Von Florian Helfert › Wie in der Samstagsausgabe angekündigt, mussten im Wormser Wäldchen einige Bäume gefällt werden. Über deren Holz freute sich der nahegelegene Wormser Schul- und Umweltgarten, welcher jedes Jahr insgesamt rund zehn Raummeter Brennholz benötigt, um unter anderem Brote oder Pizzen im Holzofen backen zu können. Auch Lagerfeuer, um sich an ihm zu erfreuen und/oder zu erwärmen, zehren immer wieder einmal vom Vorrat an Feuerholz.
Zur „Holzernte“ zugegen waren auch die ebenfalls angekündigten Rückepferde Lena und Burgel. Auf Kommando ihres Landwirtes Hubertus Assmann spielten die kräftig gebauten Pfalz-Ardenner ihre Stärke aus: Die geschickten Stuten benötigen nur wenige Anweisungen, haben ein gutes Gespür, wo sie mit der schweren Last am besten entlang ziehen können. Und so zogen die beiden Kaltblüter am Rosenmontag die gefällten sowie entasteten Baumstämme bodenschonend aus dem Dickicht zum Sammelplatz, wo die Stämme kurzerhand mit Motorsägen zerkleinert wurden.
Jahrtausendealte Arbeitsweise
„Maschinen beschädigen im Gegensatz zu Rückepferden oft andere Bäume, durchpflügen und verdichten den Boden und schädigen Bodenlebewesen“, erläutere der Abenheimer Landwirt die ökologischen Vorteile seiner Arbeitstiere. Bei der Waldarbeit sei das traditionelle Rückepferd somit in Bezug auf Boden- und Bestandsschutz sowie Flexibilität im Grunde nicht zu übertreffen. „Eine jahrhundertealte, eine jahrtausendealte Technik“, so Assmann über die Arbeit mit seinen Pferden.
Stuten schneller und schöner wie schnöde Seilwinde
Ein klein wenig Bedauern schwingt in seiner Stimme mit, dass die Stadt Worms eine Seilwinde erworben hat. „Wenn man das Pferd mit einer Seilwinde vergleicht, die ja ebenfalls zur Holzernte ohne Befahrung eingesetzt werden kann, ist das Pferd deutlich schneller“, heißt es beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), Bayerns ältestem Naturschutzverband, in einer Broschüre. Insbesondere, wenn nicht in einer geraden Linie gezogen werden könne. Und schöner anzuschauen sind seine Pferde allemal.
Verdienter Ruhestand für ältestes Pferd
Während der kleinen Schaustunde seiner vierbeinigen Waldarbeiter beantwortete ihr Chef gerne auch Fragen. Zum Beispiel, dass seine älteste Stute zwei Dekaden lang gearbeitet habe und jetzt mit 27 Jahren ohne Gelenkprobleme gesund und munter ihren Ruhestand auf der Koppel genieße. „Lena und Burgel sind erst zwölf beziehungsweise acht Jahre alt“, hofft Assmann in den kommenden Jahren auf weitere Einsätze in Worms und Umgebung.
Ökosystem im Wäldchen braucht Hilfe
Warum die Bäume gefällt werden mussten, erklärte Forstwirt Jens Pückert als Baumpfleger der Stadt Worms zunächst anhand der Kombination aus zu vielen zu trockenen Jahren sowie einhergehend (Pilz-)Krankheiten, welche die ohnehin schon geschwächten Bäume heimsuchen würden, plus der von der Stadt Worms zu gewährleistenden Verkehrswegesicherheit entlang der Wege und Straßen.
Ferner habe in früheren Jahrzehnten der eisige Winterfrost immer dazu beigetragen, dass feuchte Böden gefrieren und wieder auftauen. Wenn eine volle Flasche Wasser in den Gefrierschrank gelegt wird, dehnt sich das gefrierende Wasser bekanntermaßen aus und die Flasche platzt. „Kalte Winter sorgen bei uns in der Natur für gesunde Böden mit Poren unterschiedlicher Größe, die dort für den Luft- und Wasserhaushalt wichtig sind“, skizzierte Pückert. Aber im Zuge des Klimawandels seien die Winter wärmer geworden – und die Böden würden darunter leiden.
Eschen mit schwerem Stand
Erschwerend komme im Wormser Wäldchen eine sogenannte Lettenschicht – eine „hartgebackene Lehmschicht“, wie ein Dritter erläuternd beitrug – hinzu. Sie hindere etliche Wurzeln einiger Baumarten in tiefere Bodenregionen für eine ausreichende Wasseraufnahme zu gelangen. Eschen würden im Wormser Wäldchen darum teilweise nur einen Meter „tief“ wurzeln.
„Eigentlich könnte sich der Baumbestand im Wormser Wäldchen über Sämlinge selbst erhalten“, so der Experte. Aber Sämlinge bräuchten nun einmal ganz genauso wie „klimaresistente“ Bäume zum Anwachsen Regenwasser. Entsprechend müssten Bäume nachgepflanzt und bewässert werden. Für feuchtigkeitsliebende Bäume wie die im Wormser Wäldchen unter anderem vorkommenden Eschen sieht der Fachmann schlussendlich langfristig schwarz.
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