Eine weniger bekannte Stadtführung unternahm der KKV Probitas mit Gästeführer Friedel Lahr.
Start des zweistündigen Rundgang zu einigen Brunnen von Worms war an der Ecke Rathenaustraße/KW beim "Nibelungenliedbrunnen", den der Künstler Gustav Nonnenmacher dank des Stifterehepaares Friedel und Maria Schärf im Jahre 2004 ideenreich gestaltete: "Das Denkmal blättert das große europäische Literaturstück - das Nibelungenlied - auf und macht die Stufen der dramatischen Handlung sichtbar", so skizzierte Lahr die Aussagekraft des Brunnendenkmals. Weiter ging es zum "Börsenbrunnen" vor dem Sparkasseneingang, der wie aus einem prallgefüllten Geldbeutel zwar keine "Moneten", sondern schäumendes Wasser in kunstvollen Rundformen versprüht.
Über einige Stufen führte der Streifzug hinauf in den Garten des Heylshofes zum "Herkulesbrunnen", der als eine späthistorische Staffagearchitektur die römische- mittelalterliche Stadtmauer teilweise überbaut und momentan eine aufwändige restauratorische Instandsetzung erfordert. Vorbei am Lutherdenkmal ging es in den ehemaligen Stadtgraben am Adenauerring, der um 1860 als Grünanlage gestaltet wurde. Zwei kleine Brunnen im Grabenverlauf begleiten den Besucher in Richtung des im Jahre 1932 geschaffenen 118er Denkmals, doch vorher geht die Brunnenführung östlich zum Ludwigsplatz, wo 1895 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Karl Hofmann das Denkmal für den Hessen-Darmstädter Großherzog Ludwig IV. als Förderer von Gewerbe und Wirtschaft enthüllt wurde, das als Brunnenanlage - von Löwen flankiert - mit Obelisk gestaltet ist.
Wieder traf die Gruppe auf eines der bedeutenden Werke von Gustav Nonnenmacher: Auf das "Schicksalsrad" am Obermarkt, das 1986 aus Anlass des 75. Gründungsjahres vom EWR gestiftet wurde und sehr eindringlich die leidvolle Stadtgeschichte wiedergibt. Das doppelseitige, rotierende Bronzerad mit den Wasserfontänen schildert den Bürger, der mit immer neuer Lebenskraft zwei Jahrtausende durchlitten und die schlimmen Folgen von kriegerischen Ereignissen überwunden hat. Nicht weit davon entfernt - im Mittelpunkt der Fußgängerzone Kämmererstraße - erläuterte Friedel Lahr den "Winzerbrunnen", den Gustav Nonnenmacher ebenfalls geschaffen hat und der 1983 von den Winzern des Wonnegaues gestiftet wurde. Hier soll daran erinnert werden, dass Worms als drittgrößte deutsche Weinstadt auch ihre Bedeutung hat.
Den ältesten Brunnen - den "Gerechtigkeitsbrunnen" von 1778 auf dem Marktplatz - erläuterte Lahr eingehend. Nach verschiedenen Standorten wurde er 1977 vor dem Rathaus errichtet. Die Brunnensäule wird von spätbarocken Figuren des Neptun und Herkules flankiert. Die Gruppe erlebte dagegen recht einsam den stillgelegten Brunnen im Innenhof des Rathauses mit dem von Künstler Adam Antes geschaffenen Jüngling, dessen linke Hand - symbolhaft für den kriegsbedingten Niedergang der Stadt nach unten weisend - und dessen rechte Hand hoffnungsvoll auf den Wiederaufbau nach oben gerichtet ist.
Den Abschluss bildete der "Siegfriedbrunnen" vor dem "Haus zur Münze", der 1921 aufgestellt und von Freiherr Cornelius Wilhelm von Heyl und seiner Gattin gestiftet wurde.
Friedel Lahr fasste die Führung unter dem Motto "Wenn alle Brünnlein fließen" so zusammen: "Eigentliches Element von Brunnen ist sprudelndes Wasser, leider sahen wir heute einige im trockenen Zustand, hoffend, dass sie bald vom Wasser belebt werden."