Sa., 03.10.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Di., 16. Januar 2018, 22:54 Uhr
    Petra Urban las bei den Landfrauen in Pfeddersheim aus ihrem neuen Buch

    Welch unerhörte Lust zu leben

    Von rechts: Hannelore Reinheim und Petra Urban.


    Die erste Dämmerstunde im neuen Jahr begann mit guten Wünschen und einem Glas Sekt. Denn gefeiert, so die Vorsitzende Hannelore Reinheimer, wird in diesem Jahr das 6ojährige Bestehen der Pfeddersheimer Landfrauen. "Dann passe ich ja gut ins Programm", sagte Petra Urban, die gerade 6o Jahre alt geworden ist. Bevor sie aus ihrem neuen Buch las, erzählte sie, wie sie dazu gekommen war, es zu schreiben. Trotz des ernsten Themas eine amüsante Anekdote. Sie hatte eine Freundin getroffen, die vom Friseur gekommen war, und sich beklagt hatte: "Die in den Illustrierten haben alle Häuser und Schlösser geerbt, ich dagegen nur die dicken Oberschenkel meiner Mutter." Damals, so erklärte die Schriftstellerin, habe sie angefangen sich für "Gefühlsvererbung" zu interessieren. Und da sie die Traurigkeit ihrer eigenen Familiengeschichte nicht weitergeben wollte, habe sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben. Ihr persönlichstes Werk, wie sie betonte, in dem sie aufzeigt, wie befreiend es ist, an der Heilung einer tiefen Wunde zu arbeiten. Denn das sei das Wichtigste, so ihre Erfahrung, auf die Dinge, die uns im Leben passieren, zu antworten. Sie nicht totzuschweigen, zu verdrängen. Alles Verdrängte kehrt an anderer Stelle zurück, nicht selten als Krankheit.
    Seelische Wunden heilen - inneren Frieden finden, das ist das Thema, mit dem sich Petra Urban in ihrem Buch "Welch unerhörte Lust zu leben - Von großen Wunden und noch größeren Flügeln" intensiv beschäftigt. Am Beispiel ihrer eigenen Geschichte - in der es um Missbrauch im Elternhaus geht - zeigt sie auf, wie man sich selbst von solch einer belastenden Vergangenheit befreien kann. "Selbstsein. Stimmig sein. Für mich ist es nach wie vor und an jedem neuen Tag eine Herausforderung. Aber auch ein unaussprechliches Glück. Ein Glück, zu dem ich mitunter ein Quäntchen Mut brauche."
    Auch dieses Buch, so betonte sie, sei wie alle ihre Bücher, ein Manifest der Lebensfreude, soll Hoffnung machen und Wege aufzeigen.
    Ein großes Thema war die Vergebung. Keine leichte Sache, wie Urban betonte, die aus eigener Erfahrung weiß, wie hartnäckig Rachegefühle sein können, wie schwierig es ist, sich aus ihren Verstrickungen und Verklebungen zu befreien. „Für mich hieß Vergebung in erster Linie, mich von vermeintlicher Schuld freizusprechen. Mich Schritt für Schritt von diesem zerstörerischen Gefühl aus Kindertagen zu lösen."
    "Das Leben ist ein Geschenk", las sie, während es im Saal Tee und Gebäck gab, und entführte ihre Zuhörerinnen am Ende der Lesung in poetischen Bildern ins Grüne. "Unter Bäumen liegen und dem Flüstern der Blätter lauschen, zwischendrin einschlafen und das Gemurmel, das Gesäusel mit in den Traum hinübernehmen. Geschehen lassen. Raum und Zeit vergessen. Spüren, wie sich Grenzen auflösen, wie Außen und Innen miteinander verschwimmen. Nicht denken. Nur fühlen. Das Geheimnis des Lebens erspüren. Diese unerhörte Lust, zu sein."
    Nach diesen Worten überreichte Hannelore Reinheimer ihr einen blühenden Frühlingsgruß. Ein Zeichen des Neuanfangs, das wunderbar zum Thema passte.

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Tip SüdhessenAnzeige Amtsblatt
    Anzeige das WormserAnzeige TicketshopAnzeige 3 Füller 1