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  • Di., 07. Februar 2017, 16:07 Uhr
    Neue Hauptfeuerwache auf dem Salamandergelände und Umstrukturierung in Berufsfeuerwehr

    Weitreichende Umstrukturierung der Wormser Feuerwehr

    Die Wormser Feuerwehr im Einsatz. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Die Feuerwehr der Nibelungenstadt wird in den kommenden Jahren nachhaltig verändert. Am Dienstag erläuterten Oberbürgermeister Michael Kissel, Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek und der Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach die geplanten Veränderungen gegenüber der Presse. Ein wichtiges Elemente ist der beabsichtigte Neubau einer Hauptfeuerwache auf dem Salamandergelände. Die zweite große Säule der Veränderung betrifft die generelle Umwandlung in eine Berufsfeuerwehr, wobei es weiterhin Freiwillige Kräfte geben wird.

    Berufsfeuerwehr

    Die Wormser Feuerwehr inklusive ihrer Vorortorganisationen ist bisher eine Freiwillige Feuerwehr bestehend aus 220 ehrenamtlichen Kräften ergänzt durch 65 hauptamtliche Kräfte. Wobei letztgenannte quasi Berufsfeuerwehrleute sind. Diese Struktur wird sich nach Zustimmung des Wormser Stadtrates in naher Zukunft ändern. Dann wird es in der Nibelungenstadt eine Berufsfeuerwehr geben, die durch freiwillige Kräfte ergänzt wird.
    Wobei es keine radikale Umstrukturierung geben wird, sondern es bei der prinzipiellen Aufteilung mit haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften bleibt, aber die Gewichtung eine sanfte Anpassung erhält.

    Gesellschaftlicher Wandel

    Oberbürgermeister Michael Kissel erklärte gegenüber der Presse, dass man mit der Umgliederung in eine Berufsfeuerwehr dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung trage. So würden immer weniger ehrenamtliche Feuerwehrleute für die Tagesbereitschaft in Worms zur Verfügung stehen, da sie etwa in Mannheim oder Frankfurt arbeiteten. Früher arbeiteten die Freiwilligen Feuerwehrleute meist als Landwirt oder Handwerker in der Stadt und sobald die Alarmierung erfolgte, seien die Männer zur Feuerwache geeilt, bestiegen die Löschfahrzeuge und waren bereit. Dies sei nicht mehr möglich, wenn die ehrenamtlichen Brandbekämpfer in anderen Städten, wie etwa Mainz, arbeiteten. Daher habe die Stadt, so Kissel, in der Vergangenheit bereits die hauptamtlichen Kräfte auf jetzt 65 Personen aufgestockt. Jetzt gehe man einen Schritt weiter, wobei in den nächsten Jahren nur etwa 10 oder 15 neue Feuerwehrleute hinzukommen sollen, was aber auch mit der Realisierung einer zukünftigen Wache Nord zusammenhänge.

    Alle beabsichtigten Maßnahmen seien, so der Oberbürgermeister, mit den Leitern der Freiwilligen Feuerwehren in den Stadtteilen abgesprochen. Diese unterstützten die Umgliederung.

    Bessere Förderungsmöglichkeiten

    Die Umwandlung von der bisherigen zur neuen Struktur ist kein völliger Umbau, sondern nur eine Anpassung. Auf die Frage, warum dies jetzt geschehe, erläuterte Hans-Joachim Kosubek, dass Städte ab 90.000 Einwohner ohnehin eine Berufsfeuerwehr benötigten und Worms inzwischen bereits 87.000 Einwohner zähle und weiter wachse. Auch sei es so, dass Worms stets zahlreiche junge Männer und Frauen zu Feuerwehrleuten ausbilde, dann aber viele dieser Mitarbeiter in andere Städte mit Berufsfeuerwehren gingen, da dort die Bezahlung besser ist. Mit einer Wormser Berufsfeuerwehr könne man aufgrund der anderen Struktur eine höhere Dotierung bieten. Hinzu kommt, eine Berufsfeuerwehr habe ein besseres Image als wenn nur von Freiwilliger Feuerwehr mit „hauptamtlichen Kräften“ die Rede sei.
    Auch wenn dies keiner der Anwesenden so sagte, bedeutet eine Berufsfeuerwehr mit einer teilweise höheren Dotierung allerdings, dass die Brandbekämpfung in Worms teurer wird.

