KEIN REPOWERING-PROJEKT: Bürgerinitiative lehnt neue Windkraftanlagen auf der Herrnsheimer Höhe weiterhin ab
„Werden alle juristischen Mittel ausschöpfen“
Die Bürgerinitivative „Kein Repowering in Worms-Leiselheim/-Herrnsheim“ und der Aktionskreis Energie und Naturschutz e.V. AKEN können auf gesundheitliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte verweisen, die eine differenzierte Betrachtung und Überdenken des weiteren Ausbaus von Windkraftanlagen aus Sicht der Windkraftgegner notwendig machen.
Von Steffen Heumann › Nach der Genehmigung der Stadtverwaltung für das „Repowering“ von zwei Windkraftanlagen auf der Herrnsheimer Höhe (der NK berichtete), engagiert sich die Bürgerinitivative „Kein Repowering in Worms-Leiselheim/-Herrnsheim“ (BI) weiterhin gegen die Realisierung des Vorhabens.
Nahe des Klinikums planen die Juwi GmbH aus Wörrstadt und die wiwi consult aus Mainz die Errichtung von neuen leistungsstarken Anlagen. Künftig sollen zwei (geplante Höhe jeweils 246 Meter) statt drei Windkraftanlagen (deren Höhe beträgt jeweils 123 Meter) in Betrieb gehen.
Die Bürgerinitiative befürchtet Konsequenzen für die Umwelt und Gesundheit und stellt die Bedeutung der Anlagen grundsätzlich für die Energieversorgung in Frage. Des Weiteren moniert Hofmann den enormen Ressourcenverbrauch an Rohstoffen für jedes rund vier bis fünf Millionen Euro teure Windrad. Die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung einer riesigen Menge an anfallendem Sondermüll nicht eingerechnet. Dass sich die Gesamtleistung auf gleicher Fläche von 4,5 auf 11 Megawatt nach Aussagen der Betreiber erhöhe, spiele für die BI faktisch keine Rolle, so Hofmann.
Die Begründung liegt für den Experten im Bereich der Anlagen- und Verfahrenstechnik auf der Hand. „Die Windkraftmonster werden gar nicht gebraucht“. Der Ausbau von Wind- oder Solarkraftwerken führe schon jetzt an wind- oder sonnenstarken Tagen zu einer Überproduktion an Strom. Der Preis an der Börse tendiere bei „Überschussstrom“ gegen Null, könne sogar negativ sein! Der Staat garantiere aber eine Einspeisevergütung in Höhe von 7,35 Cent je Kilowattstunde plus regionale Zuschläge, was in Rheinland-Pfalz zu fast 10 Cent je Kilowattstunde führe. Liegt diese Einspeisevergütung bei einem Überangebot an Strom höher als der Börsenpreis, zahlt der Steuerzahler die Zeche, denn er muss zum Teil die Differenz ausgleichen, argumentiert die BI.
Herrscht Starkwind oder müssen die Windräder wegen fehlender Netzkapazitäten abgeschaltet werden, erhielten die Betreiber für nicht gelieferten Strom sogar eine Entschädigung. Laut Bundesnetzagentur (BnetzA), so die BI, waren das in 2023 etwa 3,2 Milliarden Euro, die letztlich über die von den Bürgern zwangseingezogene CO2-Steuer in die Subvention des Windstroms fließen. Obwohl der Anteil an regenerativer Energieerzeugung in Rheinhessen, gefordert sind zwei Prozent, mit über fünf Prozent weit überschritten seien, soll der Ausbau der Windenergie ungebremst erhöht werden, während nicht einmal eine Koordinierung mit fehlenden Netzen stattfindet, so Hofmann.
Ein weiterer Ausschlussgrund für das Repowering seien die laut Studie des Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) prognostizierte Zunahme des LKW-Verkehrs und dessen Lärmemissionen von der nahen Autobahn A61 und den Lärmbelastungen durch die geplanten Windkraftanlagen.
Misstrauen gegenüber Windkraftindustrie
Neben Subventionen zu Gunsten der Wind- und Solaranlagenbetreiber kritisieren Hofmann und seine Mitstreiter der BI, dass nur die Projektierer das große Geld verdienen. Bereits nach der Genehmigung schöpften die Betreiber Geld ab und verbuchten durch den Verkauf an einen Investoren und späteren Betreiber satte Gewinne ab. Auf der Gewinnerseite befänden sich auch die Verpächter der Grundstücke.
„Kein Wunder, dass da ein Nein zum Windrad schwer fällt“, konstatiert Rechtsanwalt Thomas Mock, der die Bürgerinitiative berät und sich in seinem Misstrauen gegenüber der Windindustrie bestätigt sieht. Der Profit für die Kommune sei indes auf eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich pro Jahr begrenzt, so die Initiative. Eigenheimbesitzer in unmittelbarer Umgebung würden ebenfalls zu den Verlierern zählen: Haus und Grund verlören nach neuesten Erhebungen des RWI bei 1000 Meter Abstand bis zu 24 Prozent ihres Wertes.
Gesundheitsschädliche „PFAS“
Rechtsanwalt Mock und der AKEN (Aktionskreis Energie und Naturschutz e.V.) prangern ferner an, dass die Windlobby die Vergiftung von Landschaften auf Jahrzehnte hinaus u.a. durch Kontamination von „Ewigkeitschemikalien“ (wie z.B. PFAS) in Kauf nehme. Da sie fett-, schmutz- und wasserabweisend wirken, werden sie vielfältig eingesetzt, zum Beispiel als Antihaft-Beschichtungen auf u.a. Pfannen, fettabweisenden Fast-Food-Verpackungen, zur Imprägnierung von Textilien oder als Membran in Outdoorkleidung und Wanderschuhen.
Gesundheitsschädliche Wirkungen sogenannter „PFAS“, also per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, deren Rückstände sich in Böden, Wasser und in Lebewesen anreichern, seien nachgewiesen, so Hofmann. Auf 50 bis zu 100 Kilogramm Abrieb von Mikropartikeln von den Windradflügeln pro Jahr und Anlage schätzt die BI die Kontaminationsmenge für landwirtschaftliche Flächen und Vorgärten. In ca. 30 Betriebsjahren würden so mehrere Tonnen zusammen kommen.
„Diese teils krebserregenden Stoffe gelangen bis ins Grundwasser“, mahnt Heinrich Hofmann vor nicht absehbaren Folgen. Die Beeinflussung des Mikro- und Makro-Klimas durch die starken Luftverwirbelungen auf der Lee-Seite könnten letztlich zu einer leichten Erwärmung und gewissen Austrocknung der Böden und Landschaft führen, was ein weiteres Argument gegen das Projekt sei, so Hofmann.
„Versorgungssicherheit ist gefährdet“
Über den Leiselheimer Tellerrand hinausblickend, sieht die BI auch die Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit für Teile der Wirtschaft, insbesondere des Mittelstandes, gefährdet. Eine gesicherte Stromversorgung sei nur durch Leistungen aus konventionellen, aber höchst effizienten Kohle- und Gaskraftwerken mit geringen Klimagasemissionen oder Kernenergie zu gewährleisten. Ohne Energie-Großspeicher sei der Ausbau von Windkraft daher eine Geldvernichtung.
Mit Blick auf Leiselheim geben sich die Mitstreiter der BI kämpferisch: „Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen, um das Repowering-Project zu verhindern.“