Sa., 26.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 16. März 2016, 23:05 Uhr
    Polizei, Stadt, ASB und Freizeitbetriebe informierten am Mittwoch über die Flüchtlingssituation in Worms / Chancen der Zuwanderung erkennen

    Negative Geschichten kursieren viele - Fakten zeigen ein anderes Bild

    Die Nikolaus-Dörr-Halle wird ab Mitte April wieder ganz den Sportvereinen und Schulen gehören. Archivfoto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Die Flüchtlingsproblematik überlagert zur Zeit alle anderen politischen und gesellschaftlichen Themen. Spätestens seit den Vorkommnissen in der Silvesternacht von Köln, als Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt wurden, ist dabei eine gewisse Hysterie bemerkbar. Sicher waren dies junge Männer mit Migrationshintergrund, aber von ein paar hundert Verbrechern auf eine Millionen Flüchtlinge hochzurechnen, ist eine nicht zulässige Verallgemeinerung, die von manch einem aber dennoch gerne vorgenommen wird.

    Auch über die Asylbewerber in Worms kursieren inzwischen eine Menge Gerüchte und Geschichten. So würden alle Flüchtlinge in Unterhosen baden gehen, Frauen belästigen und bei Aldi und Lidl alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber was stimmt und was sind Halbwahrheiten? Und schlimmer noch, was wird aus knallhartem Kalkül heraus in die Welt gesetzt, um ein rassistisch fremdenfeindliches Weltbild zu verbreiten?

    Am Mittwochnachmittag informierten die Polizei, der Arbeiter Samariterbund (ASB), die Stadtverwaltung und der Geschäftsführer des Wormser Hallenbades über die aktuelle Situation in der Nibelungenstadt. Die Experten sprachen im Ratssaal vor den den Mitglieder von Sozialausschuss, Bauausschuss sowie des Haupt- und Finanzausschuss. Um es vorweg zu nehmen, das üble und negative Bild, das teilweise über Flüchtlinge und deren Verhalten in Umlauf sind, wurde nicht bestätigt.

    Wie viele sind es?

    Dezernent Waldemar Herder informierte zunächst die Mitglieder der drei Ausschüsse, dass es keine Massen von Flüchtlingen in Worms gebe. Zurzeit seien 1.100 Asylbewerber in Worms, was 1,3 Prozent der Stadtbevölkerung entspreche. Von diesen seien 400 in Sammelunterkünften und Sporthallen untergebracht und 700 in Wohnungen und Wohngemeinschaften. Bedauerlich sei momentan, so Waldemar Herder, dass nur rund ein Drittel an Sprach- und Integrationskursen teilnehmen könnten. Es herrsche ein Mangel an geeigneten Lehrern. Aber die Kapazität soll erhöht werden. Oberbürgermeister Michael Kissel wies hier daraufhin, dass Mitte April die Gemeinschaftsunterkunft auf dem Salamandergelände fertig werde. Dann sollen alle Flüchtlinge aus der Nikolaus-Dörr-Halle und der Sporthalle in Worms-Heppenheim dorthin übersiedeln.

    Polizeistatistik

    Für die Polizeidirektion Worms präsentierte Werner Schamberger die Zahlen der Delikte bei den Asylbewerbern. Er nannte hier den Erfassungszeitraum von 1. November 2015 bis zum 29. Februar 2016. Insgesamt wurden von den 1.100 Flüchtlingen nur 49 Straftaten begangen. Im einzelnen waren dies 12 Ladendiebstähle, 15 sonstige Diebstähle, 9 Körperverletzungen, 6 gefährliche Körperverletzungen, 2 Drogendelikte, eine Sachbeschädigung, eine Nötigung und ein räuberischer Diebstahl und eine Unterschlagung. Diese Zahlen sagen alleine natürlich nicht viel, sondern man muss sie in den Vergleich zu den Verbrechen in Worms, die ansonsten in der Nibelungenstadt begangen werden. So gab es im Bereich der Stadt Worms im Jahr 2013 rund 8.000 Straftaten, die angezeigt wurden und dies bei etwa 85.000 Einwohnen. Setzt man dagegen die 49 Straftaten von 1.100 Asylbewerbern, kann keine Rede davon sein, dass Worms in einem Sumpf aus Verbrechen und Bedrohung versinkt. Oberbürgermeister Michael Kissel sprach denn auch davon, dass sich die Gerüchte über die viele Straftaten der Asylbewerber nicht bestätigt haben. Es gebe bis heute etwa keinen einzigen sexuellen Übergriff’ eines Flüchtlings in Worms.

    Schwimmbäder

    Dieter Haag, der Geschäftsführer der Wormser Freizeitbetrieb, zu dem auch die Schwimmbäder gehören, erläuterte die Situation im Hallenbad. Zunächst betonte er, dass Flüchtlinge keinen kostenlosen Eintritt in die Wormser Bäder haben. Asylbewerber besäßen zwar einen Sozialausweis, müssten aber Eintritt zahlen wie alle anderen Besucher auch. Der Sicherheitsdienst, der im Bad tätig ist, werde seit einigen Jahren eingesetzt, weil es gerade in Top-Besuchszeiten immer wieder Probleme mit bestimmten Gruppen gebe. Aber diese Schwierigkeiten hätten nichts mit den Flüchtlingen zu tut, sondern hätten schon bestanden, bevor die Asylbewerber ab dem Herbst 2015 nach Worms kamen. Es gebe viele Gerüchte über das negative Verhalten von Flüchtlingen, aber diese würden nicht zutreffen. Dezernent Waldemar Herder ergänzte, dass es einen Fall gab, in dem ein Flüchtling mit einer Unterhose schwimmen ging. Der junge Mann sei darauf angesprochen worden und es hätten seitdem keinen solchen Vorfall mehr gegeben.

    Chancen aufzeigen

    Abschließend zeigte Oberbürgermeister Michael Kissel die Chancen auf, die in Worms mit der Zuwanderung, gerade für den Arbeitsmarkt, verbunden seien, denn viele Handwerksbetriebe und Firmen suchten händeringend Nachwuchs. Waldemar Herder ergänzte hier, dass bisher zwar erst ein Drittel der Flüchtlinge Sprach- und Integrationskurse besuchen könne, da ein Lehrermangel herrsche, aber man wolle das Angebot der vier Bildungsträger in Worms weiter ausbauen. Auch bei der Wormser Tafel haben sich die Lage deutlich entspannt.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige TicketshopAnzeige Tip SüdhessenAnzeige das Wormser
    Anzeige AmtsblattAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige 3 Füller 1