Mo., 05. Oktober 2020, 10:21 Uhr
IHK Rheinhessen: Laut Herbstumfrage erholt sich die Konjunktur, kränkelt aber noch
Weitere Entwicklung der Pandemie ist größter Risikofaktor
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland und den internationalen Märkten setzen den rheinhessischen Unternehmen weiterhin zu. Nach den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage Herbst 2020 der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen (IHK) erholt sich zwar die wirtschaftliche Entwicklung leicht von dem massiven Einbruch im Frühjahr. Das Niveau vor der Krise ist noch nicht erreicht. So stieg zwar der IHK-Konjunkturklimaindex von 82 Punkten im Frühjahr auf derzeit 101 Punkte. Zum Jahreswechsel waren es noch 119 Punkte.
Auf die Frage, wann die Unternehmen mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit auf Vor-Corona-Niveau rechnen, antworten 21 Prozent der Befragten, dass sie dies bereits erreicht oder sogar übertroffen haben. Mit einer Rückkehr noch im Laufe des Jahres 2020 rechnen 6 Prozent, 10 Prozent der Firmen erwarten im 1. Halbjahr 2021 und 22 Prozent im 2. Halbjahr 2021 eine Normalisierung. Allerdings gehen auch 17 Prozent der Unternehmen davon aus, dass es bis über 2021 dauern wird und 6 Prozent rechnen nicht mit einer Rückkehr zur Normalität.
Öffentliche Hilfen hilfreich
Die Umfrageergebnisse wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz: „Trotz leichter Erholung kränkelt die rheinhessische Konjunktur noch. Jetzt hängt viel davon ab, wie sich weltweit die Corona-Pandemie weiter entwickelt.“ Als hilfreich bewerten die meisten Unternehmen die öffentlichen Hilfen zur Beschäftigungs- und Liquiditätssicherung - wie Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen oder die Bundessoforthilfen. Doch vielfach bemängelt werden Bürokratie und lange Bearbeitungszeiten. Außerdem, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, kritisieren die Unternehmen häufig die Reisebeschränkungen, die Verhältnismäßigkeit der Einschränkungen sowie eine allgemeine Kauf- und Investitionszurückhaltung.
Bewertung der Geschäftslage verbessert sich leicht
Die aktuelle Geschäftslage bewerten die rheinhessischen Unternehmen im Vergleich zur letzten Umfrage wieder ein wenig besser. Eine gute Geschäftslage melden 29 Prozent ( Frühjahr 2020: 21 Prozent) , 49 Prozent (44 Prozent) eine befriedigende Lage und 22 Prozent (35 Prozent) müssen eine schlechte Geschäftslage verkraften.
Corona-Pandemie setzt Unternehmen finanziell unter Druck
Ein Teil der Unternehmen gerät durch die Corona-Pandemie finanziell unter Druck: 21 Prozent berichten von einem Rückgang des Eigenkapitals, 18 Prozent melden zunehmende Forderungsausfälle, 17 Prozent haben Liquiditätsengpässe, 7 Prozent kämpfen mit einem erschwertem Fremdkapitalzugang und 3 Prozent mit einer hohen Fremdkapitalbelastung.
Geschäftserwartungen leicht verbessert
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate stufen 22 Prozent (Frühjahr 2020: 20 Prozent) der Unternehmen besser ein, 52 Prozent (40 Prozent) erwarten gleichbleibende Geschäfte und 26 Prozent (40 Prozent) rechnen mit einer schlechteren Lage. Als größter Risikofaktor wird erneut mit 75 Prozent die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie genannt, gefolgt von der Inlandsnachfrage mit 50 Prozent, den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 32 Prozent, dem Fachkräftemangel mit 31 Prozent und der Auslandsnachfrage mit 29 Prozent.
Investitionsabsichten aufgrund der Lage vorsichtig
Bei den geplanten Investitionen im Inland für die kommenden zwölf Monate sind die befragten Unternehmen aufgrund der unsicheren Lage vorsichtig: 19 Prozent (Frühjahr 2020: 23 Prozent) wollen mehr investieren, 48 Prozent (43 Prozent) gehen von gleich bleibenden Investitionen aus und 33 Prozent (34 Prozent) werden weniger investieren.
Industrie
Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen 28 Prozent (Frühjahr 2020: 18 Prozent) der rheinhessischen Industrieunternehmen als gut, 56 Prozent (46 Prozent) als befriedigend und 16 Prozent (36 Prozent) als schlecht. Auch die Auftragseingänge aus dem Inland und Ausland scheinen sich von dem niedrigen Niveau der vorigen Befragung wieder vorsichtig zu erholen: Aus dem Ausland verbuchen 19 Prozent (10 Prozent) der Industrieunternehmen gestiegene Aufträge, 42 Prozent (23 Prozent) gleichbleibende Eingänge und bei 39 Prozent (67 Prozent) gingen die Aufträge zurück. Aus dem Inland verzeichnen wieder 34 Prozent (15 Prozent) der Industrieunternehmen gestiegene Auftragseingänge, 34 Prozent (18 Prozent) gleich bleibende und 32 Prozent (67 Prozent) sinkende. Auf die Frage nach den Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate schätzen 26 Prozent (31 Prozent) der Industrieunternehmen ihre Lage besser ein, 54 Prozent (43 Prozent) rechnen mit einer gleich bleibenden Entwicklung und 20 Prozent (26 Prozent) erwarten schlechtere Geschäfte.
Handel
Nach dem starken Einbruch durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie scheint die Lage der rheinhessischen Handelsunternehmen langsam wieder besser zu werden . 21 Prozent (Frühjahr 2020: 13 Prozent) melden aktuell eine gute Geschäftslage, 58 Prozent (45 Prozent) bewerten die Lage als „befriedigend“ und 21 Prozent (42 Prozent) melden eine schlechte Geschäftslage. Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate hellen sich etwas auf: 21 Prozent (17 Prozent) rechnen mit besseren Geschäften, 47 Prozent (33 Prozent) gehen von gleich bleibenden Geschäften aus und 32 Prozent (50 Prozent) mit schlechteren.
Dienstleister
Die Unternehmen aus dem rheinhessischen Dienstleistungssektor bewerten nach den starken Rückgängen durch den Lockdown ihre aktuelle Geschäftslage wie folgt: 34 Prozent (Frühjahr 2020: 26 Prozent) melden gute Geschäfte, 39 Prozent (42 Prozent) befriedigende und 27 Prozent (32 Prozent) eine schlechte Geschäftslage. Die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate werden wieder etwas positiver beurteilt: 20 Prozent (14 Prozent) rechnen mit besseren Geschäften, 53 Prozent (41 Prozent) erwarten gleich bleibende und 27 Prozent (45 Prozent) schlechtere Geschäfte.