„Farbe“ war auch im Herrnsheimer Schloss das Thema am Tag des Offenen Denkmals
Vertrautes unter neuem Blickwinkel
Gästeführer Rolf Jochum lenkte den Blick der zahlreichen Besucher vor allem auf raffinierte Farbdetails innen und außen am Herrnsheimer Schloss. Foto: Regina Urbach
VON REGINA URBACH Der bundesweite Tag des offenen Denkmals stellte auch in Worms eine Herausforderung dar, scheinbar Vertrautes unter dem Aspekt der Farben neu zu präsentieren. Etwa 80 Besucher kamen schon morgens um 10 Uhr zur Führung durchs Herrnsheimer Schloss. Auf dieser lenkte Gästeführer Rolf Jochum (aus Bad Dürkheim) den Blick zunächst auf die farbliche Außengestaltung und die Schwierigkeit für den Denkmalschutz, die ursprüngliche Schlossfarbe zu rekonstruieren. Er verwies auf die grellbunt hervorgehobenen Balkenenden unter dem Dach und die auffälligen Fensterumrahmungen.
Innen lud er nicht nur zum Betrachten der berühmten pompejanischen Deckengemälde ein, sondern verwies auch auf die bunten Ornamente der Deckenumrandung und die normalerweise durch einen „Schon-Teppich“ bedeckten Intarsienfußböden.
Die Decke im klassizistischen Treppenhaus ist wie das Innere eines gespannten Schirms bemalt, so dass sie dreidimensional wirkt. Im Obergeschoss schärfte Jochum den Blick für die Panorama-Papiertapeten mit Ansichten von Konstantinopel (Istanbul im 19. Jahrhundert) und vom Paris Napoleons (ohne Eiffelturm, wie eine weitgereiste kleine Besucherin anmahnte!) insofern, als sie für zeitgenössische Betrachter „echt“ wirkten.
Mit Führung durch den Schlosspark
Die anschließende Führung durch den Schlosspark konnte immerhin auf erste bunte Herbsttöne und letzte blühende Blumen hinweisen. Leider spielte die vorhergesagte Sonne bis zum Nachmittag nicht mit, und die Farben entfalteten nicht ihr volles Potenzial. Auch die nur schwer auffindbare Herrnsheimer Familienkapelle der Heyls, die wunderhübsch neoromanisch ausgestaltete Gottliebenkapelle, stand am Denkmalstag offen; Führungen und Aktionen zeigten auch den Dom und andere Wormser Kirchen, das Nibelungenmuseum, Mosaike und den Heylshofpark in neuem Licht.
Wie schon in den vergangenen Jahren schien sich eine konstante Zahl von Denkmalsinteressierten nicht vom gleichzeitigen Nibelungenlauf und seinen Stadtsperrungen abhalten zu lassen. Damit auch Auswärtige zu diesem Tag nach Worms gelockt werden und Wormser den Vormittag besser nutzen können, wäre es aber wünschenswert, den Nibelungenlauf einmal nicht just an diesem Tag zu veranstalten.