
VON VERA BEIERSDÖRFER | Nicole Uphoff-Selke – ein Name, der untrennbar mit dem Reitsport verbunden ist. Die vierfache Olympiasiegerin, mehrfache Europa-, Welt- und Deutsche Meisterin im Dressurreiten hat ihren Sport revolutioniert und populär gemacht. Seit Februar 2018 lebt die Ausnahmesportlerin mit ihren Söhnen Patrick (15) und Philip (11) sowie ihrem Mann Andreas in Rheindürkheim. Warum es die vierköpfige Familie vom Rheinland/Ruhrpott nach Rheinhessen zog? Weil es ihr Traum war!
„Hier sind wir glücklich und endlich entspannt, wir genießen die ‚Normalität‘ des Familienlebens in vollen Zügen. Ich bringe die Jungs zum Fußballtraining, fahre zu den Elternabenden in die Schule, treffe die Nachbarn beim Einkaufen und koche das Mittagessen. Und das alles in einer Region, die mir sehr ans Herz gewachsen ist! Viel schöner kann‘s gar nicht sein“, freut sich Nicole.
Seit 2008 besuchte Nicole gemeinsam mit ihren Söhnen, den Hunden und ihrem Pferd regelmäßig ihre liebe Freundin, Tierärztin Dr. Heike Axmacher, für zwei bis drei Wochen während der Sommerferien. „Ich kenne Heike, seit sie 2002 zu mir zum Unterricht kam. Über die Jahre ist eine Freundschaft daraus erwachsen und irgendwann lud sie uns eben ein“, erläutert Nicole, wie sie denWeg in die Nibelungenstadt fand.
„Mein erster Eindruck von Worms war zunächst ein sehr trister. Wir trafen bei Schmuddelwetter hier ein, kein Mensch war auf der Straße und die hohen Hoftore waren allesamt verschlossen. Doch der erste Eindruck hat uns getrogen“.
Bereits beim ersten Ausritt durch die Weinberge war die Spitzen-Sportlerin hin und weg. Die Landschaft, Lebensart und die Leute zogen sie jedes Jahr stärker in ihren Bann.
„Ich habe mich so sehr in die Region verliebt, dass ich Andreas ständig damit in den Ohren lag, dass ich in Rheinhessen leben wolle. Ich habe es sogar als vorherbestimmt erachtet: Beispielsweise bestellten Andreas und ich mal in Duisburg eine Flasche Dornfelder und unglaublich – was kam, war tatsächlich der Westhofener Dornfelder, den ich mir immer besorgt hatte, wenn ich Heike besuchte. Das war doch ein Zeichen!“

„Schade, dass mein Vater nicht mehr erleben durfte, dass Nicole ein Teil seiner Familie wurde. Er war ein riesiger Fan und fieberte bei Olympia in Seoul eifrig vor dem Fernseher mit. Immer wenn Nicole an der Reihe war, zitierte er alle mit den Worten ‚kommt schnell, UNSERE Nicole reitet jetzt‘ herbei“.
Auch Andreas ist begeistert von der rheinhessischen Lebensart und hat den Umzug nach Worms nicht bereut. „Alles ist so viel relaxter als im Ruhrgebiet. Die Menschen scheinen mit mehr Ruhe das Gleiche zu leisten. Vielleicht ist es ja aber auch der Wein, der die Leute hier so entspannt“, schmunzelt er.
Anders als in der alten Heimat sei es im Umland von Worms ein Leichtes, jederzeit unter freiem Himmel einzukehren.

