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Wanderausstellung gibt Opfern des NSU ein Gesicht

24 Tafeln über „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ noch bis zum 4. Oktober im Wormser Rathaus

Birgit Mair erläutert im Ratssaal die Konzeption der Ausstellung.

Birgit Mair erläutert im Ratssaal die Konzeption der Ausstellung.

Nach jahrelangen Verhandlungen kam es im Juli dieses Jahres zu einem Urteil im bekannten NSU-Prozess um Beate Zschäpe. Doch wie mit den Geschehnissen umgehen? Wie die Verbrechen gesellschaftlich aufarbeiten?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“, die nun bis zum 4. Oktober im Rathaus zu sehen ist. Veranstalter ist das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, an dem sich auch die Stadt Worms beteiligt, in Kooperation mit dem Bündnis gegen Naziaufmärsche und des DGB-Stadtverbandes Worms.

„Als Stadt Worms haben wir uns gerne dem Bundesprogramm angeschlossen. Ich bin froh, dass es bei uns zahlreiche Initiativen und Bewegungen gibt, die sich für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen“, sagte Oberbürgermeister Michael Kissel in seiner Eröffnungsrede. Zudem verwies er auf die intensive Gedenk- und Erinnerungskultur in Worms. Von den Erkenntnissen des großen NSU-Prozesses zeigte er sich enttäuscht: „Der Prozess hat lediglich an der Oberfläche gekratzt und sich leider nur wenig mit den Opfern, deren Angehörigen oder auch dem Terrornetzwerk beschäftigt.“ Der Satz „Wir müssen unsere Demokratie verteidigen“ sei heute mehr denn je gerechtfertigt, betonte der OB im Hinblick auf die Ereignisse in Chemnitz. Deshalb begrüßt der Wormser Stadtchef die Ausstellung im Rathaus, die inzwischen bereits an mehr als 160 Orten gezeigt wurde, und hofft auf großen Zuspruch.

Auch Claudia Koch von der Fach- und Koordinierungsstelle „Demokratie Leben!“ verwies auf die offenen Fragen, die der NSU-Prozess hinterlassen habe: „Eine lückenlose Aufklärung fand nicht statt. Die Diskussion um den NSU geht weiter und das ist gut so“, bekräftigte sie.

Im voll besetzten Ratssaal erläuterte Birgit Mair, Diplom-Sozialwirtin am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung, im Anschluss das Konzept hinter der Ausstellung, die sie zusammengestellt hat. Mair lebt seit vielen Jahren in Nürnberg, in der Stadt, in der sich drei NSU-Morde ereigneten. 2012 habe sie damit begonnen, die Ausstellung zu konzipieren, berichtete sie. Darin thematisiert sie die Ermordung der zehn Opfer durch die Terrorgruppe NSU in den Jahren 2000 bis 2007. Auch die weiteren Gewaltverbrechen des NSU sowie die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen finden Beachtung.

Die Ausstellung möchte den Opfern des NSU ein Gesicht geben. Am Projekt wirkten deshalb auch zahlreiche Angehörige der Ermordeten mit. 24 Tafeln setzen sich mit den Verbrechen des NSU in den Jahren 2002 bis 2007 sowie deren gesellschaftlicher Aufarbeitung auseinander. Biografien der Opfer werden dargestellt, ebenso kommen Angehörige zu Wort. Andere Exponate beschäftigen sich mit den Bombenanschlägen und den Banküberfällen. Dargestellt werden auch die Neonaziszene der neunziger Jahre und das weitreichende Täternetzwerk.

Auch die langen Ermittlungen, die nicht zu einer raschen Aufklärung der Morde führten und der gesellschaftspolitische Umgang mit dem Themenkomplex nach dem Auffliegen der Terrorgruppe werden in der Ausstellung beleuchtet.

Führungen durch Ausstellung

Für Interessierte werden Führungen angeboten: Freitag, dem 7. September, 14.30 Uhr, Dienstag, dem 18. September, 18 Uhr und  Dienstag, dem 25. September, 17 Uhr; Dauer jeweils 50 Minuten, Treffpunkt ist an der Rathaus-Pforte. Außerdem können mit Stadtführerin Heike Schreiber-Wolsiffer individuelle Termine vereinbart werden unter Telefon 0172/6292785 oder per E-Mail an info@citytours-worms.de. Die Kosten belaufen sich auf zwei Euro pro Teilnehmer.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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