NABU Worms-Wonnegau: Steinkauz zieht nach Rheinhessen / Betreuung von rund 100 Brutröhren
Von Frankreich nach Mettenheim
Der erwachsene Steinkauz mit französischem Ring auf der Hand des Beringers. Foto: Andrea Frohna, NABU Worms-Wonnegau
Durchatmen ist bei den Steinkauzschützern des NABU Worms-Wonnegau angesagt, denn dieses Brutjahr war ein Besonderes. Ein paar Mal mussten die vielen Aktiven die Luft anhalten, ob sich die jungen Steinkäuze gut entwickeln und sehr unterschiedlich war am Ende das Ergebnis. Die Erkenntnisse dazu bezieht der NABU nämlich durch Nachschau in den fast 100 Brutröhren, die er im Wonnegau vornehmlich in Nussbäumen angebracht hat um die gefährdete Eulenart zu unterstützen.
Bei der Brutzeitkontrolle werden dann durch ausgebildete Beringer die Eier gezählt oder die Jungvögel gleich mit einem Ring versehen. Das nennt sich offiziell Beringung und deren Ergebnisse lassen aufhorchen: „Wir treffen öfter beringte Altvögel in diesen Brutröhren an, die z.B. aus Gebieten nördlich des Mains stammen oder aus dem Raum Nierstein und der Südpfalz zu uns kommen“, berichtet Matthias Bösl, der seit rund 30 Jahren das Steinkauzschutzprojekt beim NABU betreut, „doch was wir in Mettenheim erlebten, hatten wir noch nie!“
Bei der Kontrolle einer Röhre stießen die Aktiven auf einen weiblichen Steinkauz, der einen französischen Ring trug. Eine Nachfrage beim Max-Planck-Institut, auch bekannt als Vogelwarte Radolfzell, erbrachte dann als Ergebnis, dass der Steinkauz in Hunspach, Bas-Rhin, seinen Ring angelegt bekommen hatte. In der Folgezeit flog er Luftlinie 92 km bis nach Mettenheim, um dort in einer Röhre vier Jungvögel großzuziehen.
Sicher, dass Rheinhessen gefällt
„Der ist Franzose, der weiß, wie man gut lebt und ist deswegen nach Mettenheim gezogen“, erzählt Andrea Frohna, die örtliche Steinkauzbetreuerin mit einem Schmunzeln, „diese Entfernung ist schon ungewöhnlich, allerdings haben wir dieses Jahr auch im benachbarten Bechtheim einen Steinkauz angetroffen, der in Butzbach im Wetteraukreis beringt wurde und 80 km zu uns flog“. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil der Steinkauz niedrig fliegt und das Rhein-Main-Gebiet oder den Taunus überwunden haben muss. Der NABU ist sich sicher, dass es den Steinkäuzen in Rheinhessen besonders gut gefällt.
Zurück zum ungewöhnlichen Brutjahr, das grundsätzlich von der Witterung und dem Nahrungsangebot beeinflusst wird. Laut NABU gab es anfangs noch zahlreiche Mäuse, eine Lieblingsspeise der kleinen Eulen, und sie legten reichlich Eier, doch mancherorts reichte plötzlich die Nahrung nicht und einige Junge kamen nicht durch. „Wir konnten knapp 50 Brutpaare zählen, so viele wie noch nie“, freut sich Bösl, „leider wurden aber sieben Gelege aufgegeben“.
Bestand stark zurückgegangen
Der Bestand des Steinkauzes ist in Mitteleuropa stark zurückgegangen. Aus traditionellen Gebieten ist der nur 23cm große Vogel verschwunden. In Rheinhessen sind einzeln stehende Nussbäume in landwirtschaftlich genutzten Flächen bevorzugter Brutplatz. Doch weil die Bäume bei der Bewirtschaftung im Wege stehen, werden keine nachgepflanzt. Ursprünglich lebte der Steinkauz in Baumhöhlen ausgedehnter Streuobstwiesen an Ortsrändern. Als Beute dienen ihm Mäuse, Käfer, Insekten oder Regenwürmer. „Streuobstwiesen am Rande von Ortschaften sind schon lange verschwunden“, beklagt Bösl den Verlust dieses Biotops. So weicht die Eule auf die wenigen Nussbäume aus, die sich in Rheinhessen noch befinden.
Der NABU Worms freut sich über weitere Aktive im Steinkauzschutz. Wer Betreuer in Gundersheim werden möchte, kann sich gerne z.B. per Mail an den NABU Worms wenden: vorstand@nabu-worms.de