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  • Sa., 24. Dezember 2022, 09:05 Uhr
    Riedbahn: Generalsanierung der Strecke Mannheim–Frankfurt hat auch auf linksrheinischer Seite erhebliche Folgen

    Was auf Fahrgäste ab Sommer 2024 zukommt

    Die Generalsanierung führt zu Sperrungen, bei denen die Züge umgeleitet werden müssen und auf diesen Umleitungsstrecken andere Züge verdrängen, weil die Kapazitäten zur Aufnahme der umgeleiteten Züge nicht ausreichen. Foto: Robert Lehr


    Von Robert Lehr › Mitten in die Diskussionen um die Mobilitätswende platzt eine Nachricht, die alle Bahnnutzerinnen und Bahnnutzer auf eine weitere harte Probe stellt: Die DB Netz AG wird ab Juli 2024 die Riedbahnstrecke zwischen Mannheim, Groß-Gerau und Frankfurt für die Dauer von geplanten 5 Monaten komplett sperren, um im Rahmen eines Pilotprojektes eine Generalsanierung dieses „Hochleistungskorridors“ durchzuführen.

    Laut des zuständigen Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd) werden die Personen- und Güterzüge der Riedbahn über die Strecke zwischen Mannheim und Mainz (S6) sowie die Strecke Frankfurt–Heidelberg umgeleitet. Bereits jetzt schon liefen die entsprechenden Vorbereitungen, so Michael Heilmann als Direktor des ZÖPNV Süd gegenüber dem NK. 

    Laut Heilmann werde die Generalsanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim „erhebliche Auswirkungen auf den SPNV im südlichen Rheinland-Pfalz, aber indirekt auch auf die Verknüpfungen mit dem Fernverkehr in Mannheim und Mainz haben“. Die DB Netz AG müsse sowohl den umfangreichen Fernverkehr als auch den starken Güterverkehr verteilen.

    Laut Heilmann würden in geringem Umfang Güterzüge auch über großräumige Umleitungen geroutet, z.B über Würzburg oder die Mosel- und Saarstrecke. In der Folge würden „in erheblichem Umfang Züge des Schienenpersonenverkehres südlich von Mainz entfallen müssen“. 

    Zwischen Mainz und Mannheim würden die Fahrzeiten aller Züge etwas harmonisiert, um die Streckenkapazität zu erhöhen. „Der IC/ICEVerkehr wird in Bezug auf die Linienführungen vollkommen neu geordnet und fährt südlich Mainz nicht mit Höchstgeschwindigkeit“, so Heilmann.

    Die S-Bahnen müssten im Gegenzug Halte aufgeben, um sich „den Fahrzeiten des Güterverkehrs anzunähern“. 

    Ergänzend sei laut Michael Heilmann zu erwähnen, dass „nach aktuellem Stand der Planungen zahlreiche oder sogar alle in Bingen und Worms haltenden Intercity-Züge nicht verkehren können“. Die ICE- und TGV-Züge von und nach Paris sollen „auf den Strecken Mannheim–Saarbrücken–Paris eingekürzt werden“.

    Michael Heilmann weiß: „Die Riedbahnsperrung selbst, aber auch die analog zur Strecke Mainz –Mannheim zu betrachtende Main-Neckar-Bahn mit den Ausfälle im Personenverkehr bei ICE, IC und Regionalverkehrszügen, wird für eine sehr angespannte Situation bei der Bereitstellung der notwendigen Buskapazitäten sorgen“. Schließlich gelte es, die Schließung der Strecke Mannheim – Frankfurt mit entsprechenden Ersatzverkehren auszustatten.

    Die geplanten Änderungen
    Momentan stecke man laut Heilmann mitten in den Vorbereitung, wobei Einiges noch unklar sei. Nachfolgende Änderungen, die das Nibelungenland betreffen, stünden nach derzeitigem Stand schon weitgehend fest: 

    Die S 6 von Mainz nach Mannheim werde – in einer gegenüber heute veränderten Lage – stündlich zwischen Worms und Mainz verkehren. Es werde darüber hinaus geprüft, inwieweit eine Anbindung bis Wiesbaden möglich ist. Die Halte Alsheim und Mettenheim müssen leider während der Riedbahnphase „fast vollständig aufgegeben werden“. Ob diese Züge in Mainz-Laubenheim und Dienheim halten können, werde derzeit noch geprüft.

    Die Regionalexpresszüge der Linien RE 4 und RE 14 von Frankfurt über Mainz nach Ludwigshafen und Karlsruhe bzw. Mannheim, werden durch eine stündliche Stadtexpresslinie Mannheim – Mainz ersetzt, welche durch zusätzliche Halte laut Heilmann die Ausfälle bei der S 6 wenigstens teilweise kompensiere.

    In Bezug auf die Schulstandorte zwischen Mainz und Worms sollen die in Frage kommenden Züge eventuell Zusatzhalte bekommen. Wo dies nicht möglich ist, sei ein Ersatzverkehr mit Bussen vorzusehen. Dies betreffe auch die genannten Gemeinden und Haltepunkte, die während der Sanierungsphase der Riedbahn nicht oder nur wenig mit Zügen bedient werden können.

