
In den kommenden Wochen werden einige NK-Leserinnen und Leser ihren Lieblings-Prospekt vergeblich im Nibelungen Kurier suchen und der Grund dafür ist kein Fehler bei der Zustellung der Zeitung. Ein Discounter aus der Lebensmittelbranche hat einen sogenannten Digitaltest angekündigt und stellt die Prospektverteilung für einige Filialen im NK-Gebiet für einen gewissen Test-Zeitraum ein.
Während dieses Tests wird der gedruckte Prospekt nicht wie bisher gemeinsam mit dem Nibelungen Kurier an die Haushalte verteilt. Stattdessen will das Unternehmen seine Angebote über App, die Internetseite, Newsletter, Facebook, Instagram, WhatsApp oder andere digitale Kanäle bekannt machen.
Welche Prospekte einer Zeitung beiliegen, entscheidet nicht der Verlag. Der Nibelungen Kurier verteilt diejenigen Prospekte, deren Verteilung von den jeweiligen Unternehmen beauftragt wurden, in den gewünschten Regionen. Setzt ein Unternehmen seine Prospektverteilung aus, kann der Verlag selbstredend den betreffenden Prospekt nicht eigenständig beilegen.
Konkret: Wird der Nibelungen Kurier ordnungsgemäß zugestellt, fehlen aber während des Testzeitraums Prospekte, handelt es sich nicht um einen Zustellfehler des Verlages.
Digitale Angebote sind für viele Menschen praktisch. Preise können kurzfristig aktualisiert werden, und Angebote sind jederzeit über Smartphone oder Computer abrufbar. Viele Kundinnen und Kunden möchten jedoch weiterhin einen gedruckten Prospekt in der Hand halten, Angebote markieren oder ihre Einkäufe damit planen.
Ein Digitaltest beantwortet deshalb nicht nur die Frage, wie viele Menschen eine App öffnen oder einen Link anklicken. Er betrifft auch diejenigen Kundinnen und Kunden, die digitale Angebote nicht oder nur selten nutzen und deren Reaktion in digitalen Messwerten möglicherweise nicht sichtbar wird.
Für Verlage sind solche Digitaltests in zweierlei Hinsicht schlecht: Neben dem fehlenden Umsatz für die Prospektverteilung ist der Arbeitsaufwand im Verlag regelmäßig höher, weil Leser sich zunächst bei der Zeitung darüber beschweren, wenn der Prospekt vom Lieblingsdiscounter fehlt.
Verlagsleiter Frank L. Meinel: „Wir beantworten jede E-Mail und jedes Telefonat und erklären, warum gerade ein Prospekt nicht im NK ist und animieren unsere Leser, sich direkt in der Filiale des Unternehmens zu beschweren, wenn man den gedruckten Prospekt vermisst.“
Denn im Grunde möchten die Werbetreibenden mit dem Digitaltest genau diese Frage klären: Kann man die vergleichsweise teure Prospektwerbung mit hohen Lohnkosten durch die Zustellung erfolgreich durch deutlich günstigere digital Kanäle ersetzen? Holen sich die Kunden eine App aufs Handy, wenn der gedruckte Prospekt nicht mehr kommt?
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen treffen die grundsätzliche Entscheidung über die Prospektverteilung natürlich nicht selbst. Deshalb sollte die Rückmeldung freundlich erfolgen und mit der Bitte verbunden werden, sie an die Unternehmenszentrale oder die zuständige Marketingabteilung weiterzugeben“, so Verlagsleiter Meinel.
Der Nibelungen Kurier hat an diesem Thema ein eigenes wirtschaftliches Interesse. Das möchten wir gegenüber unseren Leserinnen und Lesern ausdrücklich offenlegen.
Die Herstellung und flächendeckende Zustellung einer kostenlosen Zeitung verursacht erhebliche Kosten. Redaktion, Druck, Papier, Logistik und Zustellung werden im Wesentlichen durch Anzeigen und die Verteilung von Prospekten finanziert. Diese Einnahmen ermöglichen es uns, Woche für Woche kostenlos über kommunalpolitische Entscheidungen, Parteien, Vereine, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Schulen, soziale Einrichtungen, Kultur, Sport und ehrenamtliches Engagement zu berichten.
Branchenweit haben Fremdbeilagen mittlerweile eine besonders große wirtschaftliche Bedeutung: Nach Angaben des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen entfielen 2025 bereits 55 Prozent des Gesamtumsatzes der Gattung auf Fremdbeilagen. Gleichzeitig erscheinen 2026 in Deutschland noch 654 kostenlose Wochenzeitungen mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von 42 Millionen Exemplaren.
Werbung in einer Unternehmens-App oder auf internationalen Plattformen wie Facebook und Instagram kann für das werbende Unternehmen sinnvoll sein. Sie trägt jedoch nicht zur Finanzierung dieser kostenlosen lokalen Zeitung bei. Fallen Anzeigen- und Prospektaufträge weg, verringert sich langfristig auch der finanzielle Spielraum für kostenlose lokale Berichterstattung und eine flächendeckende Zustellung.
Wir stellen digitale Werbung deshalb nicht grundsätzlich infrage. Viele Unternehmen benötigen heute einen ausgewogenen Mix aus gedruckten und digitalen Angeboten. Wir möchten jedoch transparent machen, dass die Entscheidung über diesen Mix nicht nur Auswirkungen auf den Handel, sondern auch auf die wirtschaftliche Grundlage lokaler Medien haben kann.
Am Ende entscheidet jedes Unternehmen, wie es künftig für seine Angebote wirbt. Die Kundinnen und Kunden entscheiden durch ihre Mediennutzung und durch ihre Rückmeldungen allerdings aktiv mit, welche Informationswege für sie wichtig sind. Und diese Kanäle werden die Werbetreibenden in der Regel nutzen …
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