Mo., 12. September 2016, 14:43 Uhr
Wormser Märchen- und Sagenkreises widmete sich „Venedigern“
Venediger am Donnersberg
Rund 130 Sagen um die „Venediger“ gibt es im deutschsprachigen Raum. Eine davon spielt in unserer Gegend. Die vom „Müller zu Flörsheim“. Sie stand im Mittelpunkt des jüngsten Abends der vom Wormser Märchen-und Sagenkreis verantworteten Reihe „Märchen unter dem Kronleuchter“ im Museum Heylshof. Hier dominieren in der Regel mit Volksmärchen Erzählkunst und Poesie. Diesmal allerdings standen nüchterne Sagen an und damit ein Rückblick auf die Zeit, in denen auch unsere Region ins Ziel einer ganz speziellen Gruppe von bergmännisch geschulten Abenteurern gerückt erschien, eben den „Venedigern“, auch „Walen“ oder „Welsche“ geheißen. Angeblich suchten sie Gold. In Wirklichkeit durchstöberten sie Abraum und Halden nach Erzen und Mineralien, die als „seltene Erden“ von damals die technischen Prozesse in Venedigs Glasbläsereien zu Murano in Gang setzten und am Laufen hielten.
Alfred Pointner, stets als ausdruckstarker und mitreißender Erzähler geschätzt, kam als solcher diesmal kaum zum Zuge, überzeugte dafür aber als beschlagener Sagenwissenschaftler, der mit Hilfe alter Sagen interessante regionalhistorische Zusammenhänge zwischen Donnersberg und Westhofen in einer an herkömmlichen Quellen armen Zeit aufzeigen konnte. Welche Kostbarkeiten auch dank des „Pälzer Drecks“ in der Lagunenstadt geschaffen werden konnten, bestaunten die Besucher direkt vor Ort, bieten doch die berühmten Heylshofsammlungen die einmalige Gelegenheit, auch Jahrhunderte altes venezianisches Glas zu bewundern.
Nächstes Treffen
Beim nächsten Märchenabend unter dem Kronleuchter wird – wie Pointner, der bei der Textdarbietung von Therese Beck unterstützt wurde, erläuterte – die klassische Erzählkunst wieder im Mittelpunkt stehen. Denn dann heißt es am Mittwoch, den 23. November: „Von Mühlen, Müllern und der schönen Müllerin“ und geboten wird ein Strauß der schönsten Mühlenmärchen.