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  • Mi., 23. Oktober 2013, 07:17 Uhr
    10 Jahre Rotary Club Worms-Nibelungen wurden in der „Kapelle“ würdig gefeiert / 15.000 Euro für „LIVE“

    Unterstützung für Integrationsprojekt „LIVE“ der FH Worms

    Brechend voll war die „Kapelle“, als der Rotary Club Worms-Nibelungen zur Feier seiner 10jährigen Charter lud. Vor zahlreichen Gästen, vom Distrikt, den  benachbarten Rotary Clubs, Lions und Schlaraffia, ließ Präsident Rainer Müller die vergangenen 10 Jahre Revue passieren.

    Als 61. Club wurde der Rotary Club Worms-Nibelungen vor 10 Jahren unter der Patenschaft des Rotary Club Lampertheim mit 24 Gründungsmitgliedern gechartert. Keine Neulinge waren sie damals, hatten sie doch insgesamt bereits 150 Jahre Rotary-Erfahrung aufzuweisen, so Assistant Governor Hartmut Jäger aus Mainz. Denn wie so viele Clubs war auch dieser als Abspaltung aus dem bereits bestehenden Rotary Club Worms hervorgegangen. Dass heute auch gemeinsame Projekte mit dem Wormser Nachbarclub gemeistert werden, freute Jäger ganz besonders.

    Freundschaft mit dem Patenclub pflegen
    Die Vizepräsidentin des rechtsrheinischen Patenclubs, Marianne Michels-Junglas, freute sich zu sehen, was „aus dem Kind geworden ist“, für das ihr Club vor 10 Jahren die Patenschaft übernommen hat. Die Aufgabe des Paten, das Kind auf den Weg zu bringen, sei besonders einfach gewesen, wo bei der Clubgründung bereits so viel rotarische Erfahrung vorhanden gewesen sei. So habe man sich nicht erst selbst finden müssen, sondern sofort Hilfsprojekte auf den Weg bringen können. Dass die Freundschaft mit dem Patenclub dauerhaft gepflegt werde, komme nicht zuletzt auch in den alljährlichen gemeinsamen Backfischfestbesuchen in Worms und Spargelessen in Lampertheim zum Ausdruck.

    Grüße und Glückwünsche kamen nicht nur vom Rotary-Club und Lions Club Worms, sondern auch, das freute Präsident Müller außerordentlich, von dem eigens aus Kairo angereisten Präsidenten des ägyptischen Partnerclubs, Nader Goubran. So wechselte Müller denn auch mühelos immer mal wieder ins Englische, während er souverän durch den Abend führte.

    Oberbürgermeister Kissel überbrachte die Glückwünsche der Stadt Worms und sprach mit Blick auf die vielen lokalen und internationalen Hilfsprojekte von „gelebter Menschenrechtsarbeit“ der Rotarier.

    Amtskette von Gründungspräsident
    Neben Schecks der befreundeten Clubs, mit denen Hilfsprojekte unterstützt werden, konnte Rainer Müller ein ganz besonderes Geschenk entgegennehmen. Wolfgang Schambach, Gründungspräsident des Clubs und seit einigen Jahren in Bayern wohnhaft, stiftete dem Club eine Amtskette, die nun alle Präsidenten bei wichtigen rotarischen Anlässen tragen werden. Schambach verband die Übergabe der Amtskette mit dem Wunsch, sie möge die jeweiligen Präsidenten nicht nur schmücken, sondern auch als Ausdruck des Vertrauens in das Präsidentenamt, aber auch als Verpflichtung auf die rotarischen Prinzipien gewertet werden. Es erfülle ihn mit Stolz, diese Amtskette tragen zu dürfen und er werde sich nach Kräften bemühen, dem Vertrauen in das Amt gerecht zu werden, so der überraschte Präsident Müller in seinen Dankesworten.

