WORMSER TAFEL SENDET HILFERUF: Mangel gefährdet Versorgung von Bedürftigen / Medizinische Masken bei Lebensmittelausgabe Pflicht
Wenn Corona-Schutz zum Luxusgut wird
Die Wormser Tafel benötigt dringend medizinische Masken, damit auch künftig die Lebensmittelausgabe für Bedürftige reibungslos funktionieren kann. Foto: Wilfried Pohnke/Pixabay
VON STEFFEN HEUMANN | Die Entscheidung der Politik, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln oder gewerblichen Einrichtungen wie etwa dem Einzelhandel und auch im Gottesdienst eine medizinische Maske, dazu gehören OP-Masken sowie virenfilternde Produkte wie KN95- oder FFP2-Masken, getragen werden müssen, hat mittlerweile sogar „klopapierähnliche“ Ausmaße angenommen. Ältere Mitbürger erhalten Masken in Apotheken gegen eine Zuzahlung. Otto-Normalverbraucher kauft im Handel oder bestellt online. Der Ärger um das unterschiedliche Preisgefüge macht zuweilen wütend. Wie ist es aber um Menschen bestellt, die ohnehin Monat für Monat knapp kalkulieren müssen?
Ein echtes Problem
Für Jürgen Sehrt, Geschäftsführer der Wormser Tafel, generiert sich aus den Vorschriften ein echtes Problem. Die Bedürftigen erhalten in der Wallstraße nur mit entsprechenden Masken Einlass. Der politische Schnellschuss erweist sich für einen Hartz IV-Empfänger, dem monatlich 17,02 Euro für die Gesundheitspflege und täglich 5,16 Euro für Nahrungsmittel und Getränke zustehen, durchaus als Bumerang. Wie Jürgen Sehrt aus Erfahrung weiß, ist die Anschaffung teurer Masken für manchen Mitmenschen kein Selbstläufer. „Das könnte bereits am Freitag bei der nächsten Lebensmittelausgabe Folgen haben“, betont Sehrt. „Wir müssen bei der Abholung auf das Tragen medizinischer Masken bestehen“, verweist der Geschäftsführer. Auch das Tafel-Team müsse die Anforderungen mit Blick auf die Hygiene- und Schutzmaßnahmen erfüllen. Dass einem Bedürftigen aus diesem Grund der Zutritt und die Ausgabe der Lebensmittel verweigert werden müsste, wäre für Sehrt keine Lösung. „Wir wollen niemanden draußen stehen lassen“, unterstreicht Sehrt.
Die Hoffnung der Helfer ruht zunächst auf der Unterstützung von Wormser Bürgern durch Spenden, damit eine ausreichende Zahl an Masken eingekauft werden kann. Diese könnten für den Fall der Fälle vor Ort ausgegeben werden. Inzwischen war Geschäftsführer Jürgen Sehrt nicht untätig und hat Kontakte zu einem deutschen Hersteller aufgenommen. Der kann Masken zu einem stark ermäßigten Preis zur Verfügung stellen. Jetzt wünscht sich Jürgen Sehrt ein möglichst großes und positives Echo, damit die Tafel auch in Corona-Zeiten weiterhin ihren „Dienst“ am Mitbürger verrichten kann.
Maskenspenden herzlich willkommen
Natürlich sind auch Sachspenden in Form von original verpackten Masken möglich, die von Mittwoch bis Freitag zwischen 8 und 11 Uhr in der Wallstraße beim Team der Tafel abgegeben werden können. Rund 1.400 Bedürftige versorgen die freiwilligen Helfer in Worms aktuell. Aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nur einmal die Woche „auch um die Kontakte zu reduzieren“, so Jürgen Sehrt. Dadurch habe die Tafel auch Mindereinnahmen zu beklagen. Das sei schon schlimm genug, wie Jürgen Sehrt erklärt. Dass es jetzt wegen der neuen Masken-Vorschriften wieder die Menschen am Rande der Gesellschaft treffen soll, kann Jürgen Sehrt nicht nachvollziehen.