Neue Hauptfeuerwache soll auf dem städtischen „Filetstück“ errichtet werden / Große Zustimmung, aber auch Kritik
Vorentscheidung für Salamandergelände gefallen
Die Wormser Hauptfeuerwache soll von der Kyffhäuserstraße auf das Salamandergelände umziehen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Über die zukünftige Nutzung des Salamandergeländes am Speyerer Schlag, unweit der Bahnstrecke nach Ludwigshafen, wird seit Jahrzehnten heftig diskutiert.
Die bereits vor Wochen von der Stadtspitze gegenüber der Presse geäußerte Absicht, dort die neue Hauptfeuerwache zu bauen, wurde am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss mit überwiegender Zustimmung bestätigt. Einzig von den Grünen kam heftige Kritik und von der FWG wurden Bedenken hinsichtlich der veranschlagten Kosten formuliert. Die Gesamtproblematik wird noch im Stadtrat diskutiert und dort auch endgültig entschieden.
Standort der Lederindustrie
Das Salamandergelände war lange Zeit ein wichtiger Standort der Wormser Lederindustrie. Im Jahr 1834 erfolgte dort die Gründung eines entsprechenden Werkes. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal zur Lederverarbeitung genutzt. Im Jahr 1963 erfolgte die Schließung des letzten Werkes. Das Areal samt Gebäuden wurde daraufhin an die Salamander AG verkauft, die die Hallen als Lager benutzten. 1988 wurde das Gebiet als Altablagerungsfläche eingestuft. Die Sanierung begann im Jahr 1997.
Der Abschluss der Maßnahmen mit dem Abriss der Gebäude dauerte bis in Jahr 2006. Seit dieser Zeit wird über eine neue Nutzung gesprochen und es wurden Investoren gesucht. Eine zusätzliche Aufwertung sollte das Gelände durch eine S-Bahn-Station erfahren, doch diese kam nie zustande.
Kein Investor gefunden
Denkbare Entwicklungsvarianten waren entweder eine Wohn- oder eine gewerbliche Bebauung. So galt auch ein großes Möbelhaus als Option, doch dies zerschlug sich wieder. Lange dümpelte so das Areal dahin, ohne dass es einer Funktion zugeführt werden konnte. Eine Wohnbebauung kam leider nie zustande, obwohl es sich ja eigentlich um eine attraktive innerstädtische Lage handelt.
Die Stadt Worms kaufte im Jahr 2014 schließlich das etwa neun Hektar große Gelände. Zunächst war eine Gewerbeansiedlung angedacht, da die Stadt Worms nach dem Verzicht auf das geplante Gebiet „Hoher Stein“ über keinerlei Gewerbeflächen mehr verfügte. Schließlich erfolgt der Vorstoß der Stadtspitze, dort eine neue Hauptfeuerwache inklusive THW zu errichten. Diese Feuerwache soll rund ein Viertel des Geländes beanspruchen. Die Kosten sind mit rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Der Rest der Fläche würde für Gewerbe oder eine spätere Ansiedlung weiterer städtischen Einrichtungen zur Verfügung stehen.
Zweitbeste Variante
Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Worms beschäftigte sich in seiner Sitzung am 23. Februar ausführlich mit dem geplanten Neubau der Hauptfeuerwache. Alle Fraktionen erkannten die Notwendigkeit eines Neubaus an, der im Zusammenhang mit der generellen Umwandlung der Freiwilligen Feuerwehr Worms in eine Berufsfeuerwehr gesehen werden muss. Wobei es in der Nibelungenstadt auch weiterhin einen Mix aus Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr geben wird.
Der Wahl des neuen Standortes ging eine gründliche Analyse voraus. Der entscheidende Knackpunkt war dabei die Erreichbarkeit aller Gebiete der Kernstadt in acht Minuten und nach neuer rechtlicher Grundlage bald in zehn Minuten.
Der optimale Standort, so Oberbürgermeister Michael Kissel, sei der ehemalige Güterbahnhof am Wormser Hauptbahnhof. Doch sei das Areal zu klein, um eine neue Hauptwache aufzunehmen. Das Salamandergelände sei der zweitbeste Standort. Der große Vorteil sei hier, das Gebiet befindet sich in städtischem Besitz, sodass keine Kaufverhandlungen mit Eigentümern notwendig wären, sondern mit dem Bau relativ zügig begonnen werden könne. Wobei das Projekt nur mit Zuschüsse des Landes realisierbar ist.
In Anbetracht der vielen zurzeit anstehenden Bauvorhaben, etwa bei Schulen, wird es bis zur Umsetzung nach einige Jahre dauern.
Bürogebäude wäre sinnvoller
Richard Grünewald von den Grünen kritisierte den geplanten Bau der Hauptwache auf dem Salamandergelände, da es sich um ein Filetstück der Stadt handele. Grünewald favorisierte dort Bürogebäude mit einem S-Bahn-Haltepunkt. Die Hauptwache solle seiner Meinung nach weiter in den Westen verschoben werden, was problemlos ginge, da durch den Ausbau der B 47 Südumgehung eine rasche Erreichbarkeit der Kernstadt möglich sei.
Die restlichen Fraktionen wollte sich dieser Argumentation nicht anschließen, sondern verwiesen darauf, dass der Neubau dringend notwendig sei und man mit den Planungen nicht noch einmal von vorne beginnen wolle, zumal keinem ein weiter westlich gelegenes, geeignetes Areal einfiel. Ein Problem ergibt sich allerdings mit dem Standort Salamandergelände, denn von dort aus sind einige Bereiche der Stadt, etwa Rheindürkheim, Teile des nördlichen Industriegebiets, Abenheim und Ibersheim nicht in acht bzw. zehn Minuten zu erreichen. Daher ist der spätere Bau einer zweiten Wache im Wormser Norden oder eine noch engere Kooperationen mit den Feuerwehren der angrenzenden Kommunen notwendig.
Hauptwache platzt aus allen Nähten
Seit dem Jahr 1972 befindet sich die Wormser Hauptfeuerwache an der Kyffhäuserstraße auf einem Gelände mit der Größe von rund 3.000 Quadratmetern. Die Wache platzt aus allen Nähten, da sie ursprünglich für 22 hauptamtliche Feuerwehrleute konzipiert war. Heute gibt es 65 hauptamtliche Kräfte. Zudem fehlen Lagerfläche für das Material zum Katastrophenschutz und Stellplätze für Einsatzfahrzeuge.
Eine Bedarfsanalyse ergab für die Feuerwehr Worms eine zukünftig benötigte Fläche von rund 15.000 Quadratmetern. Dazu kommen noch 3.000 Quadratmeter für das Technische Hilfswerk (THW) sowie eventuell weitere Räumlichkeiten für sonstige Hilfsorganisationen.
Wo jetzt noch Flüchtlinge untergebracht sind, könnte in den nächsten Jahren die neue Hauptfeuerwache entstehen. Foto: Gernot Kirch