WORMSER TAFEL e.V.: Andreas Herrmann folgt auf Jürgen Sehrt als Geschäftsführer
Von der Fahrerkabine ins Chefbüro
Andreas Herrmann, langjähriger Fahrer und heutiger Geschäftsführer der Wormser Tafel, und Tafelkoordinatorin Dunja Schon in den Räumen der Wallstraße 2. Foto: Florian Helfert
Von Florian Helfert › „Heute Morgen ist ein Fahrzeug unserer Wormser Tafel nicht angesprungen und musste kurzfristig in die Werkstatt“, berichtete Andreas Herrmann beim Treffen mit dem Nibelungen Kurier am Donnerstagvormittag. Für die Aktiven des eingetragenen Vereins in der Wallstraße 2 gibt es also immer etwas zu tun!
Um derzeit rund 2.000 Bedürftige, darunter 800 Kinder, aus 46 Nationen mit Lebensmitteln zu unterstützen, müssen Infrastruktur und Organisation aufrechterhalten sowie regelmäßig Lebensmittel- und Geldspenden akquiriert werden.
Duo lenkt die Geschicke der Tafel
Verantwortlich dafür sind Andreas Herrmann und Dunja Schon. Während sie als Koordinatorin der Tafel bereits seit fast zwei Jahren unter anderem die Einsatzpläne für die rund 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schmiedet, ist er erst seit rund einem Monat der neue Geschäftsführer.
„Aus gesundheitlichen Gründen ist die Staffelübergabe von meinem langjährigen Vorgänger Jürgen Sehrt etwas früher als geplant erfolgt“, verrät der neue Mann an der Spitze der Tafel.
Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem der Kontakt zu den 33 Bäckereien und Supermärkten, die der Tafel wiederkehrend Lebensmittel spenden, sowie die Öffentlichkeitsarbeit.
Lebensmittel, Zeit und Geld sind gefragt
Voller Tatendrang möchte sich der pensionierte Polizeibeamte seiner neuen Aufgabe widmen. „Sechs Jahre lang war er als Fahrer mit einem der drei Transporter für die Tafel unterwegs und ist nun hochmotiviert, noch mehr Bäckereien und Märkte von der sozialen Arbeit der Wormser Tafel zu überzeugen“, sagt Dunja Schon.
Beide bedauern, dass die Summe der Geld- und Sachspenden nicht mehr mit der steigenden Bedürftigkeit in Worms Schritt hält. Die Folge: Seit April vergangenen Jahres gilt ein Aufnahmestopp mit Ausnahme von Rentnerinnen und Rentnern (der NK berichtete).
Aus Kapazitätsgründen müssten leider täglich neue Bedürftige vertröstet werden. Ein Dilemma für die Helfer und erst recht für die Betroffenen in persönlichen und wirtschaftlichen Notlagen.
Betriebskosten summieren sich
„Weder sind wir ein Supermarkt, noch können wir alle Wünsche erfüllen. Die Wormser Tafel ist nur ein ergänzendes Angebot, das rein auf Spenden basiert“, betonen Herrmann und Schon unisono. Und selbst wenn die Tafel zu einem großen Teil von ehrenamtlichem Engagement getragen wird, müssen neben dem Lebensmittelzukauf auch Miete, Müllabfuhr und Strom sowie drei Fahrzeuge und deren Benzinverbrauch finanziert werden – Ausgaben von rund 10.000 Euro im Monat.
Lichtblicke in schwierigen Zeiten
Doch trotz allem schwärmen Andreas Herrmann und Dunja Schon von ihrem Engagement bei der Wormser Tafel. „Helfen bereitet Freude und ist sinnerfüllend“, sagt Herrmann. Als Flüchtlingskind an harte Arbeit gewöhnt, der Vater aus Ostpreußen geflohen, die Mutter aus dem Sudetenland, berühren ihn die Schicksale der Hilfesuchenden.
„Rund 100 Menschen verschiedenster Nationen im Alter von etwa 30 bis 87 Jahren packen hier ehrenamtlich mit an“, sind der neue Leiter und die Koordinatorin der Tafel stolz auf ihr Team und das gute Arbeitsklima. Neue Mitstreiter sind jederzeit herzlich willkommen.
Auch kleine Hilfen willkommen
Auch Innovationen wie die von Jürgen Sehrt erfundenen Lebensmittelkärtchen zugunsten der Tafel, die in einigen Supermärkten erhältlich sind, erleichtern die Arbeit des Vereins. Mit diesen Kärtchen erhält die Tafel direkt aus dem Verkauf stammende Lebensmittel. Gleiches gilt für die so genannten Pfandboxen für Leergutbons, deren Flaschenpfand als Spende an die Tafel geht. „Beides sind sehr gute Systeme, für die wir äußerst dankbar sind“, erklärt Herrmann. Und wer der Wormser Tafel als eingetragenem, gemeinnützigem Verein direkt Lebensmittel oder Geld spendet, kann sich über eine Spendenquittung und ein gutes Gewissen freuen.
„Um die Not der Bedürftigen in Worms weiterhin etwas lindern zu können“, so der neue Geschäftsführer der Tafel abschließend, „werden wir wie bisher motiviert um Spenden und ehrenamtliche Helfer trommeln“.
Kontonummer für Spenden
Wormser Tafel e. V. Rheinhessen Sparkasse
IBAN DE39 5535 0010 0021 2589 19
BIC MALADE51WOR