LICHT-LUFTBAD-QUARTIER: Planungskonzeption für die Monsheimer Straße einstimmig verabschiedet / 425 neue Wohneinheiten und 50 Kita-Plätze
Urbanes Wohnen mit viel Grün
Visualisierte Darstellung des Licht-Luftbad-Quartiers auf dem ehemaligen Rheinmöve-Areal in Worms. Grafik: ehret + klein
VON STEFFEN HEUMANN | Der Bauausschuss stimmte am Donnerstag einstimmig der Konzeption für das neue „Licht-Luftbad-Quartier“ an der Monsheimer Straße zu. Investor ehret + klein plant auf dem früheren Rheinmöve-Areal die Errichtung von 425 Wohneinheiten, überwiegend zur Miete, aber auch Eigentumswohnungen sind angedacht. 555 Garagen- und 40 Außenstellplätzen, eine Kita mit rund 50 Plätzen sowie Gewerbe und Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sollen entstehen. „Die Entwicklung eines nutzungs- und gesellschaftlich gemischten Quartiers schafft einen urbanen Lebensraum entsprechend einer nachhaltigen Stadtentwicklung und ermöglicht ein langfristig attraktives Wohnumfeld in zentrumsnaher Lage in Worms“, erklärte Projektleiterin Christiane Fischer.
Alters- und familiengerechtes Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität
Viel neues Grün (37 Neupflanzungen von Bäumen sind angedacht) sowie die Aufrechterhaltung des vorhandenen Baumbestandes inklusive der Rheinmöwen-Eiche als Kulturdenkmal und öffentlich nutzbare Plätze sollen eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen. Der konzeptionelle Fokus liegt auch auf einer großen sozioökonomischen Bandbreite der Bewohner bezüglich der aufgerufenen Mietpreise, um so eine nachhaltige Gesellschaftsstruktur zu erreichen. 100 Wohneinheiten sind dem sozial geförderten Wohnungsbau vorbehalten. Die Mobilität durch die standortbedingte gute Anbindung an den ÖPNV in Worms soll durch quartiersinterne Mobilitätskonzepte weiter gesteigert werden. Gestaffelte Gebäude mit offenen Fassadenstrukturen öffnen das Quartier und fügen sich harmonisch in die Nachbarschaft ein. Einzigartig sei der Blick auf den Dom, so die Projektleiertin.
Nahezu autofrei und frische Nahversorgung
Nutzungsmischung im Quartier: Kleinteilige Einzelhandelsflächen (Bäcker, Metzger, Friseur, Tot/Lotto etc.) bis zu einer maximalen Fläche von 800 Quadratmetern sorgen für die regionale und frische Nahversorgung im Quartier. Für eine ergänzende Einzelhandelsversorgung ist die Ansiedlung eines Drogeriemarktes oder eines Bio-Supermarktes vorgesehen. Es entsteht ein nahezu autofreies Quartier. Die Anwohnergarage dient zudem als Schallschutzriegel zur Bahn und zur Schaffung eines weiteren großzügigen Grünzuges im Quartiers. Selbst an Betreuungsangebote für Senioren wurde gedacht.
Grün statt Grau
Mit Bezug auf die Geschossigkeit sprach Christiane Fischer von einer abwechslungsreichen Höhenentwicklung. Die Gebäude seien ausschließlich mit Flachdächern und Begrünungen geplant. Die Nutzung von Photovoltaikanlagen sei ebenfalls vorgesehen. Zudem würden Spielbereiche für Kinder in der Größenordnung von und 400 Quadratmetern geschaffen und Reserveflächen bevorratet. Selbst die Lärmschutzwand beinhaltet eine 70-prozentige Außenbegrünung. Des Weiteren bleibe das gesamte Quartier frei von privatem Autoverkehr, nur Anlieferungen seien erlaubt. Schall-, Verkehrs- und Artenschutz-Gutachten nebst Regenwasserversickerung seien in den Planungen ebenso berücksichtig worden, wie die Minimierung möglicher Lärmquellen. „Wir bleiben Worms in jedem Fall erhalten“, freute sich Christiane Fischer auf die weiterhin gute und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Verwaltung, nicht zuletzt auch im Bezug auf die Entwicklung des Kaufhof-Gebäudes.
Blick vom Westen nach Osten in Richtung Dom. Grafik: ehret + klein
Novum und Riesengewinn
Sitzungsleiter Waldemar Herder zeigte sich erfreut, dass das Konzept sämtlichen Anforderungen an ein modernes Wohnen entspreche. Richard Grünewald, die Grünen, ergänzte, dass er selten eine Planung von dieser Qualität gesehen habe. „Urbanes Bauen auf aktuellem Stand mit einem hohem Grad der Durchmischung“, kommentierte Grünewald. Dass ein Investor im Vorfeld bereits sozialen Wohnungsbau berücksichtigt habe, sei ein Novum. Auch die Kita sei ein Riesengewinn, betonte Richard Grünewald.
Viele politische Wünsche berücksichtigt
Karl Müller, FWG/Bürgerforum: „Ein besonderes Projekt und eine interessante Entwicklung.“ Müller hegte den Wunsch nach möglichst intensiver Energienutzung durch Photovoltaik und natürlich, dass durch das Vorhaben die wertvolle Frischluftschneise für die Innenstadt erhalten bleibt. Timo Horst, SPD, war ebenfalls vollen Lobes über ein vielleicht sogar klimaneutrales Areal, bei dem viele politischen Wünsche in den Bebauungsplan eingeflossen seien und im Vorfeld eine Bürgerbeteiligung stattgefunden habe. Jetzt fiebere man der Realisierung entgegen, so Horst. „Und wir fiebern dem Satzungsbeschluss entgegen“, bekundete Christiane Fischer seitens ehret + klein.
Moderne Mobilität im Fokus
Zwecks Energieversorgung sei ein Blockheizkraftwerk angedacht, fügte die Abteilungsleiterin für die Baurechtsbeschaffung an. Diesbezüglich würden Gespräche mit Anbietern geführt. Das Grundstück bleibe zwar in privatem Besitz, aber aufgrund des verankerten Gehrechtes sei es dennoch für Jedermann zugänglich, führte Fischer weiter aus. Das Thema moderne Mobilität sei dem Investor sehr wichtig. „Wir setzen auch auf das Bewusstsein der künftigen Bewohnern, dass man auf den eigenen Pkw verzichten kann“, wie Christiane Fischer mit dem Hinweis auf die Nutzung von Stadtteilautos oder von Lastenfahrrädern verdeutlichte. Ladesäulen seien auf dem Gelände ebenfalls integriert. Fahrradabstellplätze habe man sowohl in der Quartiergarage als auch in den Wohngebäuden vorgesehen.
Viel Rückenwind für Projekt
Eine zusätzliche Verkehrsbelastung soll vom neuen Quartier nicht ausgehen. Die Auswirkungen seien von Gutachtern untersucht worden. Mit dem Ergebnis, dass die Knotenpunkte und auch der Verkehrskreisel nicht mehr als bisher frequentiert würden. Verkehrsbewegungen zu Möbel Boss (zieht auf ein neues Areal in der Klosterstraße) oder zur Tankstelle (wird zurückgebaut) entfallen überdies. „Ein einstimmiges und starkes Votum, das dem Projekt viel Rückenwind verleiht“, befand Dezernent Waldemar Herder. Und ein die Stadt prägendes Modell, so Herder. Das mache Lust, weitere Quartiere zu entwicklen, wie Herder abschließend konstatierte.