
Die besondere und für das Linksrheinische prägende und typische Geschichte von Schloss Herrnsheim und den Dalbergern zwischen 1789 und 1883 ist beispielhaft für die nach Westeuropa orientierte Entwicklung der Rheinregion. Daher soll die Dalbergakademie als Vermittlungsinstitution für aufklärerisches Gedankengut im deutschen Westen den Genius Loci vergegenwärtigen. Die Architektur und der Park sind nicht ohne den Geist der Aufklärung und ihre kulturellen und politischen Wirkungen links des Rheins zu verstehen.
Gleichzeitig wird so ein auch für Land und Bund bereichernder Beitrag zur europäischen Demokratiegeschichte geleistet, der sowohl die Mentalität im Linksrheinischen zu erklären hilft als auch einen Motivationsschub für die zukünftige Demokratieentwicklung gibt, indem eine historisch begründbare Alternative zu völkischem Chauvinismus erzählt wird. Diese Akademieidee ist als USP (Unique Selling Proposition) wesentlicher Bestandteil des genehmigten Antrags auf Bundesförderung zur denkmalpflegerischen Sanierung von Schloss und Park.
Die Beiträge der Vortragsreihe sollen im Nachgang sowohl auf der Homepage des Fördervereins als auch im Heimatjahrbuch der Stadt Worms veröffentlicht werden.
Im Rahmen der 7. Dalbergakademie am Donnerstag, dem 21., und Freitag, dem 22. August, unter dem Titel „Freiheit und Gleichheit unter Eidgenossen“ findet eine Vortragsreihe statt. Diese dauern jeweils eine halbe Stunde mit einer Viertelstunde für Fragen und Gespräch. Zwischen den Vorträgen gibt es eine Viertelstunde Pause. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei; eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 06241/8531053 oder per E-Mail an kulturkoordination@worms.de
Volker Gallé M. A.
Wo empörten sich im Frühjahr 1525 die Bauern?
Es begann am 29. April in Bockenheim und endete am 24. Juni in Pfeddersheim. Die Bauernhaufen zogen u. a. nach Hochheim, Neuhausen, Herrnsheim, Osthofen, Hamm, Eich, Bechtheim und Westhofen, danach ins pfälzische Wachenheim und von da wieder zurück über Dirmstein und Gundheim nach Pfeddersheim. Einer ihrer Hauptleute war Egmund Reisseisen aus Worms. In Pfeddersheim liefen Milizionäre aus 32 Dörfern im Umkreis des kurpfälzischen Oberamts Alzey zu ihnen über.
Marvin Sanu
Was kam im 16. Jahrhundert auf den Tisch?
Wer an Rheinhessen denkt, der denkt an »Weck, Worscht unn Woi«. Wie war das aber im 16. Jahrhundert? Es geht in diesem Vortrag um die Rolle von Feldfrüchten und Speisen vor 500 Jahren.
Prof. Dr. Peter Bernhard
Die Zwölf Artikel von Memmingen als Vorläufer der Menschenrechte
Im März 1525 formulierte eine Versammlung aufständischer Bauernverbände im oberschwäbischen Memmingen in zwölf Artikeln ihre Forderungen gegen die Obrigkeit. Damit erhielt die als „Empörung des Gemeinen Mannes“ titulierte Bewegung ihr Manifest. Sogleich als Flugschrift gedruckt und in zahlreichen Städten – auch in Worms – nachgedruckt, fand es rasch weite Verbreitung. Die sich darin aussprechende Überzeugung vom Bestehen unveräußerlicher, angeborener Rechte einer jeden Person bahnte sich nach Niederschlagung der Revolte zunächst unterirdisch weiter ihren Weg, bis hin zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948.
Volker Gallé M. A.
Bauernspott und Bauernlob In der Literatur um 1500
In der Narrenliteratur und den Fastnachtsspielen des 15. Jahrhunderts musste der Bauer meist die Rolle eines unzivilisierten Wilden spielen, der leicht übertölpelt werden konnte. Dagegen regte sich am Ende des Jahrhunderts allerdings zunehmend literarischer Widerspruch, der fragte: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“ Diese Druckschriften, die eine Aufwertung der Arbeit einklagten, trugen zu steigendem Selbstbewusstsein der Bauern bei.