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  • Fr., 06. Juni 2014, 00:58 Uhr
    Ausstellungseröffnung im Andreasstift über die Folgen des I. Weltkrieges für Worms interessierte viele Bürger und regte zu spannenden Diskussionen an

    Was haben wir daraus gelernt?

    Ausstellungseröffnung im Andreasstift. Von links: OB Michael Kissel, Dr. Jörg Koch, Hans-Joachim Kosubek und Prof. Dr. Gerold Bönnen. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch In Worms sind zurzeit drei Ausstellungen zu sehen, die den I. Weltkrieg zum Thema haben: in der Stadtbibliothek, im Raschi-Haus und im städtischen Museum im Andreasstift. Allen drei Präsentationen ist gleich, dass sie den Fokus auf die Auswirkungen des I. Weltkrieges auf Worms legen. Es geht dabei nicht so sehr um die großen Schlachten von Verdun und Tannenberg oder die Welt- und Bündnispolitik der Großmächte, sondern um die konkreten Folgen für Rheinhessen. Die Unterschiede der drei Ausstellungen sind aber auch rasch skizziert. So findet der Interessent in der Stadtbibliothek natürlich in erster Linie Bücher zu dem Thema. Die Fotopräsentation im Raschi-Haus arbeitet den Komplex Worms und der I. Weltkrieg anhand von offiziellen Bildern und anderen öffentlichen Dokumenten auf. Die Ausstellung im Andreasstift setzt sich aus Leihgaben vieler Wormser Bürger zusammensetzt, die sie teilweise noch in Kellern oder auf Speichern von ihren Großeltern liegen hatten und diese nun dem Museum zur Verfügung stellten. Im „Weißen Saal“ des Andreasstifts stößt der Besucher daher auf lokale Einzelschicksal, die ein erschütterndes und authentisches Bild des Krieges abseits von gewaltigen Zahlen und globalen Betrachtungen zeichnen.

    Denkmäler als Mahnung
    Die offizielle Eröffnung der Ausstellung im Andreasstift fand am Donnerstagabend um 19 Uhr statt. Die einleitenden Worte sprach Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, danach referierte Dr. Jörg Koch zur der Wahrnehmung der Krieges durch die Bevölkerung und legte anschließend den besonderen Fokus auf die Gedenkkultur, die Soldatenfriedhöfe und die Denkmäler in der Nibelungenstadt. Sehr ausführlich ging er auf das in Worms bekannte Denkmal für die Angehörigen es Infanterie-Regimentes 118 ein, welches mit fünf überlebensgroßen, steinernen Soldaten in Feldformation unweit des Ludwigsplatzes am Eingang der Grünanlage steht.

    Dr. Jörg Koch stellte auch die Frage nach dem Wert der Denkmäler für unsere heutige Zeit. Er betonte dabei, dass die Denkmäler ein Stück Kulturgeschichte sind, die es zu erhalten gilt, denn sie zeichnen ein Stück unserer Vergangenheit.

    Der gesamte Themenkomplex ist auch in dem kürzlich im Worms-Verlag erschienen Buch: „Eine furchtbar ernste Zeit“ nachzulesen. Die drei Ausstellungen sind bis Oktober 2014 zu sehen.

    Lebhafte Diskussionen
    Im Anschluss an den etwa einstündigen Vortag von Dr. Jörg Koch besuchten die etwa 80 Zuhörer die Ausstellung und diskutierten über die Ausstellung, mehr aber noch über Krieg und Frieden und den Lehren, die aus dem I. Weltkrieg gezogen wurden. Diskussionen, wie sie zurzeit übrigens in ganz Deutschland geführt werden, denn am 28. Juli diesen Jahres wird es 100 Jahre her sein, dass der I. Weltkrieg begann, der 20 Millionen Tote fordern und bis zum 11. November 1918 gehen sollte.

    Der I. Weltkrieg ist damit in diesem Jahr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit getreten, nachdem er lange kaum ein Thema war, sondern sich die Betrachtung in Deutschland auf dem II. Weltkrieg konzentrierte. Ganz anders übrigens als etwa in Frankreich oder England, wo der I. Weltkrieg stets im Fokus der Menschen stand.

    Immer wieder, so auch am Donnerstagabend, wird dabei die Frage diskutiert, was getan werden muss, um solche Krieg zu verhindern. Die Antworten sind dabei scheinbar einfach, mehr Diplomatie, mehr Reden, mehr Verhandlungen, mehr Kompromisse, mehr Nachgeben. Aber was, wenn dies wie mit der Beschwichtigungspolitik - auch Appeasementpolitik genannt - des britischen Premierministers Neville Chamberlain 1938 gegenüber Adolf Hitler genau zum Gegenteil führt? Wenn dadurch ein Aggressor wie Hilter erst ermuntert wird, weiterzumachen? Die viel gestellte Frage ist hier, wäre der II. Weltkrieg durch ein frühzeitigeres Eingreifen der Westmächte zu verhindern gewesen?

    Und schon ist man in der Gegenwart und sucht nach Antworten und Lösungen wie der Westen auf die brutale Aggression Russlands in der Ukraine reagieren soll, um Frieden aber auch die Freiheit zu bewahren? Sollte man Wegschauen oder Eingreifen? Und welche Sanktionen sind angemessen, dürfen bzw. müssen sie weh tun?

    Es zeigt sich, dass die Ausstellungen in Raschi-Haus und Andreasstift keine längst vergangene Geschichte präsentieren, sondern brandaktuelle Gegenwartsthemen behandeln.

     

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