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  • Fr., 03. September 2021, 16:18 Uhr
    Sucht am Arbeitsplatz: BGM-Netzwerk-Worms widmete sich im Quartalstreffen dem Betrieblichen Suchtmanagement

    Wenn ein normales Verhalten „plötzlich“ auffällig wirkt

    Christiane Brandt während des Vortrages in der gefüllten Tiergartenschule. Foto: Raquet/Tiergarten


    Vertreter von Unternehmen, Führungskräfte und Betriebsräte, Suchtbeauftragte und Interessierte, aber auch Krankenkassen und Bildungsträger waren beim zweiten Quartalstreffen des BGM-Netzwerk-Worms dabei, um sich über das noch immer sehr heikle Thema „Sucht und Abhängigkeitserkrankungen“ im Betrieb auszutauschen. Unter strengen Corona-Auflagen konnte die Veranstaltung in Präsenz in der Tiergartenschule im Wäldchen stattfinden. BGM steht für Betriebliches Gesundheitsmanagement.

    „Jeder Mensch kann süchtig werden"

    Christiane Brandt, BGM-Managerin und ehrenamtliche betriebliche Suchtkrankenhelferin über Jahre für die Stadtverwaltung Worms, brachte es auf den Punkt: „Sucht und Abhängigkeit sind Themen, die im Arbeitsalltag niemand gerne anspricht. Zu groß sind die Hemmungen und Unsicherheiten, obwohl gleichzeitig so viele Menschen am Arbeitsplatz unter einer solchen Situation leiden.“ Solange sich jemand seinen Genüssen hingibt, ohne dass Gesundheit, soziale Eingliederung oder Arbeitsfähigkeit darunter leiden, wird kaum jemand von einer Abhängigkeit sprechen, aber genau da müsste man bereits ansetzen, denn Abhängigkeitserkrankungen haben einen schleichenden Verlauf. In ihrem Vortrag räumte Brandt mit wahren und unwahren Thesen auf und stellte klar: „Jeder Mensch kann süchtig werden und es handelt sich nicht um eine Charakterschwäche. Ob eine Droge legal oder illegal ist, hat mit ihrer Gefährlichkeit und möglichen Auswirkungen im Arbeitsalltag nichts zu tun, sie kann gesundheitsschädigend sein und erhöht vor allem das Unfallrisiko, auch im Betrieb.“

    Betrieblicher Stufenplan

    Beschäftigte im Rausch müssen, auch wenn es schwerfällt, von der Führungskraft angesprochen werden und haben vor allem an Arbeitsplätzen mit einer gewissen Unfallgefahr nichts zu suchen. Als Handlungsleitfaden stellte Brandt einen möglichen betrieblichen Stufenplan vor, der einerseits Hilfen und Möglichkeiten aufzeigt, aber auch ein konsequentes Verhalten der Betroffenen fordert. Das Ziel ist immer die Vermittlung professioneller Hilfen. Führungskräfte, Betroffenen sowie das Kollegium im Arbeitsumfeld stehen im Fokus. „Doch Hilfe benötigen auch coabhängige Beschäftigte, die unter einer Erkrankung im familiären Umfeld leiden und teilweise ihre Probleme mit in den Arbeitsalltag nehmen.“ so Brandt

    „Alternativen zum Suchtverhalten bieten"

    „Die Droge bildet einen Ersatz für unbefriedigte Bedürfnisse“, wusste Susann Kirst, Präventionsfachkraft der Caritas Worms zu berichten. Suchterkrankungen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, es wird konsumiert was gerade benötigt wird. In ihrem lebhaften und spannenden Vortrag ging sie auf verschiedene Substanzen ein. Aufklärung und Information bereits bei Auszubildenden ist eine gute Grundlage. „Suchtprävention kann durchaus Spaß machen und wir müssen Alternativen zum Suchtverhalten bieten“, sprach Kirst verschiedene erprobte Konzepte an und warb für den fachlichen Erfahrungsaustausch unter den Betrieben im Rahmen des „Arbeitskreis betriebliche Suchtprävention“ der sich am 7. Oktober zu einem virtuellen kollegialen Austausch trifft.

    Ein Lichtblick: Sucht ist eine Krankheit und heilbar. Arbeitgeber können die Beschäftigten mit einem guten Suchtmanagement motivieren und unterstützen. Suchtprävention hat damit sowohl im Arbeitsschutz, als auch im betrieblichen Eingliederungsmanagement und der Gesundheitsförderung seinen Platz und sollte ganzheitlich im BGM integriert sein. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Anwesenden einig: Wenn es den Arbeitgebern und Führungskräften gelingt, ein wertschätzendes Umfeld zu schaffen, in dem eine offene und ehrliche Kommunikation gelebt wird und Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen, dann ist schon ein großer Schritt in Richtung Suchtprävention gegangen.

    Information Arbeitskreis betriebliche Suchtprävention: susann.kirst@caritas-worms.de
    Information zum BGM-Netzwerk-Worms: bgm-worms@worms.de

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