Chronisch-kranke Wormserin wurde wegen eines Aufnahmestopps von verschiedenen Hausärzten abgewiesen / CDU lädt am 1. September um 10 Uhr zu Veranstaltung „Ärztliche Versorgung und Pflege“ zum SV Horchheim ein
Was passiert, wenn kein Arzt Zeit hat!?
Auch in Worms werden Bürger auf der Suche nach ärztlicher Versorgung manchmal mit der harten Realität konfrontiert, müssen sich lange in Geduld üben oder werden gar nicht als Patient aufgenommen. Foto: Blum
VON ROBERT LEHR | Kaum ein Problem scheint drängender und betrifft so viele Menschen in der Stadt und erst recht auf dem Land. Daher steht die hausärztliche Versorgung derzeit weit oben auf der Agenda von Politik und Berufs- und Patientenverbänden.
Seit Jahren rückläufig
Entsprechend ist auch die Zahl der Hausbesuche seit Jahren rückläufig. Unter anderem zitiert im Juni das „Ärzteblatt“ aus der Antwort der Bundesregierung auf eine dahingehende Anfrage der LINKEN-Bundestagsfraktion, dass es im Jahr 2009 bundesweit noch 30.336.005 Hausbesuche gegeben habe,
2016 hingegen nur noch 25.196.682. Einer Hochrechnung zufolge seien es 2017 nur noch 24.610.00 Hausbesuche gewesen. Valide Zahlen lägen hierzu noch nicht vor.
Als Gründe werden zum einen die Überbeanspruchung der niedergelassen Hausärzte genannt – aber auch die Angst dieser vor Rückforderungen der Kassen für den Fall, dass im Falle einer Prüfung durch die Kassen zu viele Hausbesuche abgerechnet werden.
Erfolgslose Hausarztsuche
NK-Leserin Stefanie W.* bekommt das Problem derzeit am eigenen Leib zu spüren. Sie hatte sich an unsere Zeitung gewandt, weil ihr eigentlicher Hausarzt aus dem Eisbachtal, der sie in Weinsheim immer besucht hatte, nicht mehr nach Worms kommt, wo die 43-Jährige seit März lebt. Dramatisch sei die Situation, weil kein anderer Hausarzt in Worms die verheiratete, 4-fache Mutter noch als Patientin annehme – geschweige denn, Hausbesuche mache.
Besonders dramatisch scheint es im Fall von Stefanie W., da diese seit ca. Jahr unter einer inkompletten Querschnittslähmung ab der Hüfte abwärts leidet. Als Ursache hätte ihr Neurologe in Mannheim Entzündungsherde im Rückenmark ausgemacht, allerdings könnten diese auch in Verbindung mit einer eventuellen Multiples Sklerose stehen. Stefanie W. leidet zudem auch unter Inkontinenz und einem Lymphödem, was ihre Mobilität deutlich einschränkt. So hänge es stark von ihrer Tagesform ab, inwieweit sie Arzttermine überhaupt wahrnehmen könne. Zudem kommt bei Stefanie W. eine Erkrankung an Morbus Crohn hinzu, die sie allerdings nach eigener Aussage „gut im Griff hat“.
Akut aber fehlten ihr Facharztüberweisungen und Verschreibungen für z.B. Krankengymnastik und Hilfsmittel – und vor allem ein Hausarzt, der diese ausstelle und sie auch besuche, wenn es ihr nicht gut ginge. Denn ihr Mann könne sie nur bedingt fahren und auch mit Hilfe eines Rollators seien ihr selten Wege über 50 Meter möglich, geschweige denn Treppensteigen.
„Mein Problem sind weniger die Hausbesuche als überhaupt, einen Arzt zu finden, der mich aufnimmt!“, unterstreicht die chronisch-kranke Hausfrau. Sogar ihre Krankenkasse habe ihr bei der Vermittlung in eine Hausarztpraxis nicht weiterhelfen können, sagt sie resigniert.
