
Das Klinikum Worms erweitert sein medizinisches Versorgungsangebot für Frauen, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Im Rahmen des vom Land Rheinland-Pfalz geförderten Projekts „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ können Betroffene ab sofort rund um die Uhr medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und mögliche Verletzungen sowie Spuren vertraulich sichern lassen – auch ohne vorherige Strafanzeige.
Das neue Angebot wurde am Donnerstag im Beisein von Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Vertreterinnen und Vertretern des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz sowie der beteiligten Wormser Einrichtungen offiziell vorgestellt.
„Mit dem Ausbau dieses kostenfreien und leicht zugänglichen Hilfsangebots setzen wir in Rheinland-Pfalz ein wichtiges Zeichen. Menschen, die Gewalt erfahren haben, brauchen in einer ohnehin schwierigen Situation vertraulichen Schutz und verlässliche Unterstützung. Sie müssen sich darauf verlassen können, zeitnah und unkompliziert die Hilfe zu erhalten, die sie benötigen. Das Projekt ,Vertrauliche Hilfe nach Gewalt' leistet genau das: Es unterstützt Frauen und Männer, die von sexualisierter oder anderer häuslicher Gewalt betroffen sind, und ermöglicht ihnen einen niedrigschwelligen Zugang zu den erforderlichen Hilfsangeboten“, erklärt Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.
„Wer Gewalt erlebt hat, braucht vor allem eines: einen geschützten Raum, in dem medizinische Hilfe und die Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Viele Betroffene befinden sich nach einer Gewalterfahrung in einer Ausnahmesituation und können oder möchten nicht sofort entscheiden, ob sie Anzeige erstatten. Mit unserem Angebot geben wir ihnen die Möglichkeit, sich zunächst medizinisch versorgen und mögliche Spuren sichern zu lassen, ohne sich damit auf weitere Schritte festlegen zu müssen“, erklärt Prof. Dr. Thalia Erbes, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Worms.
Nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt können Verletzungen und andere Spuren wichtige Beweismittel sein. Da diese häufig nur für eine begrenzte Zeit nachweisbar sind, ist eine frühzeitige Untersuchung und Dokumentation besonders wichtig. Gleichzeitig stehen Betroffene häufig vor der schwierigen Frage, ob sie eine Strafanzeige erstatten möchten. Genau hier setzt die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ an. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz können am Klinikum Worms Verletzungen fachgerecht dokumentiert und mögliche Spuren gesichert werden.
„Eine fachgerechte und zeitnahe Spurensicherung kann entscheidend sein, um mögliche Beweise für eine spätere strafrechtliche Verfolgung zu erhalten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, den Betroffenen in einer schwierigen Lebenssituation Sicherheit zu geben und ihre Selbstbestimmung zu wahren. Die vertrauliche Spurensicherung ermöglicht es, Verletzungen und Spuren professionell zu dokumentieren und zu sichern, ohne dass unmittelbar eine Strafanzeige gestellt werden muss. So bleiben den Betroffenen alle Möglichkeiten für eine spätere Entscheidung offen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Tanja Germerott, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz.
Für die Umsetzung des Angebots arbeiten am Klinikum Worms verschiedene medizinische Fachbereiche eng zusammen. Dazu gehören unter anderem die Frauenklinik, die Zentrale Notaufnahme, die Unfallchirurgie und Orthopädie sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Ziel ist es, Betroffenen unabhängig von der Art der Gewalterfahrung eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung und vertrauliche Unterstützung zu ermöglichen.
Neben der medizinischen Versorgung spielt auch die psychosoziale Begleitung eine wichtige Rolle. Hierfür arbeitet das Klinikum mit dem Frauennotruf Worms und dem Frauenhaus Worms zusammen. Die Einrichtungen bieten Betroffenen weiterführende Beratung und Unterstützung und können dabei helfen, individuelle Perspektiven und nächste Schritte zu entwickeln.
Die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ steht Betroffenen am Klinikum Worms an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zur Verfügung. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.
Zentrale Anlaufstelle ist die Notaufnahme des Klinikums Worms. Ansprechpartnerinnen sind Prof. Dr. Thalia Erbes und Johanna Buchholz.
Klinikum Worms –
Zentrale Notaufnahme
Gabriel-von-Seidl-Straße 81
67550 Worms
Eine vorherige Anmeldung oder Strafanzeige ist nicht erforderlich.
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