Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Violinen der Hoffnung gegen ein düsteres Kapitel
Mo., 10. November 2014, 16:17 Uhr
Deutschlandpremiere in der Wormser Synagoge
Violinen der Hoffnung gegen ein düsteres Kapitel
Junge Profimusiker wie Stefanie Farrands und Dorukhan Doruk waren in der Wormser Synagoge live zu erleben. Foto: Regina Urbach.
Von Regina Urbach. Die erste der von Amnon Weinstein gesammelten Violinen soll ein aus dem französischen Lager Drancy deportierter Jude noch aus dem Zug nach Auschwitz einem Wartenden mit den Worten in die Arme geworfen haben: „An dem Ort, wo ich hingebracht werde, hat die Geige keine Zukunft!“ Zwölf Geigen von Holocaust-Opfern mit ähnlicher Geschichte hat der israelische Geigenbauer seither auf der ganzen Welt erworben, restauriert und auf Konzertreise in die Welt geschickt. Einige waren am Sonntag in der Wormser (wie tags zuvor in der Mainzer) Synagoge ausgestellt.
Anderen entlockten junge Musiker aus aller Welt, Stipendiaten des Akademieprojekts der Landesstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz, im Beisein des Geigenbauers erstmals in Deutschland wundervolle Töne voll Temperament und Musikalität.
Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Ernest Bloch, des mit 25 Jahren in Auschwitz ermordeten Gideon Klein, des noch lebenden Komponisten Menachem Zur und des jungen Beethoven voller Sturm und Drang zogen das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Synagoge in ihren Bann. Angeleitet wurden die jungen Musiker aus Australien, der Türkei, Frankreich und Deutschland von den bekannten israelischen Violinvirtuosen und Dozenten Gil Sharon und Elina Gurewitz, die auch selbst mit ansteckendem Elan mitmusizierten. Das Konzert wurde live auf SWR2 übertragen und von einem Ü-Wagen vor der Synagoge aus moderiert.
Dieses Konzert krönte das traditionelle Gedenken an die Progromnacht 1938 durch eine etwa 40-köpfige Mahnwache mit einem musikalischen Bekenntnis zum (Über-)Leben. Ein nicht nur musikalisch anrührendes Kammerkonzert an einem magischen Ort.