HUMANITÄRE HILFE: Wormser legten in 52 Stunden 4.250 km zurück, um Hilfsmittel im Wert von 20.000 Euro in die Ukraine zu bringen
Von Bären, Babynahrung & breiter Unterstützung
VON ROBERT LEHR |Wenn Svitlana Manko und Ibrahim Sirimsi von ihrer abenteuerlichen Fahrt an die rumänisch-ukrainische Grenze erzählen, könnte man fast meinen, die Beiden wollten einem „einen Bären aufbinden“!
Den trafen sie tatsächlich auf ihrem beschwerlichen Weg nach Isaccea im Kreis Tulcea am Süd-ufer der Donau, die hier die Grenze zur Ukraine bildet.
Isaccea liegt und rd. 200 km südwestlich von Odessa. In 52 Stunden legten die Wormser im April die 4.250 km lange Strecke durch Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien zurück, fuhren durch strömenden Regen über einspurige Serpentinen und mussten tanken, wo man noch nie zuvor eine Kreditkarte gesehen hatte…
Auch der Bär sollte profitieren – ihm schien die Wormser Fleischwurst aus Ibrahims Reiseproviant geschmeckt zu haben.
Vollgestopft mit 125 Paketen
Hintergrund der Fahrt in einem – mit 125 Paketen voller Hilfsgütern vollgepackten Sprinter des Wormser Unternehmers – aber ist der Überfall des weit weniger possierlichen „Russischen Bären“ auf Svitlanas Heimat.
Die 34-jährige gebürtige Ukrainerin ist in vielfacher Hinsicht von dem Krieg gegen ihr Heimatland betroffen: Bereits mit 9 Jahren kam sie gemeinsam mit ihren Eltern über Osthofen nach Deutschland und nach Worms. Seit 2 Jahren vertreibt sie Fenster und Türen aus einer Produktion an der ukrainisch-polnischen Grenze. „Die Produktion und Lieferung sind noch nicht beeinträchtigt“, so Svitlana Manko im Gespräch mit dem NK.
Doch als junge Mutter des 9-monatigen Lev treibt die Betriebswirtin „besonders das Schicksal der Kinder in meiner Heimat um“ – ganz abgesehen von den Gefahren für ihre Familie, die in Teilen noch immer in der gemeinsamen Heimatstadt Odessa ausharrt.
Hierin liegt auch der Anlass für die ganz besondere Hilfsaktion, die in Ibrahim Sirimsi mit seinem gleichnamigen Elektrofachhandel tatkräftige Unterstützung bekam.
Er ist ebenfalls Vater der 4-jährigen Zwillingsschwestern Aylin und Selin. Svitlana und Ibrahim kennen sich aus ihrer Schulzeit, wiedergefunden haben sie sich in den Sozialen Medien, wo die Ukrainerin zur Hilfe für ihre Heimat aufrief. Ursprünglich wollte sie ihre 75-jährige Tante aus Odessa nach Worms holen. Doch diese wollte ihre Heimat nicht verlassen, wobei Svitlana zugibt, „dass es wohl auch zu gefährlich gewesen wäre“.
Trotz des traurigen Anlasses waren Svitlana Manko und Ibrahim Sirimsi vor ihrer Abfahrt begeistert von der breiten Unterstützung.
So wie hier konnten sich zahlreiche Familien in Odessa über die konkrete Hilfe aus Worms freuen.
Von Windeln bis Ravioli
Doch andere wirkungsvolle Hilfe musste laut Svitlana sein und so konnten unter dem Motto „Humanitäre Hilfe“ innerhalb kürzester Zeit Hilfsgüter im Wert von 20.000 Euro gesammelt werden. Neben vielen Sachspenden wurden ebenso 5.000 Euro gespendet, wobei auch davon Lebensnotwendiges eingekauft wurde. Svetlana erwähnt hier u.a. „Windeln und Babynahrung, Hygieneartikel für Damen, aber auch Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Wasser, H-Milch, Dosenwurst oder Ravioli“. Die Unterstützung sei „überwältigend gewesen“, freut sich Ibrahim Sirimsi, der neben seiner Zeit dem Sprinter, auch den Sprit und zahlreiche Sachspenden mit beisteuerte. Leider habe man nicht mit einem größeren LKW fahren können, da die jeweiligen Grenzabfertigungen Tage gedauert hätten, erklärt Svitlana, „aber, eine erneute Fahrt sei nicht ausgeschlossen …“.
Zielgerichtete Verteilung
Die Hinfahrt selbst endete in einer großen Lagerhalle, von wo aus die Spenden mit einer Fähre ans ukrainische Ufer gebracht werden und zielgerichtet von ukrainischen Organisationen verteilt worden seien, unterstreicht die Ukrainerin. Um die Notwendigkeit ihrer Hilfe zu betonen, erinnert sie daran, dass „Innerukrainische Flüchtlinge umgerechnet nur 42 Euro pro Person im Monat zur Verfügung gestellt bekämen.
„Da wird es natürlich sehr, sehr eng und konkrete Hilfe ist unumgänglich!“ Dabei habe eine Liste aus der Ukraine mit dem am dringendsten Benötigten geholfen. Geholfen hätte den Wormsern bei ihrer Fahrt, die sie abwechselnd und mit zahlreichen Energie-Drinks durchführten, auch ein offizielles Schreiben der Stadt Odessa, ergänzt sie.
Svitlana Manko und Ibrahim Sirimsi hätten aber ohne die Hilfe, die sie in Worms vor Ort von Unternehmen, Einrichtungen und vor allem zahlreichen Spendern erhalten haben, nur wenig ausrichten können. U.a. erwähnen sie dabei die Satware AG, die „Wormser Reklame-Auktion“, die Deutsche Seniorenförderung und Krankenhilfe (DSK), Regionalverband Worms e.V., die Squared IT, die Eltern des Integrativen Kindergartens Leiselheim, Silke Schulz, und Michael März sowie die vielen ungenannten Unterstützer. In diesem Zusammenhang nennen die Initiatoren der Humanitäre Hilfe aber auch Uli Himpel und Tobias Gutzler, die Wohnungen für Geflüchtete spontan kostenfrei zur Verfügung gestellt hätten.
Wie stark die Verbreitung des Hilfeaufrufs war, zeigen laut Svitlana Manko vor allem die über 400 Nachrichten und 50 Anrufe, die sie von zum Teil Unbekannten bekommen habe und die ebenfalls Unterstützung der verschiedensten Art geleistet oder angeboten hätten.
Weitere Informationen u.a. auf facebook unter https://www.facebook.com/svitlana.vostrova Hier wird dann auch über kommende Aktionen berichtet und man kann die erste Hilfslieferung im Nachhinein nochmals verfolgen.