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  • Do., 09. Juni 2016, 10:45 Uhr
    Packende Erzählkunst im Museum Hylshof / Rendezvous mit dem Kleinen Volk

    Volksmärchen aus Irland

    „Auszeit“ auf der Grünen Insel. Die „Seele baumeln lassen“ mit dem Kleinen Volk. Seit „Burn-out“-Symptome immer mehr die öffentliche Diskussion bestimmen, ist zunehmend „Entschleunigung“ angesagt. Eine ganz besonders zauberhafte Form solcher „Entschleunigung“ wurde nun im Museum Heylshof geboten: Volksmärchen aus Irland.

    Für die Reihe „Märchen unter dem Kronleuchter“ bietet der Wormser Märchen-und Sagenkreis, der diese Reihe seit Jahren verantwortet, immer Spitzenerzähler auf. Diesmal war Petra Horter, die langjährige, mittlerweile ehemalige Leiterin des Stuttgarter Märchenkreises, die sich im deutschen Südwesten zu den besten Erzählern zählen darf, der Einladung gefolgt, mit einem  „ganzen Stiefel voller Geschichten“ im Gepäck.

    Von Elfen, Kobolden und Zwergen

    Es waren Geschichten vom Kleinen Volk, wie die Iren liebvoll ihre Elfen, Kobolde und Zwerge nennen, die allerdings durchaus auch recht boshafte Züge aufzuweisen vermögen. Da schon die Brüder Grimm von den irischen Märchen so bezaubert waren, dass Wilhelm Grimm deren etliche übersetzte und für das deutsche Publikum herausbrachte, war es für Petra Horter sozusagen Ehrensache, den Abend mit einem Text aus dieser Sammlung zu eröffnen. Dieser hübschen Geschichte von der Musikalität und den Vorstellungen von Gerechtigkeit der Elfen kontrastierte lebhaft zu dem folgenden Märchen, das von jener wunderschönen Grafentochter berichtete, die all ihren Mut zusammennehmend es wagte, sich mit  der großmächtigen Elfenkönigin anzulegen und die es tatsächlich schaffte, ihren Geliebten aus dem Bannkreis der unirdischen Herrscherin zu lösen. Dem folgten dann die Abenteuer eines Wollmützen sammelnden Fischers, der eigentlich nur ein gut passendes Holzstück für den Kiel seines neuen Bootes suchte, dabei aber -  schaurig, schaurig - um ein Haar auf dem Scheiterhaufen als Hexer verbrannt worden wäre. Zugegeben: Nüchtern war der Kerl nimmer, hatte man ihn doch zuvor im Weinkeller des Bischofs aufgegriffen  -  aber auch die Iren kennen Hexen und Hexengeschichten.

    Packende Erzählkunst

    Wie immer bestach Petra Horter, die nicht zum ersten Mal im Heylshof erzählte, durch ihre zupackende Erzählkunst. Ihre angenehme warme Stimme, gepaart mit sorgfältig präzisierter Körpersprache, verfehlte ihre Wirkung nicht. Schnell wurden die alten Texte dem Publikum lebendige Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, die durchaus auch Raum für skurrilen Humor aufwies, wenn etwa ein tierisches Trio aus einem Esel nebst Ziegenbock und Kuh über das Liebesleben ihres Bauern räsonieren durfte, dann glücklicherweise aber in ihren angedachten Maßnahmen noch gestoppt werden konnte, bevor am Ende  ernsthaft Ärger ins Haus stand.

    So war es ein Abend, bei dem man beim Zuhören im warmen Licht des Kronleuchters und angesichts  schwerer, Gold gerahmter alter Gemälde in der Tat die Seele besonders angenehm baumeln lassen konnte. Der Uhu im Geäst der alten irischen Eiche aus dem letzten erzählten Märchen nickte dabei gravitätisch dem gälischen Zwerg auf dem Schreibtisch zu, der der Zugabe entsprungen, dort sein Wesen hatte. Poesie wie Entschleunigung gleichermaßen pur.

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