Gertrud Hagers Kinder stiften deren Nachlass aus der Pastorenfmailie Kappesser / Altbestand der Bibliothek stammt vornehmlich aus Schenkungen
Werke von großem historischen Wert
Dezernent Waldemar Herder, Dr. Busso Diekamp und Ulrike Schäfer (von links) stellten die wertvollen Bücher im „Haus zur Münze“ vor.
Sie geben Einblick in die Geschichte, erzählen aber gleichzeitig auch von der Geschichte der bekannten Pastorenfamilie Kappesser. 75 Bücher aus dem Nachlass von Gertrud Hager hat die wissenschaftliche Stadtbibliothek nun erhalten.
Gertrud Hagers Kinder, Wilhelm Hager, Dorothee Richter und Ulrike Schäfer, haben die Bücher gestiftet. „Wir hatten zunächst überlegt, die Bände in ein Antiquariat zu geben, wollten aber, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und haben uns deshalb entschieden, sie der Stadtbibliothek zu spenden“, berichtete Ulrike Schäfer bei der Vorstellung der Schätze im „Haus zur Münze“.
Wertvoller Altbestand
Dr. Busso Diekamp, Leiter der Stadtbibliothek, sei überaus entzückt gewesen, als sie ihm die Bücher präsentiert habe, so Ulrike Schäfer. Und in der Tat, die Begeisterung über die Artefakte ist dem Wissenschaftler deutlich anzumerken. „Das sind sehr wertvolle Stücke für die wissenschaftliche Bibliothek“, betonte der Leiter. Der wertvolle Altbestand der Bibliothek stamme vornehmlich aus Schenkungen. Ulrike Schäfer habe anfangs sehr niedrig gestapelt. Doch nicht alle alten Bücher seien auch wertvoll, machte Diekamp deutlich. „Sie haben vor allem dann einen Wert, wenn sie illustriert sind“, erläuterte er.
Der Nachlass von Gertrud Hager, die der bekannten Pastorenfamilie Kappesser entstammt, enthält unter anderem das 1717 in der ersten niederländischen Ausgabe erschienene „Bibelwörterbuch Kanaan und die umgebenden Länder“, das auch berühmte Reisebeschreibungen des Heiligen Landes umfasst. Besonders beeindruckt zeigte sich Diekamp bei diesem Sammelband von den Illustrationen. Unter anderem enthält es eine zeitgenössische Abbildung der syrischen Hauptstadt Damaskus. „Gerade im Hinblick auf die Syrienkrise ist die Illustration von besonderer Aktualität“, so Diekamp. Auch Abbildungen und ein Plan von Jerusalem sind in dem Werk zu finden.
„Die vermischten Predigten“, eine Schrift des Pfarrers und Aufklärungsphilosophen Johann Kaspar Lavater, enthalten auf dem Titel einen Kupferstich „Glaube, Hoffnung und Liebe“, der ebenfalls einen besonderen Wert hat.
Gut erhaltene Ledereinbände
Bemerkenswert sind auch die noch gut erhaltenen Ledereinbände einzelner Bücher. Andere Exemplare wie das Bibelwörterbuch, das einen pergamenteinband aufweist, konnten dank einer äußerst großzügigen privaten Spende restauriert werden.
Unter den Bänden sind auch heute kurios anmutende Ausgaben wie „Das Affenproblem“ aus dem Jahr 1908, ein Versuch, Professor Ernst Haeckels Embryonenbilder als Fälschung zu entlarven. „Das Werk ist typisch für seine Zeit“, weiß Diekamp.
„Ich freue mich sehr, dass die Stadtbibliothek dank dieses glücklichen Zufalls zu solch historisch wertvollen Werken gelangt ist“, betonte Dezernent Waldemar Herder. Es sei erstaunlich und erfreulich zugleich, dass die Bücher über einen solch langen Zeitraum weitervererbt worden seien.
Alle 75 neuen Werke sind bereits katalogisiert und verschlagwortet und können in der Stadtbibliothek eingesehen oder per Fernleihe an andere Bibliotheken verliehen werden.