
Von Marcus Diehl › Der Abwärtstrend der Wormatia in der Oberliga geht weiter. Nach der 2:6 (2:2)-Niederlage beim SV Gonsenheim schrillen schon leicht die Alarmglocken. Es war der gesamte Auftritt, der Sorgen macht. Hinterfragen müssen sich Spieler und Trainerteam.
Großer Offensivgeist ist aller Ehren wert, die nötige Absicherung dahinter ist aber mangelhaft. Bei den Gegentoren drei und sechs am Samstag leicht zu lesen. Die langen Bälle vom Torhüter waren noch abzuwehren. Das Problem lag am zweiten Ball, den sich die Gastgeber immer mühelos erkämpfen konnten. Entweder war der VfR zu offensiv oder das Rückzugsverhalten ist mehr als verbesserungswürdig. Bei so einem System kann sich keine Mannschaft einen Ausfall leisten. Es geht nur, wenn alle elf Mann auf dem Platz eine Einheit bilden. Zu Beginn der Saison war dies noch der Fall.
Bei Mann gegen Mann in der Abwehrkette darf kein Zweikampf verloren werden, wie beim Ausgleich zu sehen. Altin Vrella stellte sich seinem Gegenspieler schlecht entgegen und schon war der Defensivverbund völlig blank. Beim 2:4 sind die Spieler schon gar nicht in den direkten Zweikampf gekommen und haben den Gonsenheimer gewähren lassen. Beim 1:2 und beim 2:5 fehlte die letzte Konsequenz. Die Tore fielen direkt durch die Ecke oder im Nachgang.
Zuerst muss hinterfragt werden, wie ein Gegenspieler im Fünfmeterraum so frei nach der Hereingabe den Ball im Tor unterbringen kann. Beim fünften Gegentor wurde mehrmals versäumt, das Spielgerät mit aller Vehemenz ins Hinterland zu klären.
Fußball lebt von Fehlern. Die Mannschaft, die die wenigsten praktiziert, gewinnt. Gonsenheim hatte auch genug Fehler gemacht, nur wurden sie von Seiten der Wormatia nicht ausgenutzt. Vor allem die erste Hälfte war ein Spektakel. Für neutrale Zuschauer ein Genuss. Auch ein 4:4 oder 5:5 lag in der Luft.
Eigentlich sollte auch das frühe Führungstor durch den verwandelten Foulelfmeter von Mert Özkaya etwas Ruhe und Selbstverständlichkeit bringen. Doch der schnelle Ausgleich war kontraproduktiv. Luca Pedretti lenkte den Ball noch an den Pfosten, der zweite Ball war drin. In der Folge verpasste Isaak Okwubor per Kopf die erneute Führung. Danach verhinderte Luca die Führung der Gastgeber, als er einen Foulelfmeter parierte. Die Torhüter waren zu diesem Zeitpunkt die besten Spieler auf dem Platz.
Auf Seiten der Wormatia zeigte sich Belel Meslem als Vorbereiter besser als beim Verwandeln seiner Torchancen. Bei einer Doppelgelegenheit muss der Ball ins Gehäuse. Völlig frei konnte er sich eine Ecke heraussuchen, vergab aber kläglich. Nach dem Rückstand hatte er Pech, als er im Abseits stand. Der Treffer zählte nicht. Beim 2:2 glänzte Belel als Passgeber, sodass Isaak Okwubor einnetzen konnte.
Gleich nach dem Pausentee zielte Amir Moore am langen Pfosten vorbei und Neuzugang Tim Grünewald kam einen Schritt zu spät. Danach nahm das Unheil seinen Lauf. Innerhalb von ca. zwanzig Minuten wurde der VfR auseinandergenommen. Alles, was eine Spitzenmannschaft auszeichnen sollte, hatte die Wormatia in der Kabine vergessen. Es stand jetzt nicht gerade eine junge Mannschaft auf dem Feld, die hätte Lehrgeld bezahlen müssen. Ganz im Gegenteil. Einiges an Erfahrung stand auf dem Platz und darum ist es noch unerklärlicher, wie das Team nach dem 2:2 in dieser Art auseinandergebrochen ist.
Mit den fehlenden Offensivkräften, Rona, Jäger, Barry und Zaatan, vielleicht mit einigen Prozentpunkten.
Am Ende war der VfR noch gut bedient – gegen ein Gonsenheim, das in vier Partien zuvor gerade einmal drei Tore geschossen hat und dabei drei Punkte holen konnte.
Schwarzmalerei ist noch unangebracht. Genauso wenig die Euphorie nach den ersten beiden Partien. Trotzdem bereitet die Entwicklung Sorge. Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben viele Fragen, welche Mannschaft und Trainerstab beantworten müssen. Damit sollten sie sich nicht zu lange Zeit lassen.