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  • Di., 17. November 2015, 11:54 Uhr
    Wenn Politiker anfangen zu sprechen, schalten viele Jugendliche ab – nicht so bei einer Veranstaltung der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim am vergangenen Freitag

    Verständnis und Klartext


    Bereits die Studie „Sprichst du Politik?“ aus dem Jahre 2011 kam zu dem Ergebnis, dass Jugendliche, also künftige Wählerinnen und Wähler, die Sprache derer nicht sprechen, die sie wählen sollen. Zwar hielten es die meisten jungen Menschen für wichtig, sich für Politik zu interessieren, leider würde jedoch allzu oft das vorhandene Interesse am Verständnis scheitern, so die Studie. Eine Mehrheit Jugendlicher sitzt bisweilen hilflos vor den Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung. Denn wenn ein Problem „mit Nachdruck angegangen“, Handeln als „alternativlos“ oder eine „temporäre Reaktion“ als „von höchster Priorität“ bezeichnet wird, dann steigen Jugendliche aus, noch bevor ihnen der Politiker etwas über „Zukunftsperspektiven“ erzählen kann.


    Direktes Aufeinandertreffen von Schule und Politik – in der Vergangenheit eher die Ausnahme – kann allerdings helfen, diesen Graben zu schließen.


    Freitagvormittag war der aus Frankenthal stammende rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Christian Baldauf (CDU) zu Gast in Bobenheim-Roxheim und nahm sich Zeit, um etwa 45 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9 und 10 der Realschule plus knapp zwei Stunden lang Rede und Antwort zu stehen. Hierbei hatten sie die Gelegenheit, aktuelle politische bzw. gesellschaftliche Fragen direkt an einen Volksvertreter zu stellen - „ungefiltert“ und somit authentisch. Das Äußern von Befürchtungen oder auch eine gewisse Verunsicherung seitens der Jugendlichen durften hierbei selbstverständlich auch eine Rolle spielen.


    Ohne rhetorische Floskeln zu verwenden, hat sich Christian Baldauf mit den Schülerinnen und Schülern über das aktuelle politische Geschehen ausgetauscht – offen und gleichzeitig differenziert. Deren Interesse zeigte sich vor allem darin, dass die Antworten des Politikers nicht einfach „abgenickt“ wurden, wie wohl so manche Ausführung eines Lehrers, vielmehr wurde die Möglichkeit genutzt, aktiv – und durchaus kritisch - nachzufragen. Der Grund? Wenn Jugendliche merken, dass man ihnen zuhört, dann steigt sofort die Bereitschaft, selbst zuzuhören - ungleich länger und aufmerksamer, als im Unterricht – und mitreden zu wollen.


    Fragen wie: „Warum werden soziale Berufe, wie Altenpfleger/in oder Erzieher/in so schlecht bezahlt?“, „Warum haben alle Bundesländer ein anderes Schulsystem?“ oder „Wieso sind Unterrichtsthemen so realitätsfern?“ konnten - teils vereinfacht, jedoch ehrlich – beantwortet werden, ohne dabei am Wesentlichen, also am eigentlichen Inhalt vorbeizureden, wie man es Politikerinnen und Politikern, mitunter sicher zurecht, unterstellt.


    Insbesondere das Thema „Flüchtlingskrise“ scheint auch Schülerinnen und Schüler ständig, ja nachhaltig, zu beschäftigen. Gerade die Problematik dieser schwierigen und sehr emotional geführten Diskussion verstand es Herr Baldauf schülernah zu erklären und falls nötig mit alltäglichen Fallbeispielen aus der Lebenswelt Jugendlicher zu unterfüttern.


    Dementsprechend die Reaktionen: „Es war spannend und verständlich.“ – „Er hat auch Interesse an uns gezeigt.“ – „Wir haben gelernt, dass andere Meinungen nicht schlecht sein müssen, weil zu manchen Themen auch verschiedene Meinungen richtig sein können.“, so der Tenor.


    Fazit: Politisches Interesse ist heute unter Jugendlichen keineswegs verschwunden. Wird Politik - wie in diesem Fall - anschaulich vermittelt, erreichen auch komplizierte Inhalte ihre Adressaten. Die Formel hierzu lautet: Verständnis und Klartext!

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