
Von Rudolf Uhrig › Flüssiges Gold auf der Kisselswiese: Wenn Hagen von Tronje gewusst hätte, welcher Weinschatz Jahrhunderte später im Wonnegauer Weinkeller gehoben wird, hätte er die Kiste mit dem Gold vermutlich eigenhändig wieder aus dem Rhein gefischt.
Am Festmontag verwandelte sich das große Weinzelt auf der Kisselswiese einmal mehr in ein Epizentrum rheinhessischer Lebensfreude. Bei „Hagens Weinschatz“ traf Weinexpertise auf Feierlaune – und bewies, dass zwischen fachkundiger Verkostung und ausgelassener Party gerade einmal ein paar Gläser liegen.
Die Winzer aus Worms und dem Wonnegau hatten dafür tief in ihre Keller geschaut und rund 300 verschiedene Weine und Sekte mitgebracht. Für die Besucher wurde daraus eine Entdeckungsreise durch die heimische Weinwelt: Vom feinen Tröpfchen bis zum charaktervollen Tropfen war für nahezu jeden Geschmack etwas dabei.
Doch wer glaubt, im Wonnegauer Weinkeller würde lediglich andächtig am Glas genippt und über Bukett und Abgang philosophiert, kennt die Wormser schlecht. „Hagens Weinschatz“ gelang spielend der Spagat zwischen Generationen und Geschmäckern. Zunächst wurde verkostet, dann das Tanzbein geschwungen. Aus der anfänglichen Fachsimpelei wurde eine fröhliche Party – und aus dem Weinzelt endgültig ein Tanzsaal.
„Erst wird der Gaumen verwöhnt, danach die Stimme beim Mitsingen strapaziert – dieser Montag ist für mich der beste Tag des ganzen Festes!“, brachte es eine sichtlich gut gelaunte Besucherin auf den Punkt.
Das traditionelle Fischerstechen muss wegen des extremen Niedrigwassers zwar buchstäblich ins Wasser fallen. Dafür geht es an anderer Stelle munter weiter. Bei der Riesenrad-Weinprobe lässt sich der Wonnegauer Wein in luftiger Höhe genießen – rund 45 Meter über dem Festplatz inklusive Weitblick.
Am finalen Sonntag gehen im Floßhafen wieder Tausende gelbe Badeenten an den Start, die sich ein schwimmendes Wettrennen für den guten Zweck liefern. Zum großen Finale wird es schließlich noch einmal richtig hell am Wormser Himmel, denn am Sonntagabend steigt das große Höhenfeuerwerk – und setzt dem Backfischfest im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf.
Wer glaubt, nach Hagens Weinschatz sei das Pulver bereits verschossen, darf beruhigt weiterfeiern. Auf der Kisselswiese aber auch, z.B. heute Abend, wo es gut gelaunt in die historische Fischerwääd zur Fischerwääder Kerb geht. Dort schlägt das Herz der Wormser Brauchtumsszene – zwischen Tradition, Geselligkeit und einer ordentlichen Portion Feststimmung.
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