Aufgrund der geplanten Verlagerung der Hauptfeuerwache stellt sich die Frage der Nutzung diverser Areale in Worms
Welche Fläche soll wie genutzt werden?
Auf dem Gelände der alten US-Kaserne an der Monsheimer Straße soll ein Wohngebiet entstehen. Foto: Wormser-Bilder.de
Von Gernot Kirch Es steht zwar noch der Beschluss des Wormser Stadtrates zur Verlagerung der Hauptfeuerwache auf das Salamandergelände aus, aber nachdem der Haupt- und Finanzausschuss seine Zustimmung signalisierte, kann man davon ausgehen, dass auch der Rat für den Umzug votiert. Wahrscheinlich wird die entscheidende Sitzung im April oder Mai 2017 sein. Selbst mit der Mehrheit der Ratsmitglieder bedeutet dies aber nicht, dass sofort der erste Spatenstich für die Hauptfeuerwache erfolgt, sondern bis es soweit ist, werden noch einige Jahre ins Land gehen.
Der Hauptgrund für die lange Zeitspanne ist, dass die Stadt für solch ein 20-Millionen- Projekt wie die Hauptfeuerwache Zuschüsse vom Land braucht. Und dort ist das Geld durch die Schuldenbremse knapp. Zumal die Verwaltung der Nibelungenstadt zahlreiche andere Vorhaben besonders im Bereich Bildung zurzeit vorantreibt, die wohl Priorität genießen. Zu nennen sind hier bei den Sportstätten die Dreifeldsporthalle für die Westend-Realschule an der Carl-Villinger-Straße sowie die Elo-Sporthalle. Bei der Sanierung der Bildungsstätten sind exemplarisch die Ernst-Ludwig-Schule, die Nibelungenschule und wohl bald das Bildungszentrum (BIZ) zu nennen. Alleine die Modernisierung des BIZ wird mindestens 30 Millionen Euro verschlingen. Bei den Verkehrsprojekten steht der Neuhauser Tunnel, eventuell die Krankenhaustangente und der Eisenbahntunnel am Fahrweg auf dem Plan. Ergänzt werden muss diese grobe Liste um Parkhäuser, Tiefgaragen sowie die Sanierung des Museums und der Umbau des Andreasquartiers (ehemaliges Gesundheitsamt) in ein Rathaus 2. Alleine für letztgenanntes Vorhaben kalkuliert die Stadt mit Kosten von 8,2 Millionen Euro und wartet auf den Förderbescheid des Landes. Wie sich in all diese Projekte die Hauptfeuerwache eintakten lässt, bleibt abzuwarten.
Was wird mit der alten Feuerwache?
Trotz aller zeitlicher und finanzieller Unwägbarkeiten macht es Sinn, zu hinterfragen, was denn aus der alten Hauptfeuerwache werden soll. So ist nach Informationen aus einer Pressekonferenz vor drei Wochen beabsichtigt, dass dort der Entsorgungs- und Baubetrieb (ebwo) einzieht, der sich momentan ohnehin schon auf Teilen des Geländes befindet. Dafür könnte der ebwo das Areal (alte US-Kaserne) an der Monsheimer Straße räumen, sodass dort ein neues Wohngebiet entstehen könnte.
Das hier geschilderte Szenario stellt die mittelfristige Planung dar. Ob die alte Hautwache der endgültige Standort für den ebwo sein wird, ist offen, denn es gibt hier noch weitere Denkmodelle. So könnte der ebwo irgendwann auch auf das Salamandergelände ziehen oder es findet ein Neubau auf dem Areal rund um den alten Schlachthof statt. Diese beiden Varianten hätte den Charme, dass die alte Feuerwache in nicht allzu ferner Zukunft abgerissen und durch Wohnbebauung ersetzt werden könnte.
Bauflächen gesucht
All diesen Überlegungen liegt zugrunde, dass in Worms – wie in allen Städten am Rhein – Wohnraum teuer, knapp und zu einem kostbaren Gut geworden ist. Mehr freie Flächen würden hier die Lage entspannen. In der Nibelungenstadt wird zwar gebaut und nach dem „Masterplan Wohnen“ des Oberbürgermeisters sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 2.500 Wohneinheiten neu entstehen, aber die Sache hat zwei Haken: Die Umsetzung dauert lange und es entstehen überwiegend teure Appartements oder Häuser.
So bedient das Liebenauerfeld eher das hochpreisige Segment, ebenso wie die Bebauung am Weinsheimer See, in Herrnsheim an der Grundschule oder auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Pfeddersheim. Und für das ehemalige Bauhausgelände schweben dem Investor rund 160 Wohneinheiten der gehobenen Qualität vor. Die Frage ist, wo bleiben die günstigen Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen wie Alleinerziehende, Senioren mit kleiner Rente, Zuwanderer oder kinderreiche Familien?
Die städtische Wohnungsbau GmbH realisiert zwar gerade Mietshäuser in der Würdtweinstraße, aber mehr bezahlbarer Wohnraum wäre sicher wünschenswert.
Und hier sind freie Flächen Gold wert. Eine zusätzliche Brache könnte in zwei Jahren dazukommen, wenn das Hochstift endgültig geschlossen wird und das Areal zum Kauf ansteht.
Gewerbegebiet: Fehlanzeige
Ganz düster sieht es in Worms bezüglich freier Flächen für eine Gewerbeansiedlung aus. Außer geringer Restflächen ist für Investoren nichts mehr frei. Sollte die Hauptfeuerwache auf das Salamanderglände kommen, fallen dort weitere 15.000 Quadratmeter weg, plus etwa 3.000 Quadratmeter für das THW.
Der erzwungene Verzicht (Feldhamsterpopulation) auf die Entwicklung des Gewerbegebiets „Hoher Stein“ erweist sich für die Nibelungenstadt immer mehr als Hypothek bezüglich des Wirtschaftswachstums.
Andere Kommunen ziehen hier an Worms vorbei. So baut Amazon in diesem Jahr etwa ein Logistikzentrum mit 1.000 Arbeitsplätzen in Frankenthal.
Nach dem Abzug der Feuerwehr soll der ebwo das gesamte Areal in der Kyffhäuserstraße nutzen. Foto: Wormser-Bilder.de