MARIO-ADORF-PREIS: Opulente Bühnenbilder gepaart mit Evidenz zeichnen Roger Vontobel aus
Wahl der Jury fällt auf Schweizer Regisseur
In Abwesenheit des diesjährigen Preisträgers – ein Novum – vollzogen (von links) Jürgen Breier (SCHOTT AG), Petra Simon (Nibelungenfestspiele), Prof. Dr. Jürgen Hardeck (Ministerium), Ilse Lang (Ehrenbürgerin der Stadt und Mäzenatin des Preises), Sascha Kaiser (Nibelungenfestspiele) und Jurymitglied Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte „das Ritual.“ Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig › „Und der Gewinner des Mario-Adorf-Preises 2024 für außergewöhnliche künstlerische Leistungen ist Roger Vontobel.“ So verkündete es Ilse Lang beim Öffnen des „goldenen Umschlags“. Ilse Lang, die Ehrenbürgerin von Worms, tritt hier auch als Mäzenatin des mit 10.000 Euro dotierten Preises auf.
Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte begründete im Namen der Jury diese Entscheidung. Korte hob hervor, dass Roger Vontobel bereits das dritte Mal als Erfolgsautor in Worms wirke, insofern vielleicht auch eine Hommage an seine Wormser Erfolgsgeschichte. Zumindest mal ein Zwischenfazit, denn, so die Meinung, „… man wird ihn hier nicht zum letzten Male verpflichtet haben“!
„Viele Tausend Besucher hat er mit seinen Stücken begeistert. Aber natürlich möchte die Jury jedem einzelnen Mitglied des Ensembles den Preis verleihen“, so Moderator und Jurymitglied Korte, „aber das können wir nicht. In diesem Jahr haben wir uns auf den Regisseur verständigt.
Möglichkeitsmacher
Er ist nicht nur Regisseur, er ist Möglichkeitsmacher einer Bühnenwelt; dreimal hat er hier schon Nibelungenstoff vor dem Dom entfaltet und nicht gegen den Dom. Zur übergroßen Bilderwelt des Regisseurs gehört der Dom als erzählerisches Element dazu. Er ist nicht nur Kulisse, die Architektur des Doms und der offene Himmel als Teil des Bühnenbildes, das sind, anders als im Theaterraum, alles Bereiche, die nicht vollständig kontrollierbar sind. Vontobel riskiert mit seinen bildhaften Erzählelementen absichtsvoll den Kontrollverlust.“
Große Bilder vor Dom
Korte verweist auf die Inszenierung von 2018, als der Dom zu zittern begann. „Das Team hatte mit Mapping-Technik den Dom zum Wackeln gebracht.“ 2022 schuf Vontobel hier vor dem Dom eine gigantische Wasserlandschaft. Die Akteure konnten nicht einfach auftreten, wie man es vom Theater kennt, sondern sie mussten erscheinen. Das verlangt von den Schauspielerinnen und Schauspielern extreme Spielkunst. Und auch diesmal, zum dritten Mal, schafft der Regisseur mit dem immerwährend blutenden Siegfried ein Bild voller erzählerischer Dialektik. Niemand ist stofflich dadurch so lebendig wie der tote Siegfried – auf der Bühne.
Dreimal also große Bilder von Vontobel, das war für die Jury entscheidend. Visuelle Opulenz, Evidenz auf einen Blick, Bühnenbilder, die ganz tiefe Eindrücke hinterlassen. Dazu gehört aber auch seine pragmatische Leichtigkeit, mit der er es auch schafft, Einzelkünstler in ein Gesamt-Ensemble zu verwandeln. Das ist eine große Kunst der intensiven Schauspielführung.
Dynamische Inszenierung
Oder die Dynamik der Inszenierung: Vontobel nutzt Bewegung und Rhythmus intensiv, um uns als Publikum zu fesseln. Und den Mut, das Drehbuch auf aktuelle, politische, gesellschaftliche Kontroversen dramaturgisch zuzuspitzen. Was ist wichtiger für uns, Freiheit oder Frieden? Das ist ein zentrales Thema des Stücks; um welchen Preis sollte man Kriege einfrieren; näher als mit solchen Fragen kann man im Prinzip nicht mehr an die sogenannte Zeitenwende herankommen. Vontobel wagt sich an solche nahen Zeitstücke gesellschaftlich und politisch heran.
Vertrauen in Ensemble entscheidend
Ilse Lang „interviewte“ Vontobel letzten Samstag; ihre Frage: „Wie bringt man ein so tolles Ensemble dazu, so zu spielen, wie du dir das vorstellst?“? Und er antwortete ihr: „Vertrauen“. „Gegenseitiges Vertrauen, was auch immer auf Wertschätzung und Achtung basiert, ist auch meiner Meinung nach der Schlüssel zur qualitativ hochwertigen Arbeit und die Basis für ein menschliches, harmonisches Miteinander“, so Lang.
Adorf jobbte einst bei SCHOTT
Der Preis, der Gläserne Drache, in physischer Form von der SCHOTT AG hergestellt, wird vom Unternehmenssprecher Jürgen Breier erläutert, denn seit über 70 Jahren sind Adorf und Schott verbunden. 1951 und 1952 hat Mario Adorf in Mainz studiert und in den Semesterferien bei dem Spezialglasunternehmen „gejobbt“. „Eine Verbindung, die bis heute besteht“, so Breier.
Petra Simon verlas im Anschluss Dankes- und Grußworte des sich im Urlaub befindenden Regisseurs und Preisträgers.
Oberbürgermeister Adolf Kessel zollte Sascha Kaiser nach 18-jähriger Geschäftsführertätigkeit Dank und Anerkennung, „denn er wird auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen“, so Kessel.
Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck überbrachte Grußworte seitens der Landesregierung: „Sie können immer auf uns zählen“, so die Botschaft aus Mainz.