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Fr., 08. November 2013, 01:37 Uhr
Der neue Entwurf des Hauses am Dom ist nur etwa halb so groß und soll ein Aufeinanderzugehen der Konfliktparteien ermöglichen
Viel kleiner, mit Satteldach und um Harmonie zum Dom bemüht
Der neue Entwurf soll das Haus am Dom harmonisch an das Gotteshaus anfügen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die heftigen Diskussionen um das geplante Haus am Dom ließen im Laufe des letzten Jahres die Emotionen in Worms hochkochen und sorgten für verhärtete Fronten. Eine Bürgerinitiative hatte nach Vorlage des ersten Entwurfes rund 15.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt und im Stadtrat wurde ein Antrag für eine Bebauungssperre gestellt. Die Gemeinden St. Peter und St. Martin, die das Haus bauen wollen, hatten sich aufgrund der massiven Proteste zurückgezogen, um die Pläne zu überdenken, sie anzupassen und wollten die neue Variante dann der Öffentlichkeit präsentieren.
Am Donnerstagabend um 20 Uhr im Lioba-Haus war es dann soweit und der Berliner Architekt Prof. Jörg Springer präsentierte den neuen Entwurf. Dabei handelte es sich, so der Moderator der Veranstaltung, Prof. Dr. Gerd Weiß, nicht nur um Anpassungen, sondern es sei ein komplett neue Planungen.
Nur drei Geschosse und ein Satteldach Hier die wichtigsten Eckwerte. Der neue Entwurf hat nur noch drei Stockwerke, keine vier mehr wie der alte. Anstelle des Flachdachs soll das Gebäude ein Giebeldach erhalten, mit dem es ich an die Bebauung der Umgebung und des Doms anpasst. Das Dach soll aus schwarzem Schiefer bestehen und die Gebäudefassade soll sich optisch an dem Sandstein des Doms orientieren. Nach jetziger Planung soll das Gebäude sechs Meter vom Dom abrücken, ursprünglich sollten es nur drei sein. Auf Wohnungen wird im Haus im Dom ganz verzichtet. Im Sockelgeschoss soll ein Cafe und ein Laden einziehen, im ersten Geschoss ist ein gewisse Anzahl von Gruppenräumen geplant und im zweiten Geschoss soll der große Gemeindesaal Platz finden.
Prof. Jörg Springer erläuterte, er habe sich von dem historischen Umfeld des Doms inspirieren lassen, sowohl von Größe wie Gestaltung. Wo jetzt das Haus am Dom entstehen soll, habe sich bis ins 18. Jahrhundert hinein das Kapitelhaus befunden.
Sachliche Diskussion Im Anschluss an die etwa 30 minütige Präsentation von Prof. Jörg Springer, dem die etwa 30 Gäste aufmerksam gefolgte waren, begann eine Diskussion bzw. Fragerunde. Teilweise wurden dabei die Schlachten von gestern geschlagen, will sagen, es wurde über den alten Entwurf diskutiert, obwohl dieses Thema spätestens mit dem Donnerstag ja erledigt ist. Im Kern drehte es sich aber darum, wie würde der neue Entwurf aufgenommen werden? Die geladenen Gäste waren sicher nicht repräsentativ für die Bürgerschaft, da etwa zehn Vertreter von der Kirche waren, weitere zehn waren Politiker und Angehörige der Verwaltung und die restlichen zehn verteilten sich auf Presse und auf Angehörige der Bürgerinitiative. Allgemein spürte man aber bei den meisten Anwesenden ein große Zurückhaltung, was die Äußerungen betraf. Es herrschte eher so ein Gefühl vor wie: "Die Präsentation muss sich erst einmal setzen und wir brauchen Zeit um darüber nachzudenken."
Kissel mit Bekenntnis OB Michael Kissel äußerte sich allerdings spontan und zeigte sich hoch zufrieden mit dem Entwurf, der seine volle Zustimmung fand. Der Vorsitzende des Altertumsvereins, Dr. Josef Matthes, sagte, er sei gegen den ersten Entwurf gewesen und er könne nicht für den Verein sprechen, aber ihn habe der neue Entwurf überzeugt und er könne ihn akzeptieren. Dr. Joachim Glatz von der rheinland-pfälzischen Denkmalschutzbehörde äußerst sich wie folgt: "Gegen den ersten Entwurf hätten wir uns heftig gewehrt, aber mit dem neuen Entwurf können wir gut leben."
BI möchte nachdenken Mit Spannung wurde erwarte, was die Bürgerinitiative sagen würden. Dr. Christine Grünewald, eine der Sprecherinnen, sagte gegenüber dem NK, dass ihre grundsätzlich Präferenz eine Nichtbebauung wäre, aber jetzt hieße es erst einmal, über den neuen Entwurf gründlich nachdenken und sich dann äußern.
Kompromissvorschlag Die Vertreter der beiden Gemeinden St.Peter und St. Martin betonten, dass der Entwurf keine endgültiger Bauplan sei, sondern ein Diskussionsgrundlage, wie das Haus am Dom entstehen sollte. Dies sei auch als ein Angebot zu verstehen, sodass Kritiker und Befürworter aufeinanderzugehen könnten und man zu einem Kompromiss komme, mit dem alle leben könnten. Daher habe man in dem neuen Entwurf auch viele Kritikpunkte aufgenommen, wie etwa die Größe des Gebäudes und die Form des Daches.
Nun müsste man darüber diskutiert werden, aber man hoffe, nun die Zustimmung der Öffentlichkeit zu erhalten. Der ganze weitere Prozess würde transparent geführt werden. So würde der Entwurf am Sonntag nach dem Gottesdienst im Liobahaus für alle Interessierten präsentiert. Auch könnten die Bürger im Internet alle Pläne einsehen und den Stand der Planung mitverfolgen. Die beiden Verwaltungs- und Pfarrgemeinderäte der Gemeinden St. Peter und St. Martin hätten den Entwurf bei zwei Enthaltungen und mit 32 Ja-Stimmen bereits angenommen.
Am 4. Dezember wird sich Bau- und der Haupt-/Finanzausschuss ab 18 Uhr in einer Öffentlichen Sitzung im großen Ratsaal mit dem Thema beschäftigen.[nggallery id=276]