KINDERTAGESSTÄTTENBEDARFSPLANUNG: Platzmangel auf Jahre hinaus nicht zu kompensieren / Kita am BIZ hat das Zeug zum Zankapfel
Versäumnisse in der Vergangenheit bescheren Dilemma in der Gegenwart
Die Idylle trügt! Das BIZ platzt an Schultagen aus allen Nähten. Die geplante Kita auf dem Gelände verschärft die Verkehrsproblematik. Nach Lösungen wird händeringend gesucht – die Zeit drängt! Foto: Steffen Heumann
VON STEFFEN HEUMANN | „Menschenskinder“ könnte man bei Blick auf die Ist-Situation an Kita-Plätzen in Worms meinen. Dass es mit Bezug auf die Kindertagesstättenbedarfsplanung 2019 auch in den kommenden beiden Jahren nur zu geringen Veränderungen kommen soll, ändert nichts an dem Dilemma, mit dem sich die Verwaltung gegenwärtig auseinandersetzen muss.
Die Verwaltung berichtet von einem leichten Anstieg der Gesamtzahlen der Kinder unter 7 Jahren von 5.869 auf 5.928 sowie einen leichten Rückgang bei den unter 2-Jährigen. Unterm Strich fehlen jedoch 900 Plätze, wie Sozialdezernent Waldemar Herder konstatieren musste. Die Eltern haben gegenüber der Stadt jedoch einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Planen und Bauen, was das Zeug hält und die Luft anhalten und ausharren, welche Auswirkung eine mögliche Klagewelle haben wird.
Lücke von rund 300 Kita-Plätzen Selbst nach Fertigstellung der aktuellen Vorhaben in Pfiffligheim, am Fischmarkt oder im Raum stehender Erweiterungen, klafft eine Lücke von rund 300 Kita-Plätzen. Ein Ergebnis aus Versäumnissen in der Vergangenheit. Beispiel Heppenheim. Dort wurde ein Neubaugebiet ausgewiesen. Der höhere Kita-Bedarf durch den Zuzug junger Familien mit Blick auf die örtlichen Kapazitäten war bekannt. Gehandelt wurde erst Jahre später. Der Sonnenblumen-Kindergarten wird jetzt erweitert, im Anschluss das Bestandsgebäude saniert. „Aus diesen Fehlern habe man gelernt“, erläuterte Dezernent Herder. Die Notwendigkeit, Kindertagesstättenplätze einzuplanen, sei bei der Schaffung neuer Wohnquartiere auch bei privaten Erschließungsträgern angekommen.
„Verkehrshotspot“ BIZ kommt Kita in die Quere Als Entlastung für die angespannte Situation pochten Bündnis 90/Die Grünen daher auf Errichtung einer Kita auf dem Salamandergelände. Ohne Wenn und Aber und ob mit dem THW auf dem Gelände oder ohne das Technische Hilfswerk. Einen Schimmer Hoffnung auf etwas Entspannung angesichts der ernsten Lage brachte das Vorhaben, direkt am BIZ neben der Karl-Hofmann-Schule eine viergruppige Kita in Modulbauweise zu errichten. Das Gelände gehört der Stadt, die Klärung baurechtlicher Fragen wäre nur noch Formsache. Allerdings ist das BIZ, was den an- und abfließenden Verkehr betrifft, bereits ein „Hotspot“.
Die Anfahrt unter dem Gesichtspunkt, dass diese aus dem Stadtteil Hochheim erfolgen soll, sahen Dezernent Uwe Franz wie auch Ortsvorsteher Timo Horst, verbunden mit der Bitte, den Ortsbeirat im Vorfeld vor Entscheidungen über den Sachstand zu informieren, kritisch. Und auch Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek wiegelte gleich ab, dass er ungern mit dem Vollzugsdienst dafür gerade stehen wolle, dass ein Chaos aus Richtung Rudolf-Heilgers-Straße zur Schule und zur Kita verhindert werden könne.
Alternativen in unmittelbarer Nähe zum BIZ wurden zwar genannt, aber mit Blick auf die Parkplatzsituation rund um den Bildungskomplex sei nur eine Verschiebung der Anfahrtproblematik zu erwarten. Schlussendlich gab es nur die Einigung darüber, dass eine Kita gebaut werden soll. Die genaue Standortfrage und vor allem die Optionen einer bestmöglichen verkehrlichen Andienung sollen im Bauausschuss diskutiert werden.