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Mo., 18. November 2019, 17:22 Uhr
MANNSCHAFTS-MEISTERSCHAFTEN: Deutsche Trampolin-Elite und die WM-Teilnehmer in Tokio 2019 begeistern in Worms / MTV Stuttgart siegt bei Frauen und Männern
Von Höhenfliegern und Seriensiegern
Matthias Pfleiderer sorgte im Vorkampf für einen Schreckmoment. Der Deutsche Meister im Trampolinturnen von 2018 stürzte beim fünften Sprung vom Sportgerät. Dennoch qualifizierte sich seine Mannschaft des MTV Stuttgart für das Finale und siegte dort knapp vor dem MTV Bad Kreuznach. Foto: Marcus Diehl
Von Jürgen Jaap | Worms ist ein Zentrum des Deutschen Turnsports. Eine These, die im Herbst 2019 mehr als begründet erscheint. Testete die nationale Elite des Deutschen Turner-Bundes DTB doch in den beiden vergangenen Monaten in den Sporthallen des Bildungszentrums (BIZ) in der Nibelungenstadt vor den größten internationalen Events des Jahres 2019 in ihren olympischen Sportarten mit allem, was im Turnsport Rang und Namen hat. Anfang September fand ein Turn-Länderkampf der Frauen direkt vor der Heim-Weltmeisterschaft in Stuttgart statt. Und nun setzte der DTB in Worms noch ein I-Tüpfelchen obendrauf. Bereits zum vierten Male nach 2014, 2017 und 2018 richtete der TV Leiselheim heuer mit dem SSC Trappenberg und dem Förderverein „Sport am Trappenberg“ die Deutschen Mannschafts-Meisterschaften im Trampolinturnen aus. Als wäre dies noch nicht genug, fand tags darauf am Sonntag der einmal jährlich stattfindende Deutschland-Cup Trampolin in Worms statt. Es war ein mitreißendes „Who-is-who“ der deutschen Höhenflieger im olympischen Trampolinturnen. Und mit dem MTV Stuttgart gab’s dazu einen alle überragenden Seriensieger der Mannschaften bei den Frauen und den Männern.
130 Sportler in 33 Mannschaften ermitteln Deutsche Meister 2019
Die Olympia-Zehnte von Rio de Janeiro 2016 zeigte auch in Worms ihre ganze Klasse. Leonie Adam zeigte die beste Final-Übung und sicherte sich kurz vor der WM 2019 Anfang Dezember in Tokio mit dem MTV Stuttgart souverän den Titel-Hattrick. Foto: Felix Diehl
Wieso denn aber ausgerechnet Worms? Eine Frage, die Uwe Franz (Sportdezernent der Nibelungenstadt) ähnlich wie Ralf Schutz (Vorsitzender des Technischen Komitees Trampolinturnen im Deutschen Turnerbund) oder Michael Kuhn (Trainer Schwäbischer Turnerbund) beantworteten: „Die Voraussetzungen sind hier für den Sport ideal. Die Höhe der Hallen im BIZ, das Team des Ausrichters um Cheforganisator Frank Schembs, die Präsenz in den Medien – alles passt perfekt.“ Da wundert’s also kaum, dass 33 Teams mit 130 Sportlern in den drei Altersklassen 11 bis 13 Jahre, 14 bis 16 Jahre und ab 17 Jahre männlich und weiblich nach Worms kamen. Und das Beste am sportlich hochwertig besetzten Wettbewerb: Mit Leonie Adam, Aileen Rösler (beide MTV Stuttgart), Jana Twesten (SV Hansa Stöckte), Lars Fritzsche (TG Jugenddorf Salzgitter), Matthias Pfleiderer (MTV Stuttgart), Daniel Schmidt (Bramfelder SV) und Fabian Vogel (MTV Bad Kreuznach) waren sämtliche Aktive am Start, die Anfang Dezember bei den Weltmeisterschaften in Tokio 2019 Deutschland vertreten werden. „Mehr Klasse geht nicht“, stellte Ralf Schutz zufrieden lächelnd fest.
