T. Horst: Dass wir es auch leider im Jahr 2021 nicht geschafft haben, zur Normalität zurückzukehren.


    NK: Wer ist für Sie die Person des Jahres 2021 und warum?


    T. Horst: Özlem Türeci wird immer als brillanter Kopf hinter dem Biontech-Impfstoff gesehen, ist aber in der Öffentlichkeit weniger bekannt als ihr Kollege Uğur Şahin. Beide haben Unglaubliches geleistet und haben bewiesen, dass in Deutschland Spitzenforschung und Innovation möglich ist.


    NK: Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?


    T. Horst: Tatsächlich würde ich mir weniger gesellschaftliche Spaltung wünschen und eine Diskussionskultur, die respektvoll miteinander umgeht. Mehr Frieden in der Gesellschaft fände ich erstrebenswert. Mit Blick auf die Ukraine kann ich nur sagen, dass Frieden ein hohes Gut ist.


    Für meine Heimatstadt wünsche ich mir, dass wir das Positive in unserer Stadt mehr schätzen lernen und trotzdem den Mut haben, Dinge zu verbessern und unsere Stadt weiterzuentwickeln.


    NK: Und was haben Sie sich persönlich fest vorgenommen?


    T. Horst: In diesem Jahr möchte ich dem Sportdezernenten auch in praktischer Hinsicht etwas gerechter werden.

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