„Neu in Worms“ als Plattform für Neubürger mit großem Interesse am Leben in der Nibelungenstadt / Nächstes Treffen am Mittwoch
Vorurteilsfreier Blick auf Worms
VON ROBERT LEHR l Solch einen Neubürger kann sich Worms nur wünschen: Nicht nur, dass Sven die Farben seines Arbeitgebers trägt – er hat sich im Kiautschau eine Doppelhaushälfte gekauft und ist Mitglied bei den Fischerwäädern!
Der Elektroingenieur aus Kirchberg kam vor Jahren in die Nibelungenstadt, um nach seinem Studium bei EWR zu arbeiten. „Hier fühle ich mich sehr, sehr wohl“, unterstreicht der Hunsrücker und merkt dabei an, dass auch „die Mentalität meiner Heimat sich kaum von der in Rheinhessen unterscheidet!“ Aber auch vom großen kulturellen Angebot, der schönen Landschaft Rheinhessens und der zentralen Lage der Stadt zeigt er sich sehr angetan.
Das sehen die anderen Mitglieder der Gruppe „Neu in Worms“ ähnlich. Sie rekrutiert sich aus rd. 30 aktiven Leuten, alle im Alter von ungefähr 25 bis 40, die aus den verschiedensten Gründen nach Worms gezogen sind. Sie treffen sich im 14-tägigen Rhythmus in wechselnden Lokalitäten sowie zu allen möglichen gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Im Sommer gehen sie so z.B. gemeinsam zum Grillen an den Rhein, besuchen die Flaniermeile der Nibelungen-Festspiele oder besuchen zusammen das Jazz&Joy-Festival.
Zurzeit sind Kirstin und Natascha die „Administratorinnen“ der „Neu in Worms“-Facebook-Seite. Ihnen obliegt die Planung der Treffen. Kirstin stammt eigentlich aus dem pfälzischen Haßloch. Ihr Weg in die Nibelungenstadt hat sie über das Studium der Lebensmittelchemie in Münster zu einer Südzucker-Tochter nach Worms gebracht. Sie wohnt im Apostelbräu-Viertel und fährt – in alter Münsteraner Gewohnheit – teilweise mit ihrem Holland-Fahrrad zum Arbeitsplatz nach Offstein.
Auch sie mag die Region, erinnern sie die Weinberge doch an ihre pfälzische Heimat. Sie kennt Portale wie „Neu im Worms“ von Münster und hat die Wormser Gruppe schon im Dezember 2012 gelauncht, ein Vierteljahr, bevor sie schließlich hergezogen ist.
Und auch Natascha – ursprünglich aus Heidelberg – ist fast von Anfang an mit dabei. Sie arbeitet in Ludwigshafen und hat sich hier in Worms in eine Wohnung verliebt. Für sie ist der gemeinsame Stammtisch auch die ideale Plattform, um Tipps zu Ärzten, Friseuren oder auch Fitness-Studios auszutauschen. All das kenne man ja für gewöhnlich in einer neuen Stadt nicht. Interessanterweise kämen zu den Treffen kaum Studenten, fällt ihr auf. Für Natascha aber verständlich, finden diese doch an der Hochschule in ihren Semestern zahlreiche potenzielle Freunde, darunter auch Einheimische.
Katja ist das „Kücken“ in der Runde, sie kam zunächst der Arbeit wegen und zieht in ein paar Wochen nun auch der Liebe wegen nach Worms.
Auch wenn sie ursprünglich vom Donnersberg stammt, und zuletzt in Kirchheimbolandern wohnte, war sie zwischenzeitlich Jahre lang in Hannover, von wo auch sie ähnliche Initiativen kennt.
Carlo ist aus Ingelheim und kam wegen der Arbeit nach Worms. Jetzt will er sich umorientieren, bleibt aber nach Möglichkeit gerne in Horchheim wohnen. Er findet es klasse, dass es in dem Stadtteil sogar eine Herstellung von Feinkost oder Nudeln gibt; er mag die Natur im Eisbachtal. Trotzdem sei die Innenstadt sehr nahe.
Das jüngste Treffen fand im „Al Duomo“ statt. Die Location für kommenden Mittwoch, dem 5. April, um 19 Uhr, stand noch nicht fest. Man findet ihn dann aber in facebook, wenn man der Gruppe „Neu in Worms“ beitritt.Foto: Robert Lehr
Ein Wormser „Neu in Worms“
Ein „Exot“ ist Frank! Er ist aus Herrnsheim, wo er nach einigen Jahren in Mainz heute wieder wohnt. Der Software-Entwickler fühlte sich von der Facebook-Gruppe angesprochen, die sich auch offen für Einheimische zeigt. Schließlich könnte man ja von den Tipps Einheimischer profitieren, unterstreicht Natascha. Zudem könnten Wormser ihr Wissen um ihre Heimat updaten, ergänzt Frank. Denn oftmals seien die Zugezogenen besser informiert und vor allem unvoreingenommener. Im Gegensatz dazu pflegten zahlreiche Wormser ihre Vorurteile.
Es sei allerdings auch schon vorgekommen, dass die Initiative als eine Art Dating-Plattform missverstanden worden sei. Das aber sei nicht „Sinn der Sache“. Unabhängig davon gäbe es schon zwei „Stammtischbabys“, so Natascha. Allerdings bei Paaren, die sich schon als solche der Gruppe angeschlossen hatten.
Danielle wohnt zwar nicht mehr in Worms, hält der Gruppe aber die Treue. Ursprünglich stammt sie aus Cottbus und kam wegen des Jobs hierher. In Worms hat sie ihren jetzigen Freund aus Osthofen kennengelernt und wohnt und arbeitet heute in Mainz. Zu den Treffen kommt sie jetzt extra nach Worms.
Ganz neu hingegen in der Region ist Kerstin aus Aschaffenburg. Sie war beim letzten Treffen zum ersten Mal dabei. Erst vor wenigen Monaten ist sie mit ihrem Freund aus Stuttgart nach Wachenheim gezogen. Hier hat er sich ein altes Anwesen gekauft, das jetzt saniert werden muss. Für sie ist alles noch ganz frisch hier. Das schöne Zellertal allerdings hat es ihr schon im Winter angetan.
Mit Christine lebt eine im ganzen Land bekannt „Stimme“ in Herrnsheim. Die SWR 3-Moderatorin wohnt seit Jahren hier, wobei ihr besonders der dörfliche Charakter des Stadtteils, dessen stilvollen kleinen Geschäfte im Schlosshof und der Hauptstraße, sowie die zentrale Lage von Worms gefällt. Schließlich müsse sie nicht nur nach Mainz ins Studio, sondern sei auch ansonsten viel im Land unterwegs.
Was alle Mitglieder der Initiative eint, ist eine teils große Symoathie für die Nibelungenstadt. Gerade was die Gastronomie angeht, sehen viele noch Nachholbedarf. Das werde aber durch die zahlreichen Events in und um Worms wettgemacht. Und während die Alteingesessenen oftmals in ihr Lamento fallen, überwiegen hier eindeutig die positiven Seiten unserer Stadt. Von diesem unvoreingenommenen Blick kann man nur profitieren – und von diesen Menschen.
„Worms geht es immer dann gut, wenn es in der Lage ist, neue Menschen zu integrieren“. Was OB Michael Kissel stets postuliert, gilt auch hier. Die Mitglieder der Gruppe „Neu in Worms“ sind vor allem eines: Gut für Worms!