Di., 29.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Sa., 11. Februar 2017, 05:44 Uhr
    Neues Mobilitätskonzept für die Stadt Worms formuliert erste Ziele bis zum Jahr 2030

    Weniger Autos – dafür mehr Rad und ÖPNV

    Die Bürger sollen zum Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad und den öffentlichen Personennahverkehr animiert werden. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Das Mannheimer Planungsbüro Habermehl & Follmann präsentierte im Bauausschuss den Analyseteil ihrer Studie zur Mobilität in Worms. Hintergrund ist, dass der Stadtrat im Jahr 2014 beschlossen hat, das bestehende Verkehrskonzept zu aktualisieren. Ab 2018 sollen erste Maßnahmen realisiert werden. Nachdem jetzt der „Ist-Zustand“ vorliegt, sollen bis 2017 Handlungsalternativen diskutiert und erarbeitet werden.

    Immer mehr Autos

    Die Studie von Habermehl & Follmann verdeutlicht den starken Zuwachs an Autos in der Nibelungenstadt. So haben 91 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen Führerschein. Die Zahl der Pkw beläuft sich inzwischen auf 44.000. Dazu kommen 3.000 Lkw, 3.600 Motorräder und 1.100 Zugmaschinen. Dementsprechend ist der eigene Wagen das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel in Worms. So nutzt der Bürger für das Zurücklegen von Strecken zu 64 Prozent das Auto, zu 16 Prozent geht er zu Fuß, gefolgt von 12 Prozent Fahrradnutzung und nur zu acht Prozent werden Busse und Bahnen in Anspruch genommen. Rapide zugenommen haben in den letzen Jahren auch die Anzahl der Fahrten, die mit dem Auto zurückgelegt werden. Während es im Jahr 2001 nur 109.600 Fahrten mit dem Pkw in Worms waren, erhöhte sich dies auf 136.400 im Jahr 2015. Die kritischen Fragen im Bauauschuss lauteten, wo diese Entwicklung noch hinführen soll, inwieweit die Zahlen weiter ansteigen, bevor es zum Verkehrsinfarkt kommt. Die durchschnittliche Länge der zurückgelegten Stecken sind mit dem Pkw 11 Kilometer, mit dem ÖPNV 14 Kilometer, mit dem Rad 4 Kilometer und zu Fuß 1,2 Kilometer. Die Hauptverkehrsachsen sind in Nord-Südrichtung die B 9 und in Ost-Westrichtung die B 47. Ziel ist es, laut Studie, bis zum Jahr 2030 den Autoverkehr zu senken und stattdessen Bus-, Bahn- und Fahrrad-Nutzung zu erhöhen. Konkret soll die Pkw-Nutzung von derzeit 64 Prozent auf 50 Prozent gesenkt und der Radverkehr von derzeit 12 Prozent auf 20 Prozent angehoben werden. Der ÖPNV soll von jetzt sechs Prozent auf 12 Prozent steigen. Mit rund 18 Prozent würden Fußgänger auf gleichem Niveau bleiben.

    Warum Verkehrsnutzung ändern?

    Die prinzipielle Frage ist natürlich, warum sollte die Nutzung überhaupt weg vom Pkw hin zu anderen Verkehrsträgern erfolgen? Rein ideologische Erwägungen reichen hier sicher nicht aus. Im Bauausschuss wurden diesbezüglich die Belastungen der Bürger mit Lärm, Abgasen und Feinstaub genannt. Zudem drohe bei weiter steigendem Pkw-Nutzung der Infarkt, bei dem innerstädtisch nur mehr ein Stopp- and Go-Verkehr möglich sei. Ein Verkehrskonzept solle nach der Vorstellung der Ausschussmitglieder stets die Lebensqualität im Auge haben. Die Stichworte lauten hier: mehr Grün, mehr Plätze zum Wohlfühlen und weniger Blech und Hupen in der Kernstadt. Sebastian Knopf von DIE LINKE sagte diesbezüglich: „Andere Städte zeigen, wie es gehen kann.“ Als Beispiele für attraktive Innerstädte mit viel ÖPNV und Radfahrstrecken nannte er Münster und Freiburg, die sich von der Fokussierung auf Autos verabschiedeten.

    Wird der Wormser auf sein Auto verzichten?

    Die Folgefrage ist natürlich, wie lässt sich der Bürger dazu bewegen, vom Auto auf Rad und Busse umzusteigen bzw. lässt er sich überhaupt dazu bewegen? Bei der Beharrlichkeit, mit der der Wormser an seinem Auto hängt, scheint es nur drei Dinge zu geben: entweder Verordnungen, finanzielle Anreize oder ein massiver Ausbau von ÖPNV und Radwegen. Ein Verbot der Pkw-Nutzung scheint abwegig. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Timo Horst sagte dazu: „Wir können den Menschen nicht verbieten, Auto zu fahren!“ Einzig das Befahren der City zu verbieten, aufgrund der zunehmenden Feinstaubbelastung, besonders durch Dieselfahrzeuge, wäre zukünftig denkbar. Der Ausbau des Busverkehrs in Worms ist wünschenswert, aber hinter den Kosten steht ein Fragezeichen. Schon jetzt fließen jährlich rund 2,4 Millionen Euro als Subvention in den Busverkehr, der überwiegend von Schulkindern und Senioren benutzt wird. Wer kann, der fährt eben Auto. Um einen attraktiven 20 Minuten-Takt zu realisieren, müsste die Stadt tief in die Tasche greifen. Ein Grundproblem von Städten in der Größe von Worms ist, für einen richtig guten Öffentlichen Nahverkehr mit U-, S- und Straßenbahnen ist Worms zu klein. Um aber alles „locker“ und bequem mit dem Rad oder zu Fuß zu erledigen, ist Worms zu groß, somit bleiben viele Bürger beim Pkw. Wobei gerade im Fahrrad viel Potential liegt, zumal E-Bikes ganz andere Möglichkeiten bieten als noch vor wenigen Jahren. Allerdings benötigt Worms hier ein ganz anderes Radwegenetz. Mit ein paar weißen Streifen auf Autostraßen ist es sicher nicht getan.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige AmtsblattAnzeige Ticketshop
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige das WormserAnzeige 3 Füller 1