    „Um insbesondere abends und nachts die zusätzlichen Güterzüge fahren lassen zu können, sehen die Planungen der DB Netz AG vor, zwischen 21 Uhr und 5 Uhr die SPNV-Angebote einzustellen“, unterstreicht Michael Heilmann. Für Berufspendlerinnen und –pendler werde es zu den erforderlichen Zeiten sowie „zur Basisanbindung am späten Abend auch hier Busverkehre geben“. Zusatzangebote bei Weinfesten oder ähnliche Anlässe seien jedoch nicht möglich. 

    Stundentakt geplant
    Zwischen Worms und Mannheim  soll stündlich ein S-Bahnähnlicher Taktverkehr eingerichtet werden, der möglichst bis Biblis verlängert wird, um auf der rechtsrheinischen Seite die äußerst hohen Anforderungen an einen Ersatzverkehr mit Bussen zu reduzieren. Es sei „auch nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Planungsverlauf bei diesen Zügen südlich von Worms ein Zwischenhalt entfallen muss“, um die Fahrzeitenangleichung zu erreichen. „Ob die Züge dann bis Biblis fahren können, wird derzeit intensiv geprüft“, weil das Logistik- und Baubetriebskonzept der DB Netz AG bislang auch von einer Sperrung der Strecke Hofheim – Biblis ausgegangen sei.

    Während im Bereich der Riedbahn Busse im Schienenersatzverkehr für die Dauer der Generalsanierung eingesetzt werden, wird im linksrheinischen Schienenverkehr vor allem die Anzahl schwerer Gütertransporte zunehmen. Foto: pixabay+


    Zusätzliche Züge entfallen
    Die bislang üblichen zusätzlichen Züge im Berufsverkehr müssten nördlich und südlich von  Worms komplett entfallen. Das Zugangebot auf der Nibelungenbahn von Worms nach Bensheim müsse noch geplant werden und solle in Worms auch Anschlüsse Richtung Mannheim bieten.

    Südlich von Ludwigshafen müsse die Anbindung von Speyer und Germersheim und im weiteren Verlauf der RE 4 nach Karlsruhe neu geplant werden, weil der Stadtexpress als Ersatz für die S-Bahn nach Mannheim fahren muss und die Abfahrts- und Ankunftszeiten der RE 4 in Ludwigshafen nicht einhalten kann. 

    Derzeit suche man nach einer Lösung, wie die Verbindung Mainz – Speyer – Karlsruhe erhalten bleiben kann. Die Züge zwischen Frankfurt – Rüsselsheim – Mainz – Bingen sowie von und nach Alzey bzw. Bad Kreuznach sollen derzeit entweder gar nicht oder nur unwesentlich betroffen sein, verspricht Heilmann.

    Ausweichen durch die Pfalz
    Die Rheinhessenbahn Bingen – Alzey – Worms könne für die Entlastung des Knotens in Mainz nicht genutzt werden. Sie sei nicht elektrifiziert und auch nur eingleisig. Außerdem müssten die Züge die Fahrtrichtung ändern, was „ein aufwändiges Verfahren darstellt“.

    Die Geschäftsstelle des ZÖPNV habe sich gegenüber DB Netz mehrfach dagegen ausgesprochen, die Rheinhessenbahn gleichzeitig mit der Riedbahnsanierung zu sperren, weil es für die beiden Verkehrsunternehmen DB Regio und vlexx sehr schwer werden dürfte, die insbesondere im Schülerverkehr nötige Anzahl an Bussen bereitzustellen. 

    Auch die Alsenzbahn von Hochspeyer nach Bad Münster und in der Verlängerung entlang der Nahe bis Bingen Hbf stelle für Direktor Heilmann „eine mögliche Ausweichroute dar“. Zwar sei sie ebenfalls nicht elektrifiziert, jedoch bis auf die Bahnhofseinfahrt von Bingen Hbf sowie dem Abschnitt südlich Enkenbach zweigleisig. Allerdings bedeuteten die drei Tunnel eine Einschränkung.

    Weitere Sanierungen
    Im südlichen Rheinland-Pfalz werde nach derzeitigem Stand die linke Rheinstrecke als erster zu sanierender Hochleistungskorridor vergleichbar zur Riedbahn in Angriff genommen, blickt Heilmann in die  Zukunft. Die Inbetriebnahme eines digitalen Stellwerks im Bereich Mainz solle in diesen Prozess integriert werden. Der ZÖPNV fordere schon seit einiger Zeit, dass die DB AG dieses Stellwerk direkt an das vorhandene elektronische Stellwerk für den Bereich Bingen andocke.

    Der Zeitplan der DB Netz AG werde nach deren eigenen Angaben laut Heilmann berücksichtigen, dass im Jahr 2029 die Bundesgartenschau im Mittelrheintal veranstaltet werden soll. Die Arbeiten an der Strecke sollten zuvor beendet werden.

    Offen sei derzeit, in welchen Abschnitten die Strecke generalsaniert werde. Auch hierzu stehe der ZÖPNV in engem Austausch mit DB Netz, so Michael Heilmann.

    Schon jetzt ist der Bahnverkehr auf der S6 phasenweise stark beeinträchtigt und nötigt ihren Nutzerinnen und Nutzern Geduld ab. Dies liegt zum einen an vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung der Riedbahn. So musste die Verbindung zwischen Bodenheim und Guntersblum mit Hilfe eines Ersatzverkehres mit Bussen gewährleistet werden. Zum anderen ist ein hoher Krankenstand für aktuelle Zugausfälle verantwortlich.  

    Was die weiteren Planungen für das Jahr 2024 betreffe, versprach Michael Heilmann, die Bevölkerung zeitnah zu informieren. 
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