Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Vom Partner lernen und Gemeinsamkeiten entdecken
Di., 13. August 2013, 21:33 Uhr
Delegation aus Partnerlandkreis Bautzen besucht Alzey-Worms / Vergleichsweise geringe Flutschäden
Vom Partner lernen und Gemeinsamkeiten entdecken
Der Tourismus stand im Mittelpunkt eines Besuchs des Partnerlandkreises Bautzen um den dortigen Landrat Michael Harig (2. von rechts) bei seinem Amtskollegen Ernst Walter Görisch (4. von rechts) im Kreis Alzey-Worms, hier beim Besuch der Fleckenmauer in Flörsheim-Dalsheim.
Hier Wein und Hügellandschaften, dort Karpfen und Seenlandschaft: Bei einem aktuellen Besuch einer Delegation des Partnerlandkreises Bautzen um Landrat Michael Harig im Kreis Alzey-Worms standen diesmal touristische Themen im Vordergrund des partnerschaftlichen Austausches.
Nachdem vor zwei Jahren eine Gruppe um Landrat Ernst Walter Görisch anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft nach Bautzen gereist war, stand jetzt der Gegenbesuch aus. Begleitet wurde der Bautzener Landrat von seinen beiden hauptamtlichen Beigeordneten Birgit Weber und Steffen Domschke sowie der Persönlichen Referentin Uta Döring.
Unterstützten die Alzeyer zu Beginn der Partnerschaft noch den Aufbau einer modernen und leistungsfähigen kommunalen Selbstverwaltung, so ist dieser Prozess heute längst abgeschlossen. Inzwischen gehe es in erster Linie darum, voneinander zu lernen und zu sehen, wie der andere mit den Themen umgehe, die einen selbst auch beschäftigen, waren sich die beiden Landräte einig. Zudem seien die Begegnungen zwischen den Menschen und der Aufbau von Freundschaften eine wichtige Grundlage. Deshalb setze man den Austausch gerne auch in Zukunft fort.
Windkraft hier, Biomasse dort
Zwei Tage lang erfuhren die Bautzener in Theorie, mehr aber noch in der Praxis, was Alzey-Worms zu bieten hat. Neben Besuchen in ausgewählten Weingütern der Region, stand eine Rundreise quer durch den Landkreis auf dem Programm, die von der Kultur- und Weinbotschafterin Sigrid Krebs geführt wurde. Die Reise führte vom Rheinhessischen Hügelland bis zur Rheinebene und in den Wonnegau. Ein Thema, das inzwischen sichtbar die rheinhessische Landschaft prägt, war hierbei auch die Windkraft. Bei einem Unternehmensbesuch bei juwi in Wörrstadt entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit juwi-Chef Matthias Willenbacher über das wie und wann der Energiewende. Während in Rheinhessen die Windenergie die dominierende regenerative Energiequelle darstellt, wird im Bautzener Landkreis überwiegend Biomasse zur Energiegewinnung genutzt. Einig war man sich jedoch darin, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien ein unumkehrbarer und notwendiger Prozess sei.
Themengeleitetes Marketing
Im touristischen Bereich dagegen entdeckten die Partnerlandkreise einige Gemeinsamkeiten. Die beiden Delegationen trafen sich hierzu mit den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen im Weingut Espenhof in Flonheim-Uffhofen. Kathrin Saaler vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück berichtete dazu über die Entwicklung, Positionierung und Strategie hinter der so genannten „Dachmarke Rheinhessen“, dem gemeinsamen Leitbild für eine qualitätsorientierte Entwicklung der Betriebe, des Tourismus und des Weines.
Kerstin Bauer, die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Alzey-Worms, freute sich über die stetigen Zuwächse bei den Gäste- und Übernachtungszahlen im Kreis. „Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit weiterem Wachstumspotenzial“, betonte Bauer. Um diese optimal auszunutzen habe die Region eine Entwicklungskonzeption „Erlebnis Weinkulturlandschaft Rheinhessen“ mit konkreten Zielen erarbeitet. Im Landkreis setze man auf das konsequente Vermarkten der touristischen Kernthemen „Sportlich unterwegs“, „Aktiv genießen“, „Wein erleben“ und „Charmante Winzerhöfe“.
Während dabei in Rheinhessen der Wein laut Saaler der „wichtigste Botschafter“ ist, setzt der Landkreis Bautzen insbesondere auf die Entwicklung einer weitläufigen und attraktiven Seenlandschaft. Seit vielen Jahren wird dort das ehemalige Lausitzer Braunkohlerevier in ein Natur- und Tourismusgebiet umgewandelt. Landrat Harig bezeichnete das Gebiet als die „größte Wasserbaustelle Europas“. Investitionen in Milliardenhöhe fließen in das Großprojekt, in dessen Rahmen 23 künstliche Seen entstehen, miteinander verbunden werden und die insgesamt eine Wasserfläche von rund 13.500 Hektar umfassen. Generell sei man im Tourismus ähnlich aufgestellt und vermarktet konkrete Themen wie „Oberlausitz aktiv“, wo es um Wandern, Radfahren und Wassersport geht oder auch „Oberlausitz Kultur“ und „Handwerk erleben“ sowie das Thema „Genuß“. So stammen laut Harig ein Drittel aller in Deutschland verzehrten Karpfen aus der Lausitz.
Vergleichsweise geringe Flutschäden
Mit Wasser zu kämpfen hatte der Landkreis Bautzen schließlich beim aktuellen Jahrhundert-Hochwasser glücklicherweise nur in einzelnen Gebieten, wie die Beigeordnete Birgit Weber berichtete. „Rund 30 Millionen Euro Schaden hat das Wasser bei uns angerichtet“, sagte Weber, die auch den Krisenstab des Freistaats Sachsen verstärkte. Damit sei man im Vergleich zu anderen Regionen noch glimpflich davon gekommen. Die Schäden seien dabei im Übrigen nicht durch das Flusshochwasser entstanden, sondern vielmehr durch extrem starke Niederschläge im Juni.