    Neue Hauptfeuerwache

    Neben der Umwandlung zu einer Berufsfeuerwehr stand auch der Neubau einer Hauptfeuerwache im Fokus der Pressekonferenz am Dienstag. Oberbürgermeister Michael Kissel führte hier aus, dass die alte Wache an der Kyffhäuserstraße in den 1960er Jahren gebaut wurde und inzwischen aus allen Nähten platze. Es seien zahlreiche Standorte für einen Neubau ins Auge gefasst worden, aber das ehemalige Salamandergelände biete die besten Bedingungen. Zu bedenken sei diesbezüglich, dass die Feuerwehr innerhalb von acht Minuten jeden Bereich der Kernstadt mit ihren 53.000 Einwohnern erreichen müsse. Zwar solle dies gesetzlich bald auf zehn Minuten erhöht werden, aber auch dann gebe es nur wenige geeignete Standorte in Worms. Die neue Hauptfeuerwache soll mit 15.000 Quadratmetern ungefähr ein Viertel des Salamandergeländes benötigen. Damit wäre die neue Feuerwache rund fünfmal so groß wie die bisherige.
    Direkt integriert werden soll in die neue Hauptwache das THW, welches ohnehin eng mit der Feuerwehr zusammenarbeitet.

    Neubau kostet 15 bis 20 Millionen Euro

    Der Neubau der Hauptfeuerwache wird zwischen 15 und 20 Millionen Euro kosten, wobei das Land hier Zuschüsse gewähren dürfte. Ein Baubeginn könne in fünf bis zehn Jahren erfolgen, je nachdem, wie rasch das Vorhaben die städtischen Gremien passiere. Nach einem Umzug der Feuerwehr sollen die freien Kapazitäten in der Kyffhäuserstraße vom Entsorgungs- und Baubetrieb (ebwo) genutzt werden, der wiederum das Areal an der Monsheimer Straße räumen werde, wo Wohnhäuser entstehen sollen.

    Feuerwache-Nord in Abenheim

    Auch mit einem Neubau auf dem Salamanderglände bleibt für die Wormser Feuerwehr allerdings das Problem, dass sie das Gebiet im Wormser Norden nicht innerhalb von acht oder bald zehn Minuten erreichen kann. Daher ist die Einrichtung einer kleinen Feuerwache mit Berufsfeuerwehrleuten in Rheindürkheim angedacht. Hier soll es ebenfalls einen Neubau geben, da die bisherigen Räumlichkeiten im Herzen des Stadtteils am Rhein ungeeignet seien, so Kissel. Der Bau würde zwischen drei und sechs Millionen Euro kosten.

    Fehlen von ehrenamtlichen Kräfte

    Das Wegbrechen der ehrenamtlichen Kräfte bei der Feuerwehr wie auch in anderen Organisation ist ein generelles, gesellschaftliches Problem, welches in Zukunft weitere Anpassungen erfordern dürfte. So verfügen zahlreiche Wormser Stadtteile, wie etwa Pfeddersheim, Abenheim oder Herrnsheim, noch über eine große Freiwillige Feuerwehr, deren Mitarbeiter auch tagsüber zur Verfügung stehen. Die Frage ist hier, wie lange wird dies noch tragen, zumal die Feuerwehren ein generelles Nachwuchsproblem haben? Wobei hier gilt, je ländlicher ein Gebiet ist, desto geringer sind die Nachwuchssorgen.

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