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  • Mo., 25. Juni 2018, 13:58 Uhr
    Rotary Club Worms-Nibelungen übergibt heute ein Tastmodell des Lutherdenkmals

    Weltgrößtes Reformationsdenkmal barrierefrei erfahren

    Rotary Past Präsident Kai Hornuf, Dr. Andreas Schreiber, Michael Kissel, Alfons Henn, Egbert Broerken, Pastor Martin Wilms (von links).


    VON ROBERT LEHR Zur Einweihung des „großen“ Lutherdenkmals nach Entwürfen von Bildhauer Ernst Rietschel waren am 25. Juni 1868 untern den geschätzten 20.000 Festteilnehmern auch der spätere Kaiser Wilhelm I. in der Nibelungenstadt, der aber wegen der prallen Junisonne und der Länge der Feier einen Sonnenbrand und einen Hitzschlag bekommen haben soll.

    Bei der heutigen Einweihung des „kleinen“ Lutherdenkmals als Blinden-Tastmodell von Künstler Egbert Broerken musste – auf den Tag genau 150 Jahre später – davor niemand Angst haben: Das Wetter war angenehm und die Feier kurzweilig.

    Mit dem Modell auf dem Lutherplatz verfügt Worms nach entsprechenden Nachbildungen des Domes und der Innenstadt aus der Vogelperspektive jetzt über drei Blinden-Tastmodelle.

    Das jüngste wurde jetzt durch das Engangement des Rotary Club Worms-Nibelungen ermöglicht, dessen Präsident Dr. Andreas Schreiber sich bei seiner Begrüßung besonders angetan davon zeigte, dass das Modell spontan so umringt und bewundert werde.

    „Eine feste Burg ist unser Gott“
    Das Modell drücke sehr schön aus, was als Idee hinter dem heute noch größten Reformationsdenkmals der Welt gestanden habe: „Eine feste Burg ist unser Gott“. Der burgartige Charakter des Denkmals komme durch Luther als zentralen „Bergfried“ zur Geltung, der die Burg bewacht, umrahmt von anderen Reformatoren und Fürsten als Türme.

    So sei er stolz, dass Modell jetzt der Stadt in Person von Oberbürgermeister Michel Kissel übergeben zu können. Dabei dankte Kissel für die gute Zusammenarbeit und den schönen schattigen Platz unter der Linde in unmittelbarer Nähe des Originals.

    Der Stadtchef bedankte sich seinerseits für die Spende dieses Tastmodells für blinde und sehbehinderte Menschen, denen ein barrierefreier Besuch der Wormser Sehenswürdigkeiten ermöglicht werde. Damit sei das touristische Worms ein „ganzes Stück weit ergänzt worden“. In Richtung von Alfons Henn, dem langjährigen Vorsitzenden des Sehbehindertenvereines und ehemaliger Behindertenbeauftragter der Stadt Worms, bedankt sich Kissel für dessen damalige Anregungen, entsprechende barrierefreie Angebote zu schaffen.

    Damals ein Affront
    Entgegen der Einweihung vor 150 Jahren seien heute aber auch Katholiken anwesend. Damals sei das Reformationsdenkmal von ihnen noch als Affront angesehen worden. Umso mehr freute sich Kissel, dass der ökumenische Gedanke heute so verwurzelt sei und die Konfessionen entsprechend gut zusammenarbeiteten.

    Bei allem Stolz auf den 1000-jährigen Dom und die reiche jüdische Tradition sei Luthers Auftreten in Worms ein welthistorischer Moment gewesen, der ebenso gewürdigt gehört.

    Dr. Ulrich Oehlschläger dankte als Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau dem Rotary Club Worms-Nibelungen ganz herzlich für das Modell. Um die Barrierefreiheit auch in anderer Hinsicht zu fördern, regte er eine touristische Broschüre in Blindenschrift an. In Ergänzung zu den 3 Modellen und ihren Beschreibungen in Blindenschrift würde eine solche Broschüre Blinden es noch einfacher machen, die Stadt zu entdecken.

    Egbert Broerken erinnert an gesundheitliche und technische Unwägbarkeiten, die die Fertigstellung des Modells immer wieder verzögert hätten. Umso mehr sei er froh, dass es jetzt seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Augenzwinkernd merkte er an, dass er nach seinen drei fertigen Modellen jetzt bestimmt noch auf ein viertes hoffen könne.

    Alfons Henn hat auf jeden Fall schon weitere Ideen zum Umsetzen. Am Rande der Veranstaltung freute er sich sehr, dass die bisherigen Modelle so gut ankämen. Als nächste Projekte könnte er sich die Dreifaltigkeitskirche, den Wormser Bahnhof oder gar die Lutherkirche vorstellen.

     

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