„Wir sind im Sommer einfach ins Auto gestiegen und in irgendeiner Ortschaft hatte ein Winzer garantiert seine Pforten geöffnet. Wir fühlten uns wie in der Toscana – die Menschen sitzen abends zusammen, genießen das warme Wetter und edle Tropfen. Herrlich!“.
Dabei hatte er seine Liebste zunächst ganz schön an der Nase herumgeführt. Als ihm sein Arbeitgeber ABB anbot, sich in Deutschlands Süden versetzen zu lassen, erzählte er Nicole, dass er nach Mecklenburg-Vorpommern gehen könne. Ihre Reaktion war eindeutig: „Dann führen wir eben eine Wochenend-Ehe“. Umso größer war die Freude, als Andreas ihr eröffnete, dass er in die von ihr so sehr geliebte Region gehen könne.
Es war schließlich die gute alte Mundpropaganda, die der Familie Uphoff-Selke ihr Traumhaus bescherte. Wir saßen bei Wolfgang Dubs beim Essen und kamen ins Plaudern. Als er uns von dem Haus, das in Rheindürkheim zum Verkauf stünde, berichtete, fuhren wir sofort hin. Ich musste Nicole regelrecht bremsen, damit sie nicht vor Euphorie platzte. Uns beiden war augenblicklich klar: Das ist es!“, erläutert der Neu-Wormser.
Packende Kulturgeschichte
Andreas, der zuvor nie in der Domstadt war, bekam dann das „volle Programm“, das Nicole mit jedem, der aus der alten Heimat zu Besuch kommt, durchzieht. „Wir nehmen immer an einer offiziellen Stadtführung teil. Worms hat eine solch spannende Religions-Geschichte und kulturell so einiges zu bieten. Unserem alten Pfarrer habe ich direkt Fotos vom Luther-Denkmal geschickt. Mit meinem Sohn Philip habe ich die Nibelungensage gelesen und wir haben im Sommer natürlich die Festspiele besucht“, begeistert sich die Zweifach-Mama für ihre neue Heimat. Sie habe Bekannten aus dem Rheinland so sehr von den Nibelungen-Festspielen und dem Heylshof vorgeschwärmt, dass Uphoff-Selkes 2019 nun mit einer Gruppe von 15 Personen „Überwältigung“ anschauen werden.
Ganz ohne Sport geht es nicht

Familie hat für Nicole und Andreas oberste Priorität. Häufig wird Nicole jedoch noch gefragt, ob sie das professionelle Reiten bei großen Wettkämpfen nicht vermisse. „Ganz ehrlich? Mit großer Dankbarkeit blicke ich zurück. Die internationalen Anfragen sind immens, aber ich habe gelernt, kürzer zu treten. Jetzt stehen ganz andere Dinge im Fokus“, erklärt sie. Aber natürlich geht es nicht ganz ohne den Reitsport. Dank der tollen Kooperation mit EQUIVA findet seit einigen Jahren das „Nicole Uphoff Nachwuchs-Championat Dressur powered by EQUIVA“ statt. „Hier sichte ich gemeinsam mit weiteren Experten den Nachwuchs und freue mich immer wieder über die hervorragenden Talente. Zudem fliege ich einmal im Monat zu meiner Schülerin nach Spanien und bin als zweite Vorsitzende nach wie vor aktiv im Förderverein des Zentrums Therapeutisches Reiten am Niederrhein“. Zu ihrem Pferd, das in einem Osthofener Stall untergebracht ist, fährt sie täglich. „Aber ich unternehme nicht mehr jeden Tag einen Ausritt“.
Auch Andreas, der 33 Jahre lang aktiver Fußballer gewesen war, kann es in der neuen Heimat nicht lassen. Gemeinsam mit Erik Reil trainiert er die D-Jugendmannschaft der SG Altrhein. „Wir sind ein super Team. Erik ist mit seinen 19 Jahren jung und konditionsstark und ich bringe die nötige Erfahrung mit“, berichtet der passionierte Fußballer, der nach zwei Verletzungen leider nicht mehr selbst spielen kann. Fußball ist ohnehin die gemeinsame Leidenschaft der Eheleute Uphoff-Selke – als BVB-Dauerkarten-Besitzer fährt die Familie zu fast jedem Spiel nach Dortmund. Und kehrt immer wieder glücklich heim nach Worms!
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