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  • Di., 14. Juli 2015, 15:05 Uhr
    Betroffene Familie Mast aus Worms empfiehlt neue App zur schnellen Erkennung von Augenkrebs bei Kindern

    Wenn Kinderaugen weiß leuchten

    Eine fröhliche Familie: Jacob, Sandra, Felix und Marcus Mast während ihres letzten Urlaubs.

    Von Vera Konersmann  Zeigt ein Kinderauge einen weißen Fleck statt eines roten Auges bei Blitzlichtaufnahmen, kann dies ein erstes Anzeichen für ein Retinoblastom sein, einen gefährlichen Tumor im Auge. Sandra Mast kam es auch merkwürdig vor, als sie sich die Babybilder ihres jüngeren Sohnes Jacob betrachtete – irgendwie reflektierten seine Pupillen das Blitzlicht anders, als die Augen seines großen Bruders Felix. Zunächst maß der Kinderarzt ihrer Feststellung gar nicht viel Bedeutung bei, doch sie blieb beharrlich. „Ich bin froh, dass meine Frau immer so hinterher war – ich glaube, ich hätte nach der Aussage des Kinderarztes einfach gar nicht weiter darüber nachgedacht“, zeigt sich der Wormser Familienvater Marcus Mast erleichtert über die Hartnäckigkeit seiner Frau.


    Nach dem Besuch eines Wormser Augenarztes wurde die Familie an die Augenklinik in Ludwigshafen überwiesen. Die Ärzte dort schickten den kleinen Jacob zu den Kollegen nach Mainz, wo zum ersten Mal die Rede von einem Tumor war und Sandra und Marcus an die Spezialisten nach Essen verwiesen wurden. Schließlich wurden bei dem damals fünf Monate alten Jacob im Zentrum für Augenheilkunde der Uniklinik Essen bösartige Tumore in beiden Augen diagnostiziert und direkt operiert. Dabei musste eines der Augen leider durch ein Glasauge ersetzt werden.


    Gefahr bis zum fünften Lebensjahr
    Das Re­tinob­last­om ist ei­ne sel­te­ne Krebs­er­kran­kung des Au­ges. Es ent­steht in der Netz­haut (Re­ti­na) und kommt fast aus­schließ­lich im Kin­des­al­ter vor. In Deutschland erkranken jährlich etwa 40 Unter-Fünfjährige daran. Wird der Tumor frühzeitig erkannt, besteht eine 97-prozentige Heilungschance. Wichtig ist eben, dass die Krankheit vorzeitig entdeckt wird, um das Schlimmste – das Bilden von Metastasen – zu verhindern. Das Re­tinob­last­om tritt zu 80 Prozent bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern vor dem fünf­ten Le­bens­jahr auf. Jen­seits des sechs­ten Le­bens­jah­res ent­wi­ckeln sich Re­tinob­last­o­me extrem sel­ten.


    Das am häu­figs­ten auftretende Erst­sym­ptom ist das wei­ße Auf­leuch­ten der Pu­pil­le bei be­stimm­ten Licht­ver­hält­nis­sen, zum Bei­spiel beim Fo­to­gra­fie­ren – im Ge­gen­satz zu ei­ner rot auf­leuch­ten­den oder ei­ner schwar­zen Pu­pil­le beim ge­sun­den Au­ge. Die­se wei­ße Pu­pil­le, auch Kat­zen­au­ge genannt, ist ein erster Hin­weis auf ein Tu­mor­wachs­tum hin­ter der Lin­se.   


    Schmerzloser Augenkrebs-Schnelltest
    Auch Jacobs Kinderfotos waren das erste Indiz für Sandra Mast, dass etwas bei ihrem Jüngsten nicht stimmte. Heute geht es dem mittlerweile drei Jahre alten Jacob gut, er ist ein fröhliches Kind, das gelernt hat, mit nur einem Auge seine Welt zu entdecken. Nachdem ihm das rechte Auge entfernt worden war und das linke mittels Strahlentherapie erfolgreich behandelt wurde, bleibt jedoch immer noch eine gewisse Angst, dass die Erkrankung wiederkommen könnte. Alle sechs Monate muss das Kindergartenkind daher zur Kontrolle nach Essen. Die Ärzte dort und auch die Krebsstiftung empfehlen eine neue kostenlose App, mittels derer Kinderaugen unkompliziert von zu Hause aus getestet werden können.


    Die neue iPhone-App „White Eye Detector“ untersucht auf dem iPhone gespeicherte Fotos nach Warnsignalen für Augenkrebs. Auffällige Augen werden von der App sofort erkannt und gemeldet. Außerdem kann die App mit Hilfe der Handykamera einen Augenkrebs-Schnelltest durchführen. Die „White Eye Detector App“ erstellt selbst aber keine Diagnose. Sie dient lediglich zur Erkennung von Leukokorie und soll helfen, ein Retinoblastom frühzeitig zu diagnostizieren. Schlägt die App Alarm, muss der User daraufhin selbst aktiv werden und sollte schnellstmöglichst einen Facharzt konsultieren.


    „Wir können diese App allen Eltern zur Vorsorge empfehlen. Sie kostet nichts, es tut den Kindern nicht weh und hilft im schlimmsten Fall, eine frühzeitige Therapie zu beginnen“, erklären die Eheleute Mast.


    Vergangenen Donnerstag  (9.7.2015) berichtete das ZDF über das Schicksal des tapferen Jacobs. Wer sich das Ganze noch einmal ansehen möchte, findet den Beitrag in der Mediathek des Senders unter: http://webapp.zdf.de/mediathek/page/beitrag?aID=2443878&cID=168. Unter folgendem Link kann die App heruntergeladen werden: https://itunes.apple.com/us/app/white-eye-detector

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