Exkursionen des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins nach Italien
Weinkulturelle Spurensuche
Weinkulturelle Spurensuche nicht nur innerhalb Deutschlands bestimmen seit 40 Jahren die Exkursionen des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins. Die diesjährige Ordensfahrt führte 35 Mitglieder nach Norditalien, in das in der Lombardei gelegene Valtellinatal.
In dem sonnenverwöhnten Tal im Norden des Comer Sees entwickelte sich an den Südhängen ein etwa 50 Kilometer langes Weinanbaugebiet. Bis zu einer Höhenlage von 800 Meter wird die Rotweinrebe „Nebbiolo“ auf terrassierten Hängen angebaut.
In einem Zeitraum von 2000 Jahren entstand mit tausenden von Steinen ein über 2500 km langes Mauerwerk zur Anpflanzung von Reben. Das Valtellinatal ist mit 800 ha das größte terrassierte Weinanbaugebiet der Welt. Die Nebbiolo Trauben werden in mühevoller Handarbeit geerntet und teilweise mit Helikoptern ins Tal befördert. Das mediterrane Klima und das durch die Alpen geprägte Terroir lassen die Produktion von qualitativ hochwertigen DOC und DOCG Weinen mit einem hohen Alkoholgehalt zu. In traditionsreichen Weingütern auf historischem Gelände war es für die Ordensmitglieder ein einzigartiger Genuss, die Degustation der Weine in einer alpinen Weinlandschaft mit bodenständigen Gerichten zu genießen.
Eine Besonderheit ist der „Sforzato“ DOCG, der Spitzenwein des Tales. Seine Trauben werden selektiert und auf belüfteten „Strohmatten“ etwa zwei Monate getrocknet. Dabei verlieren sie bis zu 40 Prozent ihres Wassergehaltes. Diese Weine werden trocken ausgebaut, haben über 14 Prozent Alkohol und lagern bis zu 24 Monaten in Eichenfässern. Bei einer Führung durch den historischen Stadtkern von Chiavenna erfuhren die Weinfreunde, dass die pittoresken alpinen Ortschaften, die teils an den römischen Handelswegen über die Alpen lagen, schon früh zu Ruhm und Reichtum gelangten. Die Stadtführerin, die durch die malerische Altstadt von Bergamo führte, verwies nicht nur auf die noch unzähligen Paläste aus der Zeit der venezianischen Herrschaft, sondern auch auf die zahlreichen großen Persönlichkeiten, die einst hier lebten oder zu Gast waren, wie z.B. auf den Augustinermönch Martin Luther, der auf seiner Reise nach Rom im Jahr 1510 in Bergamo übernachtete.
Ein weiterer Höhepunkt der weinkulturellen Italienreise war für einen Teil der Weinfreunde eine Schifffahrt auf dem in einer faszinierenden Bergwelt eingebetteten Comer See mit seiner mediterranen Vegetation, für den anderen Teil der Reisenden eine Fahrt mit dem Panoramazug „Bernina Express“, dessen Bahnstrecke von Tirano im Valtellinatal nach dem Nobelort St. Moritz zum UNESCO Weltnaturerbe zählt. Über Viadukte, Brücken und durch Tunnel schlängelt sich der Zug hinauf in die Gletscherwelt und erreicht am Bahnhof Ospizia Bernina eine Höhe von 2253 Metern. Vorsitzender Günther Bleise dankte am Ende der einwöchigen Reise besonders den Ordensmitgliedern Thomas Peters und Jürgen Germroth für die Ausarbeitung der Entdeckungsreise in die Lombardei mit ihrer Kulturgeschichte, ihrer köstlichen Küche und den Weinen.