Aufbau einer neuen Außenstelle für Worms und den Landkreis / Interessierte herzlich willkommen
Weißer Ring sucht ehrenamtliche Mitarbeiter
Peter Höding (Mitte) wird künftig die neue Außenstelle leiten. OB Michael Kissel (rechts) und Landesvorsitzender Karl-Heinz Weber stellten den neuen Mann beim Weißen Ring der Öffentlichkeit vor.
Opfer einer Straftat geworden zu sein, ruft bei vielen Betroffenen traumatische Belastungen mit sich. Das Gefühl der Ohnmacht, das ständige Wiedererleben der Tat, die Angst vor einem neuerlichen Übergriff können Opfer an ihre persönlichen Grenzen bringen. In solchen Fällen kann der Weiße Ring, die bundesweit größte Hilfsorganisation für Opfer von Straftaten, ein wichtiger Begleiter sein. Doch seit Oktober dieses Jahres ist die Außenstelle Worms/Landkreis Alzey-Worms der Organisation nahezu verwaist. Nach dem Ausscheiden der bisherigen Außenstellenleiterin, Gabriele Fleissner, haben sich auch die meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter zurückgezogen – ein Zustand, den Landesvorsitzender und Polizeipräsident a.D. Karl-Heinz Weber so schnell wie möglich ändern möchte. Im Rahmen eines Pressegesprächs im Wormser Rathaus mit Oberbürgermeister Michael Kissel warb er deshalb für den Aufbau einer neuen Außenstelle für Worms und den Landkreis. Einen neuen Außenstellenleiter konnte Weber bei dem Gespräch bereits präsentieren: Der Kriminalbeamte a.D. Peter Höding hat sich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen. Peter Höding war langjähriger Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt, kennt aber auch die Ermittlungsarbeit und damit auch die Sorgen und Nöte der Opfer. „Für mich ist es nochmals eine neue Herausforderung, nun die Opfersicht noch intensiver zu erleben“, betonte der 65-jährige Kriminalbeamte aus Saulheim.
Für eine adäquate Opferbetreuung im Raum Worms ist ein gut aufgestelltes Team jedoch mindestens genauso wichtig wie ein erfahrener Außenstellenleiter. Höding und Weber suchen deshalb dringend Interessierte, die sich ehrenamtlich für den Weißen Ring engagieren möchten. „Ich begrüße diese Initiative sehr, denn eine gute Opferbetreuung ist genauso wichtig wie sorgfältige Ermittlungsarbeit“, betonte OB Kissel. Er selbst habe jahrelang vertrauensvoll mit Karl-Heinz Weber in seiner Funktion als Leiter des Polizeipräsidiums in Mainz zusammengearbeitet.
Für die Arbeit beim Weißen Ring ist prinzipiell jeder geeignet, der sich die Aufgabe zutraut. „Wer neu bei uns einsteigt, begleitet zunächst erfahrene Mitarbeiter zu ihren Gesprächen mit Opfern, um sich einen Eindruck von der Arbeit zu verschaffen“, erläuterte der Landesvorsitzende. Alsdann nehmen die „Neulinge“ an einem Grundseminar zum Thema Opferbegleitung teil. Darüber hinaus seien weitere Fortbildungen zur Spezialisierung möglich. Sobald ein Opfer Hilfe benötigt, nehmen Polizei, andere Einrichtungen oder die Betroffenen selbst Kontakt zum zuständigen Außenstellenleiter des Weißen Ringes auf, der dann wiederum einen für den speziellen Fall geeigneten Mitarbeiter auswählt. Dieser wiederum kontaktiert die Hilfe suchende Person und vereinbart ein erstes Treffen, um über das Erlebte zu sprechen. Bei Bedarf könne der Weiße Ring Opfer auch finanziell unterstützen, erläuterte Weber, etwa, wenn aufgrund einer Straftat die Existenz des Betroffenen bedroht sei. Den ehrenamtlichen Mitarbeitern entstünden jedoch keinerlei Kosten durch ihre Tätigkeit.
Rund 300 ehrenamtliche Mitarbeiter sind landesweit in 26 Außenstellen für den Weißen Ring tätig, der Raum Worms wird derzeitig von benachbarten Außenstellen betreut. Die Organisation finanziert sich unter anderem über Mitgliedsbeiträge, durch Spenden und Geldbußen, die von Gerichten oder Staatsanwaltschaften verhängt werden. Wer aktiv und ehrenamtlich in der neuen Außenstelle Worms/Landkreis Alzey-Worms mitarbeiten möchte, wird gebeten, sich mit dem Landesbüro, Telefon (06131) 6007311 oder per E-Mail an lbrheinlandpfalz@weisser-ring.de, in Verbindung zu setzen.