
„Es ist nicht die Frage, wie man davon, sondern, wie man damit lebt“, erklärt Jens Wienand, seine Liebe zu der Kunst der gereimten Worte. Für ihn sind es die Ehrlichkeit und die Vielfalt der Darbietungen, die den Reiz eines jeden Slams aufs Neue ausmachen. „Nichts ist vorhersehbar – es bleibt immer spannend!“
Jeder Teilnehmer hat nur sieben Minuten Zeit, das Publikum von seinem selbst verfassten Text zu überzeugen. „Da gibt es keine Maskerade und keine Effekthascherei, nur das gesprochene Wort zählt“, begeistert sich der Moderator, für den minimalistischen Aufwand, der betrieben werden muss, um große Kunst hervorzubringen.
Faszination Poetry Slam sind wohl auch die große Bandbreite und die stets innovativen Ideen „Wo sonst bekommt ein Publikum an einem Abend von Prosa und Lyrik bis hin zu Rap alles geboten?“ Und es sind nicht nur „alte Hasen“, die die Bühne „rocken“. Denn jedes Mal haben auch Newcomer die Chance am Mikrophon ihr Bestes zu geben, schließlich ist Poetry Slam ein offener Wettbewerb. Und ob Humor oder ernste Themen, alles ist erlaubt. Und schließlich kürt am Ende das Publikum den besten Act zum Sieger.
„Zunächst hatte ich eigentlich gar keinen Bock auf Poetry Slam“, berichtet Jens Wienand „ich dachte, das sei ausschließlich was von und für Studenten, die von Uni-Erlebnissen berichten“. Doch da hatte er sich, wie er mittlerweile selbst räudig gesteht, total geirrt. Im Jahr 2009 nahm der bekennende Film-Fan, der bis dato seine Erfahrungen im Improtheater gesammelt hatte, an einem Film-Slam teil und ging direkt nach seinem ersten Auftritt mit dem Sieg nach Hause. Seither hat Wienand rund 700 mal auf der Bühne gestanden. Seine Vorbilder sind Oliver Kalkofe und Louis CK, die er künstlerisch sehr mitreißend findet. Seine Texte fallen ihm oft spontan ein – sei es beim Schlendern durch die Einkaufsstraße, beim Anstehen an der Kasse im Supermarkt oder beim Disco-Besuch. „Ich kenne auch Kollegen, die ihre Texte sehr lange ausfeilen, wieder andere können nur spontan kreativ sein – da gibt es kein Patentrezept“, auch das macht das Genre so unglaublich spannend für den Mannheimer, der in Ludwigshafen aufgewachsen ist.
Location mit Strahlkraft
Seit 2010 ist Wienand Kleinkunstveranstalter für Comedy, Improtheater und Slams. Da er selbst einen Poetry Slam in der Region aufziehen wollte, jedoch keine Konkurrenz für die in Heidelberg und Mannheim etablierten Veranstaltungen darstellen wollte, war er auf der Suche nach einem besonderen, charismatischen Theater. „ Das Wormser LincolnTheater war mir als Location mit Strahlkraft bekannt“, also fuhr er hin, suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen, um ihnen sein Vorhaben zu unterbreiten, und bereits ein halbes Jahr später standen die ersten zehn Slamer in Worms auf der Bühne. Und das mit einem Wahnsinns-Erfolg. Der Poetry Slam schlug in der Nibelungenstadt ein wie eine Bombe. Die sechs Veranstaltungen der ersten Saison waren komplett ausverkauft. „Das Wormser Publikum ist fantastisch. Selten habe ich eine so gut durchmischte Menge erlebt. Es macht unheimlich Spaß und ich freue mich jedes Mal auf die Abende im LincolnTheater“. Vielleicht hat Jens Wienand daher auch die Formate „Liederslam“ und „Kunst gegen Bares“ nach Worms geholt. Der erste Liederslam findet bereits Anfang Oktober statt. Am 4. Dezember dürfen sich die Gäste des LinolnTheaters auf “Kunst gegen Bares” freuen. Von Jonglage bis hin zu Beatboxing, alles ist erlaubt und die Zuschauer erwartet ein extrem abwechslungsreiches Programm mit demokratischem Bezahlprozess.
Nächster Poetry Slam:
Poetry Slam bezeichnet einen offenen Dichterwettstreit, bei dem eigene Texte innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens den Zuschauern vorgetragen werden. Der Wettbewerb umfasst Lyrik und Prosa. Markenzeichen des Slams ist die Verknüpfung von Vortrag mit schauspielerischen Elementen.
Mal zum Lachen, mal zum Nachdenken, aber immer gut! Der Poetry Slam kommt am Donnerstag, dem 6. November, um 20 Uhr zurück in die Nibelungenstadt. Wie immer legt sich Poetry Slam-Master und Moderator Jens Wienand ins Zeug, um die besten Slammer des Landes dafür ins LincolnTheater zu holen.