Bildhauer Martin Schöneich und Maler Artur Bozem (von links) gaben Einblick in ihr Werk, das übrigens auch zu verkaufen ist. Foto: Regina Urbach
Von Regina Urbach Habitat – was in der Biologie ein Zusammenleben verschiedener Organismen bezeichnet, bei dem jeder sein Eigenleben behält, gefiel den Künstlern Martin Schöneich (Skulptur) und Artur Bozem (Malerei) so gut, dass sie es bereits zum zweiten Mal als Titel für eine gemeinsame Ausstellung wählten: nach Rockenhausen 2012 diesmal zum Thema „Lebensraum“ im Wormser Heylshof. Dass dabei weniger mehr sein und die Exponate mit dem Raum zu einem Ganzen zusammen wachsen können, zeigte sich beim Betreten der drei Ausstellungsräume zur Vernissage im Untergeschoss am Sonntag. Die nur an wenigen Punkten aufliegenden, wie in der Bewegung schwerelos erstarrten Skulpturen des gelernten Modellschreiners Schöneich und die großen, informellen Gemälde Bozems unter Einbeziehung von Sanden und Teerpappe wirkten exakt für die Räume durchkonzipiert. Noch nie habe er die Räumlichkeiten, übrigens erstmals auch mit Teppich ausgestattet, „so gut bespielt“ gesehen, lobte Museumsleiter Dr. Olaf Mückain, der die Ausstellung gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Dr. Helmut Orpel kuratierte. Die angesichts des Mantelsonntags überraschend zahlreichen Besucher fügten sich mit ihren Klappstühlen ebenfalls in die Raumkomposition ein. Eingeleitet wurde die Vernissage von einem spätromantischen Violinduo durch die Geschwister Cecile und Kai Gabler Dass eine solche Doppelausstellung gelingt, ist keinesfalls selbstverständlich, wie Mückain am Beispiel von Monet und Rodin aufführte. Dem vielen Wormsern durch die Edelstahlskulptur „Loop 2008“ vor der FH bekannten Schöneich und dem aus Neuwied stammenden, mit dem Kaiser-Lothar-Preis ausgezeichneten Bozem attestierte er ein kongeniales Zusammenwirken, das seine Kraft auch aus dem Mut zum Verzicht zieht.
Orpel, der Schöneich bereits aus Grünstadter Kindertagen, aber auch Bozem seit Jahren kennt, lenkte den Blick auf Bozems Inspirationen durch keltische Spuren. Auf einem Gemälde war ein Tor zur Anderswelt zu erkennen, ansonsten stellten die großflächigen Tableaus in Schwarz, Gelb- und Grautönen eher Informelles dar. Der Kunsthistoriker sprach von Formauflösung und -verdichtung im Wechsel und der sichtbar werdenden Dynamik der Form, Momentaufnahmen wie Traumbildern, die im Morgengrauen verschwinden. Der Raum zwischen den Figuren werde zum Gestaltungsmittel, Rundes und Kantiges gingen ineinander über.
Dass die Farben mit den Skulpturen harmonierten, habe sich eher ergeben, als dass es so geplant war, erklärte Bozem. Die Künstler hatten sich auf einer Ausstellung pfälzischer Künstler vor etwa zehn Jahren kennen gelernt und seither mehrmals zusammen ausgestellt. Vieles habe er wieder mit nach hause genommen, erzählte Schöneich zur Zusammenstellung der Exponate, „es passte nicht, es war zu viel.“ Die Exponate treten nicht in Konkurrenz, keines „erschlägt“ den Raum oder den Betrachter, sie laden mit ihrer inneren Komplexität eher zu längerem Betrachten ein. Bis 15. Dezember ist die Ausstellung zu den Museumsöffnungszeiten zu sehen.
Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis17 Uhr