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  • Mi., 04. Dezember 2013, 22:53 Uhr
    Mit den Stimmen von CDU und SPD stimmen städtischen Ausschüsse für das Projekt / Antrag von Grünen und Linken auf Bürgerbefragung abgelehnt

    Weg frei für „Haus am Dom”

    Schon bald könnte das „Haus am Dom” Realität sein. Grafik: Büro Heidenreich und Springer


    Von Gernot Kirch Die Diskussionen  über das „Haus am Dom” werden weitergehen. Doch eine ganz wesentliche Entscheidung über die Realisierung ist am Mittwochabend nach dreistündiger, gemeinsamer Sitzung von Bauausschuss sowie Haupt- und Finanzausschuss mit den Stimmen von CDU und SPD gefallen. Es ging bei der letztlich entscheidenden Abstimmung darüber, ob eine bauliche Veränderungssperre für das Gebiet um den Dom verabschiedet wird oder nicht.

    Während die kleinen Parteien FDP, FWG, Grüne und Linke für solch eine Veränderungssperre votierten, was bedeutet hätte, das „Haus am Dom” kann zurzeit nicht realisiert werden, sprachen sich Sozialdemokraten und Christdemokraten für das Projekt aus. Damit ist die letzte politische Hürde genommen und das „Haus am Dom” kann in Angriff genommen werden.

    Die beiden Fraktionen von Grünen und Linken hatte zuvor noch den Antrag eingebracht, dass am Mittwoch nicht über das Vorhaben entschieden wird, sondern zunächst eine Ideenwerkstatt unter Bürgerbeteiligung installiert wird und es im Anschluss an die Ideenfindung zu einer Bürgerbefragung kommt. Doch wurde dies mit den Stimmen von CDU und SPD abgelehnt. Ebenso erhielt der Antrag von den Freien Wählern keine Mehrheit, dass die Entscheidung von den beiden Ausschüssen zurück in den Stadtrat gegeben und dort entschieden wird. Somit ist die Abstimmung vom Mittwochabend zugunsten des „Hauses am Dom” jetzt bindend bzw. die letzte politische Abstimmung städtischer Gremien.

    Viel Emotionen und dennoch große Sachlichkeit
    Die mit viel Spannung erwartete, gemeinsame Sitzung von Bauausschuss sowie von Haupt-/Finanzausschuss begann um 18 Uhr im großen Ratssaal der Stadt und sollte drei Stunden dauern. Neben den den rund 30 Ausschussmitgliedern und Experten waren auch viele Bürger zu der öffentlichen Aussprache erschienen. Die Brisanz und die Emotionen waren im Saal greifbar, dennoch sollte die Sitzung von großer Sachlichkeit geprägt sein.

    Die einleitenden Worte sprach Oberbürgermeister Michael Kissel als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, dem wichtigsten städtischen Gremium nach dem Stadtrat. Der Stadtchef führt gewohnt souverän durch die Sitzung und ließ Befürworter wie Gegner gleichermaßen zu Wort kommen. Dennoch spürte man man bei Michael Kissel deutlich, dass er tendenziell für eine Verwirklichung des „Hauses am Dom” ist.

    Ungleiche Expertenverteilung
    Bevor es zu der Aussprache zwischen den Ausschussmitgliedern kam, hatten insgesamt sechs Experten das Wort bzw. wurde ihre Stellungnahme vorgelesen.  Wobei die Gewichtung hier sehr einseitig war, denn fünf dieser Experten sprachen sich für das Projekt aus und nur Dr. Christine Grünewald als Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Kein Haus am Dom” vertrat die Contra-Fraktion.

    Bauattrappe
    Zunächst forderte Dr. Christine Grünewald den Bau an anderer Stelle. Sie betonte dabei, dass der zweite Entwurf, wie er jetzt realisiert werden soll, gefälliger sei, aber dadurch immer noch die freie Sicht auf den Dom und dessen Südportal genommen werde. Auch sei das Satteldach des neuen Entwurfes drei Meter höher als beim ersten Entwurf. Ihr Kernforderung war es, eine Bauattrappe im Massstab 1:1 dort zu errichten, wo das „Haus am Dom“ entstehen soll. Dann könnte sich der Bürger einen wirklichen Eindruck der Größe machen.

    Fünf Befürworter
    Auf Seiten der Befürworter  - von denen nur einer Wormser Bürger ist - sprach zunächst Architekt Prof. Dr. Jörg Springer aus Berlin, der sowohl für den ersten Entwurf, der inzwischen verworfenen ist, wie auch den zweiten verantwortlich ist. Er erläutert die Details des jetzigen Entwurfs und gab den Zuhörern sehr viel Information zu dem Projekt. Auch zeigte er zahlreiche Modelle und Simulationen, sodass sich jeder einen guten Eindruck verschaffen konnte.

    Der nächste Redner war der Baudezernet des Bistums Mainz Johannes Krämer, der weitere interessante Einzelheiten beisteuerte und für Fragen zur Verfügung stand.

    Im Anschluss wurde ein Brief des obersten Denkmalschützers von Rheinland-Pfalz, Dr. Joachim Glatz verlesen, der ebenso wie der nächste Experte, Guido Frohnhäuser vom Stadtplanungsamt den neuen Entwurf für das „Haus am Dom” als gelungen bezeichnete, ja, fast ein Loblied anstimmte. Selbst leise Kritik kam bei beiden nicht vor.

    Der letzte Experte war Gerd Weiß aus Hessen, der Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger ist, der den neuen Entwurf ebenfalls positiv bewertete.

    Diskussion mit klaren Fronten
    Die CDU und SPD verteidigten den neuen Entwurf und lobten die Domgemeinde ausdrücklich dafür, dass sie die Kritik der Bürger aufgenommen habe und eine zweite Variante vorgeschlagen hätten, die viele Bürger gut fänden oder mit dem sie zumindest leben könnten. Das „Haus am Dom” sei ein Beitrag, um das Gebiet um den Dom herum zu gestalten.

    Die kleinen Parteien FDP, FWG, Grüne und Linke sprachen sich hingegen dafür aus, das „ Haus am Dom” an anderer Stelle zu realisieren oder zumindest am Mittwoch noch keine Entscheidung zu fällen und die Bürger mehr einzubinden. Der Dom sei das zentrale Symbol der Stadt, bei dem allen mitreden sollten. Kurt Lauer von den Grünen und Sebastian Knopf forderten gar eine Ideenwerkstatt unter Einbindung von Domgemeinde, BI und Bürgern ins Leben zu rufen. Wenn dann neuen Überlegungen vorliegen würden, sollte eine Bürgerbefragung stattfinden und die Wormser ihr Votum abgeben. Dies lehnten CDU und SPD aber ab. Sie wollten am Mittwochabend ein Entscheidung.

    Kein Kompromiss in Sicht
    Dr. Klaus Karlin (CDU) sagte diesbezüglich, es sei schwer, wenn nicht gar unmöglich einen Kompromiss zu finden, wenn die einen gar keine Bebauung am Dom wollten und die anderen bauen wollten. Daher müsse man irgendwann zu einer Entscheidung bzw. einer Abstimmung kommen.

    Diese fand dann am Mittwochabend statt und fiel mit den Stimmen von CDU und SPD für  die Verwirklichung des Projektes aus. Interessant noch, Christdemokrat und Katholik Raimond Sürder votierte "gegen" seine Partei und sprach sich gegen das „Haus am Dom” aus, da mit den rund 4,5 Millionen Euro Baukosten dringende soziale Probleme angepackt werden sollten.

     

     

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