Turmblasen zwischen Magnuskirche und Dom zog Menschen in den Bann / Reibungsloser Wechsel der Strophen
Vom Himmel hoch ...
Von der Magnuskirche in Richtung Dom und zurück – das Turmblasen fand wieder unzählige Teilnehmer. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser
Tief klangen die Glocken des Kaiserdomes zu Worms in den Abend des vierten Advents hinein. Im historischen Ambiente, zwischen seinem großen Hauptportal und der Magnuskirche, tummelten sich die Menschen. Viele hielten Notenblätter oder Kerzen in den Händen. Nach den Glockenschlägen kehrte schlagartig Stille ein. Dann klangen die ersten Trompetentöne vom Kirchturm der Magnuskirche.
Ein fantastisches Erlebnis
Vereinzelt sangen Menschen mit, bis sich schließlich ein Rhythmus gefunden hatte und die große Menge vereint das Weihnachtslied mitsang. Die altbekannte, einzigartige Stimmung des Turmblasens war wie immer gegeben. Mitten auf der gesperrten Straße vor dem Dom, im Gedränge, konnte man auch einer syrisch-christlichen Familie begegnen, die vor Terror und Gewalt nach Deutschland flüchtete. Für die beiden Kinder und ihre Eltern war es das erste Mal, dass sie die Blechbläser von den Türmen des Doms und der Magnuskirche hörten. „Es ist absolut fantastisch“, kommentierte der Vater, während die Kinder die Weihnachtslieder mitsangen. Auch hier zeige sich wieder der Inhalt des christlichen Liedes, welches zu Anfang gesungen wurde. „Denn auch wir sollten die Türen weit auf machen und die Liebe hereinlassen“, erwähnte die Mutter in etwas gebrochenem, aber durchaus verständlichem Deutsch.
Von „Macht hoch die Tür“, über „Tochter Zion“, bis hin zu „Stille Nacht“, waren viele der altbekannten und auch unbekannteren Weihnachtslieder vertreten. Jung und alt, jeder konnte zumindest die erste Strophe mitsingen und die Besucher erinnern sich zurück: Seit den 1990er Jahren ist das Turmblasen fester Bestandteil des Wormser Veranstaltungskalenders. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung von Trompeter und Diakon Heinz Knodt und dem ehemaligen Wormser Verkehrsdirektor Willi Schnee.
Milde Temperaturen - Großer Andrang
Dank der milden Temperaturen war der Platz gut gefüllt. „Früher lag manchmal auch Schnee, da war es immer sehr romantisch, dafür aber auch kalt“, meinte eine begeisterte Zuhörerin. „Vom Himmel hoch“ fiel dieses Jahr zwar kein Schnee, aber die wunderschönen Melodien, die von den Wormser Barockbläsern ganz fantastisch gespielt worden waren. Heinz Knodt rief im Jahr 1964 den Chor ins Leben, er wurde bald als „Wormser Barockbläserensemble“ bekannt.
Auch die Musiker selbst fanden das Konzert in luftiger Höhe sehr gelungen. „Es ist wie immer großartig von hier oben zu spielen und dabei die Menschenmenge im Blick zu haben. Sie sehen von hier oben fast aus wie Ameisen und die Kerzen, die viele dabei haben, lassen das ganze unheimlich schön aussehen“, so die Protagonisten. Die Besucher wurden von zwei Türmen aus beschallt. Einzigartig und zugleich eine große Herausforderung, doch der Wechsel der Strophen verlief wieder ausgezeichnet.
Als Letztes konnten sich Musiker und Besucher am Lied „Oh du Fröhliche“ erfreuen. Kommentiert wurde der Abschluss des Konzertes einerseits mit dem Beifall der begeisterten Besucher, die Musiker wiederum schrien noch einen letzten Gruß hinaus in die „Stille Nacht“, der von den Besuchern mit einem „Gleichfalls” gedankt wurde: „Frohe Weihnachten!”