Der Wettkampf
Sportlich überragende Leistungen wurden entsprechend bereits in den Vorkämpfen am frühen Samstagmorgen geboten. Es begannen die jüngeren Semester bis hin zu den Top-Sportlern. Die je zehn Sprünge in Pflicht, Kür und Finale sind dabei so spektakulär wie ihre Namen: Baby-Fliffis, Barani, Schraubencody, Randolf (Salto vorwärts mit zweieinhalb Schrauben) oder Triffis (Dreifachsalto vorwärts mit halber Schraube). 30 Sekunden gefühlte Schwerelosigkeit. Ästhetik und Akrobatik in mehr als zehn Metern Höhe über dem Boden. Als Favoriten ging bei Frauen wie Männern MTV Stuttgart an den Start. Wobei: Schon früh fuhr es dem Titelverteidiger mächtig in die Glieder. Patzte doch just Matthias Pfleiderer in der Kür. Nach fünf Sprüngen landete der Deutsche Meister 2018 neben dem Sprungtuch, musste vom Gerät. „Ich war sehr froh darüber, dass ich ihn noch abfangen konnte“, schnaufte sein Trainer Michael Kuhn tief durch, zumal sich der Titelfavorit nur ganz knapp gerade noch für das Finale qualifizierte.
Die Seriensieger triumphieren
Spannung pur dann im Finale. MTV Stuttgart, MTV Bad Kreuznach mit dem amtierenden Deutschen Meister Fabian Vogel und TG Jugenddorf Salzgitter boten ein rasantes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die WM-Teilnehmer lieferten alle voll ab, zeigten ihre Übungen, mit denen sie sich in gut zwei Wochen in Japan für Olympia 2020 in Tokio qualifizieren wollen. „Über Worms und Frankfurt nach Tokio“, bemerkte Ralf Schutz sichtlich begeistert ob der klasse Leistungen. Am Ende hatte Vorjahressieger MTV Stuttgart knapp die Nase vorn vor MTV Bad Kreuznach. Deutlicher verlief da schon der Wettbewerb bei den Frauen. MTV Stuttgart mit Leonie Adam, der Olympia-Zehnten von Rio de Janeiro / Brasilien 2016, und Aileen Rösler drückten dem Wettbewerb ihren Stempel auf. Mit gehörigem Abstand auf den Hattrick-Sieger folgten TSV Ganderkesee (bei Oldenburg, Niedersachsen) und TG Dietzenbach (Hessen) auf den Rängen zwei und drei.
Und wie es sich für eine Deutsche Meisterschaft gehört, sorgten gut 100 Helfer des TV Leiselheim und SSC Trappenberg für einen perfekten Rahmen. „Geniale Bedingungen“, machte etwa Michael Kuhn aus: „Da machen Höhenflüge richtig Freude.“ Auf neun Groß-Trampolinen wurde gesprungen. Über 120 Turnmatten in der Halle sorgten für Sicherheit rund um die Sprungtische. 12 Kameras von SWR 3 – Aktuell und des Offenen Kanal Worms zeichneten das sportliche Mega-Event auf. Mehrere Kilometer Kabel waren im BIZ verlegt. Auf vier riesigen Leinwänden flimmerten die Ergebnisse live den zahlreichen Zuschauern auf der voll besetzten Tribüne „ins Haus“. Eine logistische Mammut-Aufgabe. „Die natürlich auch große Kosten aufwirft“, bedankte sich Cheforganisator Frank Schembs, kürzlich erst zum Präsidenten des Rheinhessischen Turnerbundes RhTB gewählt, bei den Partnern der Veranstaltung. Ohne die Unterstützung der Lotto Stiftung Rheinland-Pfalz, der DVAG Tobias Wolsiffer Pfeddersheim, der Eichbaum Brauereien GmbH und der Volksbank Alzey-Worms eG wären derlei Höhenflüge, wie am Wochenende bereits zum vierten Mal in Worms live und in Farbe erlebt, nicht denkbar.