
Die anhaltende Hitze und die extreme Trockenheit in Worms und ganz Rheinhessen hinterlassen immer tiefere, unübersehbare Spuren in der Natur. Während die Debatten um Hitzetote, Einbußen in der Landwirtschaft, Vegetationsbrände und das historische Niedrigwasser der Flüsse die Schlagzeilen bestimmen, warnt die BUND-Kreisgruppe in einer Pressemitteilung nun vor einer weiteren Gefahr: dem Vertrocknen der lokalen Vegetation.
„Kein früher Herbst“
Foto: BUND
„Wir erleben derzeit einen alarmierenden Zustand im gesamten Stadtgebiet“, berichtet Michael Leukam, 1. Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Worms. „Die Kombination aus ausbleibendem Regen und starker Hitze führt in diesem Sommer dazu, dass Sträucher und Bäume deutliche Schäden aufweisen. Der aktuelle Laubfall ist kein früher Herbst, sondern Zeichen für akuten Trockenstress im gesamten Stadtgebiet“.
Die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) belege nach dem BUND die Entwicklung: Worms gehöre ohnehin zu den trockensten Regionen Deutschlands. Während das langjährige Jahresmittel in Worms bei niedrigen 535 mm Niederschlag liege (Durchschnitt in Deutschland: über 800 mm), brächten extreme Trockenjahre wie 2018 nur noch 444 mm.
Das Jahr 2026 drohe diesen Rekord zu brechen. Bis heute seien in der Lutherstadt nur rund 280 mm pro Quadratmeter gefallen, in den Monaten Juni, Juli und August teilweise nicht einmal die Hälfte des normalen Niederschlags. Die kritische Grenze für heimische Laubbäume liege bei etwa 500 mm Jahresniederschlag, so der BUND.
In den letzten Jahren hatten die Jahre 2022, 2020, 2019 und 2018 unter dieser kritischen Grenze gelegen. „Wird dieser Wert dauerhaft unterschritten, droht die langfristige Änderung der Vegetation hin zu einer submediterranen Trockenvegetation wie z.B. die Macchia in Italien. Der deutsche Wald ist in dieser Region ein Auslaufmodell“, so Leukam.
Da die Niederschläge auch in regenreichen Sommern zudem immer öfter als punktueller Starkregen fielen, flösse das Wasser oft ungenutzt ab, ohne tiefe Bodenschichten zu erreichen. Im städtischen Gebiet werde diese Entwicklung noch durch die stärkere Aufheizung betonierter Flächen und durch die Versiegelung verstärkt. Städtisches Grün leidet deshalb am stärksten unter dem Klimawandel. Besonders besorgniserregend sei laut dem BUND: „Die Schäden machen selbst vor Gebieten nicht halt, die eigentlich als wasserreich gelten. Im beliebten Pfrimmpark – der als Pfrimmaue hydrologisch gut versorgt sein müsste – zeigen zahlreiche Bäume und Sträucher bereits irreparable Trockenschäden“.
Gleiches gelte für die vom BUND betreute Streuobstwiese in Worms-Pfiffligheim, die direkt an der Pfrimm liege. „Unsere jungen Bäume dort können ohne kontinuierliche Bewässerung überhaupt nicht mehr überleben“, so Leukam weiter. Doch das Problem betreffe längst nicht mehr nur den Nachwuchs: Selbst alte Bäume zeigten massive Vitalitätsverluste.
Durch die lang anhaltende Dürre sind auch die heimischen Apfelbäume extrem geschwächt – und werden dadurch Opfer eines biologischen Profiteurs des Klimawandels. Experten der BUND-Kreisgruppe Worms haben auf der Streuobstwiese den Befall durch einen in unserer Region zuvor seltenen Baumpilz festgestellt: den Schwarzen Rindenbrand. Bei diesem Erreger handele es sich um einen klassischen Schwächeparasiten. Solange ein Baum gesund ist, kann er den Pilz abwehren. Die extreme Trockenheit schwächt jedoch den Baum und der der Pilz hat leichtes Spiel. Er führt zum Abplatzen der Borke und dem Absterben ganzer Baumteile. Die BUND-Kreisgruppe Worms sieht in dem sterbenden Grün ein unübersehbares Warnsignal. „Wir müssen konsequenten Klimaschutz betreiben und die Stadt zu einer Schwammstadt umbauen, ansonsten verlieren wir die grüne Lunge von Worms. Bäume sind unsere natürlichen Klimaanlagen – sterben sie, wird die Hitze unerträglich“, mahnt Michael Leukam.
Dabei seien alle gefordert: Politik, Verwaltung, Unternehmen und auch Privatpersonen. Jeder könne etwa tun: Energie sparen, regenerative Energien nutzen, Flächen entsiegeln, Regenwasser versickern lassen, Patenschaften für Stadtbäume übernehmen und trockenheitstolerante heimische Gehölze wie Feldahorn oder Hainbuche pflanzen.
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