Fr., 13. März 2015, 09:24 Uhr
Aktuelle Pressemitteilung vom Freitagmorgen: Die Domgemeinde lehnt Entwurf des Bürgervereins ab
„Vorschlag ist nicht realisierbar“
Die katholischen Pfarrgemeinden Dom St. Peter und St. Martin haben den vom Bürgerverein Domumfeld e.V. als „Kompromissvorschlag“ bezeichneten neuen Entwurf für ein Haus am Dom klar zurückgewiesen. „Nach gründlicher Prüfung und Beratung mit Fachleuten müssen wir sagen: dieser Vorschlag ist technisch, architektonisch und rein praktisch so überhaupt nicht realisierbar und wird in keiner Weise dem hohen Anspruch gerecht, der städtebaulich an ein Bauwerk in unmittelbarer Nähe zum tausendjährigen Dom gelten muss.“ So fasst Propst Schäfer das Ergebnis der Prüfung des Vorschlages zusammen, den der Bürgerverein am 26. Februar als Kompromiss präsentiert hat. In einem umfangreichen Schreiben an den Bürgerverein werden in 18 Punkten detailliert gravierende Mängel und Probleme aufgelistet.
Der Bürgerverein hatte vorgeschlagen, auf den geplanten Zwischenbau, der das „Haus am Dom“ mit der vorhandenen Wohnbebauung verbindet und zugleich optisch und architektonisch abgrenzt, zu verzichten und es so direkt an die aus den 60er Jahren stammende Wohnbebauung anzuschließen und dieser in der Höhe anzupassen. Dadurch reduziert sich die Nutzfläche des Hauses um mehr als 25%.
„Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Idee und dem Raumprogramm unseres Hauses hat offensichtlich nicht stattgefunden“, stellt Klaus Berg, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates fest: „Die geplante Nutzung als Café und Laden, als Anlaufpunkt für Touristen und zugleich die notwendigen Räume für die Gemeindearbeit sind in dem deutlich verkleinerten Bauwerk schlicht nicht mehr unterzubringen; der Vorschlag, verschiedene Funktionsräume im aus einer früheren Bebauung herrührenden Kellergeschoß unterzubringen, ist weder wirtschaftlich noch praktisch realisierbar und birgt zudem erhebliche statische Probleme wie auch unabschätzbare Kostenrisiken.“ Die bereits erfolgten Bodenuntersuchungen etwa hätten ergeben, dass ein Bauen auf dem vorhandenen Fundament und Keller, wie vom Bürgerverein vorgeschlagen, schon aus statischen Gründen gar nicht möglich ist. Zudem seien grundlegende architektonische und zum Teil auch sicherheitsrelevante Details wie z.B. notwendige Raumhöhen für den Saal und größere Gruppenräume, ein zweites Treppenhaus als Fluchtweg für das Saalgeschoss und anderes nicht bedacht und im vorgelegten Entwurf auch nicht realisierbar.
Gerade was den Umgang mit solchen Detailfragen wie z.B. der Frage notwendiger lichter Raumhöhen, der notwendigen Anzahl von Toilettenanlagen (auch mindestens einer behindertengerechten Toilette), den für die Konzessionierung eines Café- und Ladenbetriebes notwendigen Nebenräumen (Lager, Küche, Personalräume) und anderes mehr betrifft, ist der Vorschlag des Bürgervereins nach Überzeugung der Domgemeinde fachlich nicht überzeugend durchdacht und wegen zahlreicher Mängel letztlich nicht realisierbar.
„Die Domgemeinde ist sich der besonderen Verantwortung, im unmittelbaren Umfeld des Domes zu bauen, stets bewusst gewesen. Der nun vom Bürgerverein vorgelegte Entwurf zeigt deutlich, dass dieser medienwirksam als „Kompromiss“ präsentierte Vorschlag in keiner Weise geeignet ist, den hohen architektonischen Ansprüchen, die ein Bauwerk in unmittelbarer Nähe zum stadtbildprägenden tausendjährigen Dom haben muss, gerecht zu werden“, heißt es im abschließenden Fazit. Vielmehr würden mit dem Entwurf des Bürgervereins die von ihm selbst immer wieder kritisierten Fehler früherer Bebauung einfach wiederholt und fortgesetzt. Er setze fantasielos die aus den 60er Jahren stammende Bebauung, die aus ihrer Zeit zu verstehen sei und als Wohnbebauung eine grundsätzlich andere Funktion habe, einfach fort.
Weiterhin wird in dem Schreiben der Domgemeinde an den Bürgerverein darauf hingewiesen, dass der Vorschlag des Bürgervereins fast exakt einer der von der Domgemeinde bereits 2011 in einer Machbarkeitsstudie untersuchten Varianten entspreche. Bereits in dieser Studie sei aber nachgewiesen worden, dass in einem solchen deutlich verkleinerten Baukörper keinesfalls alle Funktionen wie geplant unterzubringen seien. Zudem hatte die Studie diese Variante schon damals sehr deutlich als „städtebaulich unbefriedigend“ bewertet. Der relativ flache Baukörper könne der besonderen städtebaulichen Position nicht gerecht werden.
„Wir sind – im direkten Vergleich mit dem sogenannten Kompromissentwurf und seinen anschaulichen bildlichen Darstellungen sogar mehr denn je - von der Qualität unseres geplanten Gemeindehauses überzeugt“, fasst Propst Tobias Schäfer das Ergebnis der Prüfung zusammen. Nach Überzeugung der Domgemeinde wird das von Prof. Springer geplante „Haus am Dom“ zu einer Aufwertung des Domumfeldes beitragen. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Haus am Dom am
Ende durch seine Qualität auch viele von jenen überzeugen wird, die dem Bauvorhaben jetzt noch kritisch oder ablehnend gegenüber stehen.“ Die Verantwortlichen der Gemeinde lassen keinen Zweifel daran, dass sie an ihren Plänen festhalten und wie geplant nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen des Baugrundes das geplante Haus an dieser Stelle bauen wollen.