Foto: Achim Melde/Deutscher Bundestag
CDU nimmt sich der Problematik an
Auch dem CDU-Bezirksverband Rheinhessen-Pfalz ist das Problem – vor allem in der ambulanten Versorgung – bewusst. So würden laut einer Pressemitteilung zukünftig im Bereich der Allgemeinmedizin etwa 1.200 ärztliche Stellen in Rheinland-Pfalz wegfallen, was zu einer Nicht-Versorgung von ca. 1,2 Mio. Patienten führe, bzw. zu einer qualitativ deutlich schlechteren Versorgung der Menschen hierzulande.
Alle Maßnahmen gegen diesen Trend müssten laut der CDU daraufhin abzielen, dass wenige Ärzte mehr Patienten bei gleichbleibender Qualität versorgen könnten. Die Entlastung könne im positiven Sinne durch Assistenz, Delegation, Bürokratieabbau, einer weiteren Digitalisierung oder auch durch eine bessere Prävention einer Reform des Sozialgesetzbuches führen.
Die Pflege in Krankenhaus und Pflegeheimen sehe laut dem Papier einer ähnlich düsteren Zukunft entgegen. Zwar habe ich in Sachen der Finanzierung schon einiges getan, allerdings helfe das nicht, wenn keine Fachkräfte vorhanden seien.
Arbeitskreis gegründet
All diesen Themen habe sich vor einiger Zeit der CDU-Bezirksverband Rheinhessen-Pfalz angenommen und den Arbeitskreis „Pflege und Gesundheit“ gegründet. Dieser veranstaltet unter der mehrere Veranstaltungen, um programmatische Ideen und Handlungsempfehlungen an die Kommunal-, Landes-, und Bundespolitik zu erarbeiten. „Wir wollen nicht nur im stillen Kämmerlein diskutieren, sondern gezielt mit Betroffenen ins Gespräch kommen, um deren Erfahrungen in unsere Arbeit einzubinden.“, sagt Sascha Dupuis, einer der Teilnehmer des Arbeitskreises.
Eine erste Veranstaltung fand am vorvergangenen Samstag in Altrip zum Thema „Zukunft der Pflege“ statt. In einer lebhaften Diskussion zwischen dem oft fachkundigen Publikum und den Podiumsteilnehmern seien viele Problemfelder aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten diskutiert wurde,
Eine nächste Veranstaltung findet am kommenden Samstag, dem 1. September, um 10 Uhr, in Worms-Horchheim in der Gaststätte des SV Horchheim in der Horchheimer Bahnhofstraße 47, statt. Auf Einladung des Bezirksvorsitzenden Christian Baldauf soll es an diesem Morgen um die „Ärztliche Versorgung und Pflege“ gehen.
Handlungsempfehlungen bei sieben verschiedenen Themen
Nachdem für Altrip der Bundes-Patientenbeauftragter Dr. Ralf Brauksiepe gewonnen werden konnte, freuen sich die Christdemokraten über die Zusage von Dr. Thomas Gebhart, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit. Zusammen mit Vertretern des Bezirksverbands, aber auch mit Bürgern, Ärzten, sowie Mitarbeitern im Gesundheitswesen und natürlich auch Patienten, will man in Arbeitsgruppen zu sieben verschiedenen Themen Handlungsempfehlungen erarbeiten.
Die Initiatoren freuen sich ausdrücklich über ein möglichst breites Interesse – gerade über Parteigrenzen hinaus. Ziel ist es, aus Ergebnissen der Arbeitsgruppen Anträge an den Bezirkstag bzw. den Landesparteitag zu erarbeiten und so die Politik auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene mitzugestalten.
„Wir haben den Arbeitskreis mit Sicht auf das überaus wichtige Thema absichtlich offen für alle gestaltet, um am Ende möglichst überparteilich Ergebnisse präsentieren zu können.“, stellt Hans-Dieter Haas, einer der Leiter des Arbeitskreises dar.
Über die Veranstaltung hinaus können Interessierte sich auch gerne an der Arbeit des Arbeitskreises beteiligen. Über die E-Mail-Adresse arbeitskreis_gesundheit@gmx.de ist es möglich, Ideen und Anregungen einzubringen.
Wer kann helfen?
Übrigens – wer Stefanie W. bei ihrem akuten Problem weiterhelfen kann, ist gerne eingeladen, über den NK mit ihr Kontakt aufzunehmen. Die Wormserin freut sich sehr über jede Hilfe.