    Wissen der Studenten nutzen
    Im Mittelpunkt des Abends stand nach rotarischer Gepflogenheit ein besonderes Hilfsprojekt, das Prof. Dr. Jutta Binder-Hobbach besonders am Herzen liegt. Das von der Rotarierin an der Fachhochschule Worms initiierte und mehrfach preisgekrönte Hilfsprojekt „LIVE“ drohte mangels weiterer Finanzierbarkeit auszulaufen. LIVE ist gelebte Integration. Der hohe Anteil an ausländischen Studierenden an der FH Worms aus 87 verschiedenen Nationen bietet die Basis von LIVE – ein Schatz, den es zu heben gilt. Ausländische Studierende sind nicht nur mindestens zweisprachig, sie verfügen auch über ein enormes Wissen über ihre Heimat und über interkulturelle Fähigkeiten. Davon unsere Wormser Gesellschaft profitieren zu lassen und dabei gleichzeitig die jungen Menschen in die Wormser Gesellschaft zu integrieren - nicht weniger leistet das Projekt. Dabei gehen die jungen Menschen, so Projektleiterin Annette Mayer-Möbius, in die unterschiedlichsten Einrichtungen, schwerpunktmäßig aber in Wormser Schulen. Von der Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule bis zur Vorbereitung auf das Cambridge Certificate in Gymnasien und Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund in den Berufsbildenden Schulen reicht die Spanne der Aktivitäten. Auch das Alisa-Zentrum, der Internationale Bund, „Arbeit und Leben“ und die Kirchen profitieren von LIVE.

    Mayer-Möbius schilderte anschaulich, welch große psychologische Wirkung es bei den Kindern hat, wenn diese Studierenden eine Vorbildrolle einnehmen. Waren zunächst bei jungen Schülerinnen noch traditionelle Rollenbilder im Kopf und man sah sich in seinem Erwachsenenleben, wenn überhaut, dann aber in einem typischen Frauenberuf, so träumen junge Mädchen mit Migrationshintergrund heute teilweise von einer akademischen Laufbahn und zeigen vor allem auch den Lerneifer, dies zu erreichen. Bessere Noten, interkulturelle Öffnung und Interesse an Sprachen sind nur einige der positiven Effekte auf Seiten der Schüler.

    15.000 Euro für „LIVE“
    Aber auch die Studierenden sind durchweg begeistert von dem Projekt, ist ihre Vorbildfunktion doch auch für sie ein wichtiger Baustein zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Schaffung sozialer Kontakte. Nicht zuletzt die Möglichkeit eines, wenn auch bescheidenen, eigenen Einkommens, ist Teil des Erfolges. Die Jubiläumsspende von 15.000 Euro, die Binder-Hobbach und Mayer-Möbius dankbar entgegennahmen, sichert die Fortführung des Projektes nun für weitere drei Jahre. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil an ausländischen Studierenden in Worms mit 22 % doppelt so hoch liegt wie der Bundesdurchschnitt, ist Binder-Hobbach mit Recht stolz darauf, dass die Studienabbruchquote in Worms niedriger liegt als im Bundesdurchschnitt. Dies zeige, dass sich die jungen Menschen, von denen die meisten aus der Türkei, aus Kamerun, Bulgarien und China kommen, in Worms wohlfühlen. Denn Studienabbrüche lägen oft nicht an den Leistungen, sondern an den Lebensumständen der jungen Menschen, weiß  Binder-Hobbach, die die Internationalisierung der Hochschule als Vizepräsidentin über viele Jahre intensiv vorangetrieben hat.

    Präsident Müller sieht in dem Projekt sehr viele rotarische Wünsche und Ziele vereinigt. „Es steht uns gut an, die Lebenszeit dieses Projektes für weitere drei Jahre gesichert zu haben“, so Müller.

    Hilfe für Ägypten
    Weitere 5.000 Euro konnte Präsident Nader Goubran für dringend benötigte Hilfsprojekte in seinem derzeit unglaublich gebeutelten Heimatland Ägypten entgegennehmen. Dort werden nun weitere 40 Familien außerhalb von Kairo mit Unterstützung der beiden befreundeten Clubs an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden können. Präsident Goubran erinnerte in seiner Ansprache an die vielen gemeinsamen Aktivitäten in der Vergangenheit, Trinkwasserprojekte, Opferhilfe nach Naturkatastrophen, aber vor allem an die seit Jahren bestehende Partnerschaft bei der Krankenschwesternausbildung im Wormser Klinikum.

    Heute kann der Club auf 22 Neuaufnahmen zurückblicken und hat eine beachtliche Zahl außergewöhnlicher, vor allem sozialer Projekte, auf den Weg gebracht.

    Stets standen dabei soziale Projekte wie die langjährige Unterstützung der Wormser Tafel durch Lebensmittelspenden oder das Familienzentrum im Vordergrund. Auch die Unterstützung eines Waisenhauses in Kairo, ein Alphabetisierungsprojekt und vieles mehr konnten erreicht werden. Dass Rotarier auch zupacken können, das bewiesen sie vor einigen Jahren beim Säubern des Radweges zwischen Herrnsheim und Abenheim.

    Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Rotary-Chor, der von einem Dudelsackspieler begleitet wurde.

     

     

     

     

     

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